Wirtschaft
Elon Musk hat einen Traum: Leben auf dem Mars.
Elon Musk hat einen Traum: Leben auf dem Mars.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 03. Januar 2017

Elon Musks Mars-Mission geht weiter: SpaceX will zurück ins All

Von Diana Dittmer

Auch das Fiasko vom September kann den Ausnahme-Unternehmer Musk nicht stoppen. Seine Weltraumfirma SpaceX drängt nach der Explosion einer Trägerrakete wieder an den Start. Für Musk steht mehr auf dem Spiel als Geld.

Nach viermonatiger Zwangspause will es das private US-Raumfahrtunternehmen SpaceX wieder wagen und eine Rakete ins All schießen. Geben die US-Behörden grünes Licht, wird die nächste Falcon 9 bereits kommenden Sonntag abheben, schreibt die "Los Angeles Times". Für Unternehmenschef Elon Musk stehen mit dem Erolg oder Misserfolg von SpaceX nicht nur Milliarden von Dollar auf dem Spiel, sondern auch sein größter Traum: die Besiedlung des Mars.

Erst im September hatte die Mission des 45-Jährigen einen schweren Rückschlag erlitten. Bei einem verheerenden Unfall war eine Rakete, die einen Facebook-Satelliten an Bord hatte, explodiert. Mit dem Satelliten sollten abgelegene Gegenden Afrikas mit schnellen Internetzugängen versorgt werden. Es war nicht das erste Fiasko für das Unternehmen. Bereits 2015 hatte SpaceX eine Rakete, die Nachschub zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen sollte, verloren. Trotzdem: Das Geschäft mit Raketen und Satelliten ist seit Jahren im Umbruch. Und maßgeblich verantwortlich dafür ist Elon Musk. Der Wettbewerb in der Weltraumsparte wird immer härter, die Preise für Trägerraketen sinken, und die Träume über die Eroberung des Weltalls immer hochfliegender.

Für den Visionär, der nicht nur SpaceX, sondern auch Unternehmen wie Paypal und Tesla Motors gründete, wurde die Zwangspause entsprechend nach dem Unfall auch zu einer harten Geduldsprobe. Ursprünglich wollte Musk den Flugbetrieb bereits im November schon wieder aufnehmen. Der Termin musste jedoch immer wieder verschoben werden. Musk bezeichnete die Untersuchung der Panne als das "härteste Puzzle" in der 14-jährigen Unternehmensgeschichte. Den Abschlussbericht zur Unfallursache konnte SpaceX am Ende erst am Montag - vier Monate später - vorlegen. SpaceX gehe sehr vorsichtig vor, zitiert die "Los Angeles Times" einen Analysten von der Teal Group. In der Regel presche das Unternehmen sehr viel schneller vor.

Zu den Hintergründen der Explosion kamen die Experten zu dem Ergebnis, dass sich einer von drei Heliumtanks vor der Explosion offenbar ausgewölbt hatte. Es sammelte sich flüssiger Stickstoff, der zu Reibung führte. Funken flogen, kurz danach kam es zur Explosion. Damit sich so etwas nicht wiederholt, wird künftig laut dem Bericht wärmeres Helium getankt. Langfristig sei ein anderes Design der Tanks geplant, das den angenehmen Nebeneffekt habe, dass die Raketen dadurch auch schneller betankt werden könnten, heißt es weiter.

Sollte die US-Flugaufsicht FAA mit der Erklärung zufrieden sein und die Startgenehmigung geben, sei dies ein Zeichen für die Plausibilität der Untersuchung, zitiert die "Los Angeles Times" John Logsdon, einen ehemaligen Professor für Weltraumpolitik an der George Washington Universität. Musk dürfte aufatmen. Wie das Blatt weiter schreibt, will SpaceX am Sonntag zehn Satelliten mit einer Falcon-9-Trägerrakete ins All transportieren, die für die mobile Kommunikation an Land, auf See und in der Luft vorgesehen sind. Auftraggeber ist Iridium Communications. Das Unternehmen für Satellitenkommunikation twitterte am Montag, es sei "zufrieden mit der Ankündigung von SpaceX und dem anvisierten Starttermin". Wichtig sei, dass es am Sonntag einen erfolgreichen Start absolviere, kommentiert der Weltraum-Experte Logsdon. Musk habe als großer Player im Raumfahrtgeschäft einen großen Ruf zu verlieren.

