Wirtschaft

Rajoys schwieriger EinstandSpanier schnallen Gürtel enger

11.01.2012, 16:02 Uhr

Spanien geht es - haushaltspolitisch gesehen - noch schlechter als erwartet. Die neue Regierung von Ministerpräsident Rajoy muss deshalb kräftig umsteuern. Bis zu 40 Milliarden Euro müssen 2012 eingespart werden. Ein erstes Sparpaket im Volumen von 15 Milliarden Euro passiert das Madrider Parlament.

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Mariano rajoy mit seiner Stellvertreterin Soraya Saenz de Santamaria. (Foto: dpa)

Das Loch im spanischen Staatshaushalt ist erheblich größer

als erwartet. Ministerpräsident Mariano Rajoy kündigte an, dass der Staat in diesem

Jahr voraussichtlich 37 bis 40 Milliarden Euro einsparen müsse. Dies wäre mehr als

doppelt so viel wie bisher geplant. Die Neuverschuldung im Jahr 2011 liege über

acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), sagte der konservative Regierungschef

bei einem Treffen mit Parlamentariern. Spanien hatte sich bei der EU dazu verpflichtet,

das Budgetdefizit 2012 auf 4,4 Prozent des BIP zu senken. Für 2011 hatte Madrid

einen Wert von 6,0 Prozent zugesagt.

Das Parlament in Madrid verabschiedete , das den Haushalt um 15 Milliarden Euro entlasten soll. Davon

sollen neun Milliarden durch die Senkung von Kosten und sechs Milliarden Euro durch

Steuererhöhungen aufgebracht werden. Die Sparbeschlüsse sehen unter anderem ein

Einfrieren der Beamtengehälter, einen Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst sowie

eine Anhebung der Einkommens-, Vermögens- und Grundsteuern vor.

Finanzminister Cristóbal Montoro bezeichnete die Beschlüsse

als die "umfangreichsten Einsparungen seit der Rückkehr Spaniens zur Demokratie".

Für den Staatshaushalt 2012, den die Regierung im März vorlegen will, sind weitere

Sparmaßnahmen geplant.

Brüssel erwartet weitere Schritte

EU-Währungskommissar Olli Rehn bedauerte in Brüssel die

Defizit-Abweichung. Er begrüßte gleichzeitig die "sehr wichtigen (Spar-)Entscheidungen"

der neuen konservativen Regierung in Madrid, die vor Weihnachten getroffen wurden.

"Wir erwarten, dass Spanien weitere Maßnahmen trifft." Dabei gehe es auch

um Strukturreformen, beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt.

Rajoys sozialistischer Vorgänger

José Luis Rodríguez Zapatero hatte wiederholt versichert, dass seine Regierung die

Zusage zur Senkung der Neuverschuldung 2011 auf 6,0 Prozent des BIP einhalten würde.

Dass dies wohl nicht gelang, lag allerdings nur zu einem Teil in der Verantwortung

der Zapatero-Regierung. Das Überschreiten der Marke von 6,0 Prozent geht nach Angaben

der Zeitung "El País" zu drei Vierteln auf die überhöhten Ausgaben der

Regionalregierungen zurück.

Quelle: wne/dpa