Wirtschaft
Bankia-Zentrale in Madrid.
Bankia-Zentrale in Madrid.(Foto: REUTERS)

Skandal um Bankia-Aufsichtsrat: Spanien jagt die "Geister-Kreditkarten"

Von Volker Petersen

Im Oktober erschüttert ein Skandal Spanien in seinen Grundfesten: Dutzende Aufsichtsratsmitglieder und Manager einer Großbank nutzten Kreditkarten auf Kosten der Bank - dafür verschonten sie den Chef mit Kritik. Nun wird es eng für die Beschuldigten.

Die spanische Justiz weitet die Ermittlungen um sogenannte "Geister-Kreditkarten" bei der Großbank Bankia aus. Ab sofort wird gegen 78 ehemalige Aufsichtsratsmitglieder und Topmanager des Hauses ermittelt. Für diese endet damit die Hoffnung, einem Albtraum zu entrinnen, der wie ein Märchen begonnen hatte.

Miguel Blesa.
Miguel Blesa.(Foto: picture alliance / dpa)

Anfangs war alles so schön einfach. Der Chef der altehrwürdigen Sparkasse Caja Madrid verteilte großzügig Kreditkarten für repräsentative Aufgaben an seine direkten Untergebenen. Diese tauchten in keiner Bilanz auf. Wer sie nutzte, bekam keine unangenehme Rechnung. Im Gegenteil: Die Bank zahlte und tarnte die Ausgaben vorm Fiskus. In spanischen Medien ist daher von "Geisterkarten" die Rede. Nun soll aufgeklärt werden, wofür das Geld verwendet wurde - tatsächlich für Repräsentationspflichten oder doch für Persönliches? Der Verdacht lautet auf Missbrauch des Firmenvermögens und Verstöße gegen das Unternehmensrecht.

Knapp 16 Millionen Euro gaben die Inhaber der kleinen Kärtchen zwischen 1999 und 2012 aus, laut der Zeitung "El País" auch für repräsentative Aufgaben, aber überwiegend für private Freuden wie Restaurantbesuche, Safaris oder teure Hotelübernachtungen. In den Genuss kamen nicht nur Manager, sondern auch Politiker und Gewerkschafter, die in den Gremien der Bank vertreten waren. Dumm nur, dass das ganze Vergnügen einen Haken hatte: Es war korrupt. Denn laut "El País" verlangte der großzügige Bankchef Miguel Blesa auch eine Gegenleistung: Kritik an seinen Entscheidungen und seinem Führungsstil sollten sich die Aufsichtsratmitglieder bitte verkneifen. Sich selbst gönnte er auch eine der schwarzen Karten.

Bei Bankia ging es weiter wie zuvor

Rodrigo Rato.
Rodrigo Rato.(Foto: REUTERS)

Im Jahr 2010 schlossen sich die Caja Madrid und sechs weitere Geldhäuser zur Großbank Bankia zusammen. Die Kreditkartenpraxis lief jedoch auch unter dem neuen Chef Rodrigo Rato weiter. Der ehemalige spanische Wirtschaftsminister und IWF-Vorsitzende besaß ebenfalls eine schwarze Kreditkarte. Wie "El País" berichtet, will er nicht gewusst haben, dass die Abrechnungen zu Lasten des Firmenvermögens gingen. Er sei davon ausgegangen, dass das Geld von seinem Gehalt abgezogen würde. Er leistete sich damit Juwelen, Lederwaren, Aufenthalte in Hotels und Flüge. Andere behaupteten, sie hätten die Kreditkarte als Extragehalt aufgefasst - die Frage, warum sie dann darauf keine Steuern zahlten, interessierte offenbar nicht weiter.

Als die spanische Immobilienblase platzte, saß die Bankia plötzlich auf massenhaft faulen Krediten, ihr drohte die Pleite. Die EU sprang mit einem 41-Milliarden-Kredit ein, der Bankenkonzern wurde mit 22 Millarden Euro Steuergeld verstaatlicht. Die Regierung machte sich daran, aufzuräumen. Der Kreditkartenskandal kam dann im vergangenen Oktober ans Licht. Er erschütterte Spanien in seinen Grundfesten, da die Caja Madrid eng mit der Politik verwoben war. Vorstand und Aufsichtsrat der Sparkasse wurden auf Vorschlag politischer Parteien besetzt. Die konservative Volkspartei PP etwa schloss nach den Enthüllungen ein Dutzend Mitglieder aus ihren Reihen aus. Aber auch Sozialdemokraten von der PSOE und Linke von der IU saßen mit im Boot.

Gegen Rato und Blesa laufen schon seit Oktober Ermittlungen. Deren Ausweitung begründet der zuständige Richter Fernando Andreu so: "Der einfachste gesunde Menschenverstand verpflichtet die Inhaber einer Unternehmenskreditkarte, diese nicht für persönliche Ausgaben zu verwenden." Doch so sahen das nur wenige: Ganze vier Mitglieder des über 80 Mitglieder zählenden Aufsichtsrates machten nicht mit und nahmen ihre Kreditkarte überhaupt nicht in Anspruch.

Quelle: n-tv.de

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