Wirtschaft
Bedürftige auf den Straßen von Valencia: Eine Hilfsorganisation versorgt jeden Sonntag 120 Notleidende mit Essen. Laut Caritas leben annähernd drei Millionen Menschen in Spanien in extremer Armut.
Bedürftige auf den Straßen von Valencia: Eine Hilfsorganisation versorgt jeden Sonntag 120 Notleidende mit Essen. Laut Caritas leben annähernd drei Millionen Menschen in Spanien in extremer Armut.(Foto: REUTERS)

S&P droht mit Herabstufung auf "Ramsch": Spaniens Schuldenberg wächst und wächst

Obwohl die spanische Regierung spart, steigt die Schuldenlast unaufhörlich weiter. Das Land liegt bei der Staatsverschuldung nur noch unter dem Durchschnitt der Eurozone, weil es anderen Euroländern noch schlechter geht. Eine Herabstufung durch die Ratingagenturen könnte alles noch schlimmer machen.

Die Schulden des spanischen Staates sind trotz der Sparpolitik der Regierung auf einen Rekordwert gestiegen. Wie die Madrider Zentralbank mitteilte, beliefen sich die Verbindlichkeiten der staatlichen Institutionen des Euro-Krisenlands im ersten Quartal dieses Jahres auf 923 Mrd. Euro, was 88,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht.

Die Staatsverschuldung erreichte damit den höchsten Wert seit Beginn der Erhebungen. Vor fünf Jahren hatte Spanien noch Schulden in Höhe von 40 Prozent seiner Wirtschaftsleistung. Allein zum Vorjahreszeitraum erhöhten sich die Schulden Anfang des Jahres um 19,1 Prozent und im Vergleich zum letzten Quartal 2012 um 4,4 Prozent. Mit einer Staatsverschuldung von 88,2 Prozent des BIP liegt Spanien zwar noch unter dem Durchschnitt der Eurozone, allerdings nur, weile es Staaten wie Griechenland, Portugal, Italien und Zypern noch schlechter geht. Davon abgesehen sind nach den EU-Spielregeln eigentlich auch nur maximal 60 Prozent erlaubt.

Angesichts der jüngsten Steigerungsraten dürfte es Madrid schwerfallen, das eigene Konsolidierungsziel  zu erreichen. Angepeilt ist eine Obergrenze von 91,4 Prozent.

Grund für die Entwicklung ist neben dem harten Sparkurs der Regierung auch die schwache Konjunktur. Spanien erlebt derzeit sein zweites Rezessionsjahr in Folge. Die Wirtschaft schrumpft nach Schätzung der EU-Kommission 2013 um 1,5 Prozent.

Defizitziel kaum noch zu erreichen

Als Folge bewerten führende Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit Spaniens nur knapp über dem Niveau von Ramschanleihen. So droht die Ratingagentur Standard & Poor's Spanien weiterhin mit einer Herabstufung der Bonität. Der Ausblick für die Kreditnote ist nach wie vor negativ. Damit droht dem Land eine Abstufung in den Ramsch-Bereich, der spekulative Anlagen kennzeichnen soll. S&P bestätigte für Spanien die Note "BBB-", die nur eine Stufe über dem sogenannten «Non-Investment-Grade» liegt.

S&P begründete die skeptische Haltung mit der Gefahr, dass der politische Reformwille der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy erlahmen könnte. Außerdem sei die spanische Wirtschaft hoch verschuldet und die Lage der öffentlichen Haushalte angespannt.

Die mittelfristigen Wachstumsaussichten betrachtet die Agentur als schwach, unter anderem wegen der hohen Arbeitslosigkeit und des schwachen Immobilienmarkts. Im laufenden Jahr werde die spanische Wirtschaft voraussichtlich um 1,5 Prozent schrumpfen. 2014 dürfte sie sich leicht erholen und um 0,6 Prozent wachsen.

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Quelle: n-tv.de

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