Wettlauf ins All

Nach eigenen Angaben hat Musks Unternehmen Bestellungen für mehr als 70 Raketenstarts für die US-Weltraumbehörde NASA und kommerzielle Kunden. Die Aufträge haben einen Gesamtwert von mehr als zehn Milliarden Dollar, heißt es. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Die Europäer holen auf. Ein ehrgeiziges Projekt zum Beispiel ist OneWeb, an dem der europäische Luft- und Raumfahrtriese Airbus beteiligt ist. OneWeb will demnächst Weltraum-Hightech in Serie produzieren und genauso wie SpaceX mit einer Flotte von Kleinsatelliten schnelles Internet in die hinterletzten Regionen der Erde bringen.

Aber gleichzeitig passiert noch etwas anderes. Die Konkurrenten beflügeln mit ihren immer niedrigeren Preisen für Trägerraketen Visionen von der Besiedlung des Weltraums. Die Kolonisierung des Mars' ist Musks' größter Traum. Irgendwann werde die Erde möglicherweise nicht mehr bewohnbar sein, dann sollten die Menschen über Alternativen verfügen, sagte der SpaceX-Chef auf dem Internationalen Astronauten-Kongress im September im mexikanischen Guadalajara. "Die Menschheit sollte eine multiplanetare Spezies werden."

Zunächst müssten die Kosten für eine Reise zum Mars gesenkt werden, die derzeit noch bei rund zehn Milliarden US-Dollar pro Passagier liegen würden, sagte der Multimilliardär weiter. Dazu will SpaceX sehr große Raumschiffe bauen, die mindestens 100 Menschen und sehr viel Material transportieren können. Zudem sollen die Raumschiffe wiederverwendbar sein und im Orbit beladen und betankt werden können.

Musks ambitionierte Pläne sehen vor, die Kosten auf rund 140.000 Dollar pro Person zu drücken. Die ersten Menschen sollen 2025 zum roten Planeten reisen. Rund eine Million Menschen könnten in der absehbaren Zukunft auf dem Mars leben. Der Planet biete sich zur Kolonisierung an, weil es dort Sonnenlicht und eine Atmosphäre gebe, sagte Musk. Die Länge eines Tages sei dort vergleichbar mit der Erde und es sei möglich, Pflanzen zu züchten. "Das wird ein großartiges Abenteuer", freute sich der Milliardär, der die Welt verbessern will. "Das Leben ist mehr, als nur jeden Tag Probleme zu lösen. Man sollte jeden Tag aufwachen und inspiriert sein, Neues zu wagen."

Medien bezeichneten Musk bereits als Leonardo da Vinci der Tech-Branche und echten Iron-Man. Und Peter Thiel, milliardenschwerer Tech-Investor und Musks Freund, versprach einmal, er würde Musk immer Geld für SpaceX geben. Wenn einer diesen Traum vom Leben auf dem Mars verwirklichen könne, sei er es.

Zunächst einmal geht es aber nur um einen sauberen Start am Sonntag -  und danach viele weitere Testflüge. Nach dem unbemannten Transport von Satelliten, arbeitet SpaceX an einer Crew-Kapsel, um Astronauten zur Raumstation ISS zu shuttlen. Der erste unbemannte Testflug ist für November geplant. Mai 2018 sollen erstmals Menschen mitfliegen. Bis die ersten Menschen ihre Fußabdrücke auf dem Mars hinterlassen, muss SpaceX noch viele Hindernisse überwinden. Ein Flug nach dem anderen.

Quelle: n-tv.de

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