Dürrezeit am GeldmarktSpanien sitzt auf dem Trockenen
Ein Blick an den Interbanken-Markt zeigt: Banken sitzen wegen der drohenden Verschlechterung der Finanzlage Europas lieber auf ihrem Geld statt es sich untereinander Geld zu leihen. Schmerzlich zu spüren bekommen das jetzt Spaniens Banken.
Es gibt immer mehr Geld, das nicht das tut, was es eigentlich tun sollte, im Geldkreislauf umlaufen und sich mehren. Banken bunkern ihr Geld lieber bei der Europäischen Zentralbank (EZB) statt es anderen Banken zu leihen - schon gar nicht Spaniens Banken. Diese sind einem Medienbericht zufolge seit kurzem vom europäischen Interbanken-Markt ausgeschlossen. Nur den größten Instituten des Landes gelänge es noch, sich zu finanzieren, und dies lediglich mit Hilfe von Staatsanleihen anderer Länder wie etwa Deutschland, zitiert die Zeitung "Cinco Dias" den Manager einer Sparkasse: "Mit unseren nationalen Bonds bekommen sie gar nichts".
Die Situation soll sich seit Anfang dieser Woche noch einmal deutlich verschlechtert haben, wie das Blatt weiter berichtet. Den Manager einer mittelgroßen Bank zitiert die Zeitung mit den Worten: "Keine ausländischen Banken finanzieren uns auf dem Interbanken-Markt."
Ausfall-Versicherungen auf 13-Monats-Hoch
Die Verunsicherung auf den Kreditmärkten erklären Experten mit der zunehmenden Sorge über die Qualität der Sicherheiten. Gemäß Moody's ist die Absicherung eines Ausfalles europäischer Bank-Anleihen so teuer wie seit 13 Monaten nicht mehr. "Die Risiken im Bankensektor sind da, weil sie einen Großteil der Staatsanleihen besitzen und im Falles einer ausufernden Krise sich darauf verlassen müssen, dass die Regierung für die Schuldentilgung einspringt", sagt ein Kredit-Stratege von Société Générale.
Ende Mai hatte die Rating-Agentur Fitch die Kreditwürdigkeit Spaniens um eine Stufe auf "AA+" zurückgestuft und damit die Ängste vor einer Ausweitung der Schuldenkrise der Eurozone geschürt. Am Montag kündigte das spanische Finanzministerium an, mit der Versteigerung einer neuen richtungsweisenden Drei-Jahres-Anleihe am Donnerstag drei bis vier Milliarden Euro einsammeln zu wollen. Analysten hatten auf Bedenken, dass nicht genügend Gebote eingehen könnten, erwidert, dass dies nicht zu erwarten sei, da spanische Großbanken wie Santander und BBVA die Anleihe notfalls zeichnen würden.
Lieber bunkern statt verleihen
Die Nachricht, dass Spanien auf dem Trockenen sitzt, deckt sich mit den jüngsten Meldungen, dass Europas Banken so viel Geld bei der Europäischen Zentralbank parken wie nie. Über das vergangene Wochenende sollen es 351 Mrd. Euro gewesen sein. In den Tagen zuvor soll die Summe um die 300 Mrd. betragen haben. Viel bekommen die Institute dafür nicht: der Zins liegt bei 0,25 Prozent. Aber dafür ist das Geld sicher. Wenn Banken sich doch gegenseitig Geld leihen, dann tun sie es nur mit massiven Zinsaufschlägen. Der dreimonatige Euribor (Euro Interbank Offered Rate), der die durchschnittlichen Zinssätze angibt, zu denen 57 europäische Banken einander Anleihen in Euro gewähren, und der als Referenz für den Interbankenmarkt gilt, kletterte am Dienstag auf 0,713 Prozent. Das ist der höchste Stand seit diesem Jahr.
Schwarzer Rauch für die EZB
Kurz vor den Zinsberatungen für die Euro-Zone dürfte das den Währungshütern schwer zu denken geben. Ende Juni läuft ihr Einjahrestender aus, dann müssen die Banken 442 Mrd. Dollar zurückzahlen. Die Einjahrestender waren "Teil der erhöhten Liquiditätsversorgung" der EZB. Der deutliche Anstieg der Geldmarktsätze läuft den Interessen der Notenbank damit zuwider. Die Beschaffung des Geldes wird schwieriger, teurer und kommt am Ende einer Zinserhöhung gleich. Noch präferiert die EZB aber eine gute Liquidität im Markt. Der Leitzins für die Euro-Zone liegt deshalb weiter auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent.
Dass der Geldmarkt nicht so angesprungen ist, wie gewünscht, und die Banken weiterhin zur Geldbeschaffung in großem Maße auf die Zentralbank angewiesen sind, zeigte sich bereits vor einem Monat, als die EZB sich entschloss, Banken bis zu sechs Monate lang zum geltenden Leitzinsniveau so viel Geld zu leihen wie sie wollen. Notenbank-Experten unken bereits, dass die EZB bereits wieder voll im Krisenmanagement sei.