Wirtschaft

Schneller als erwartetSwiss Re zahlt Buffett aus

04.11.2010, 15:09 Uhr
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Dass ihn eine weitere Strafzahlung entgangen ist, dürfte Warren Buffett verschmerzen können. (Foto: dpa)

Im dritten Quartal verdient der Schweizer Rückversicherungskonzern Swiss Re so gut, dass er den US-Investor Warren Buffett früher als erwartet auszahlt. Das dürfte Buffett recht sein, kann er doch eine "Strafzahlung" für die vorzeitig eingelöste Wandelanleihe einstreichen. Möglicherweise steckt der US-Investor das Geld auch gleich wieder in Swiss-Re-Aktien, denn europäische Rückversicherer haben es ihm derzeit angetan.

Der Schweizer

Rückversicherungskonzern Swiss Re hat im dritten Quartal gut verdient und fühlt

sich kapitalstark genug, um den US-Investor Warren Buffett früher als

vorgesehen auszahlen. Die weltweite Nummer zwei der Branche wird nach eigenen

Angaben vom Donnerstag eine frühestens im März 2011 rückzahlbare Wandelanleihe

über drei Mrd. Franken vorzeitig tilgen. Buffett hatte diese gezeichnet,

nachdem die Schweizer in der Finanzkrise mit riskanten Anlagen Schiffbruch

erlitten hatten.

Den umtriebigen

US-Investor so schnell wie möglich auf Abstand zu halten lässt sich Swiss Re

rund eine Milliarde Dollar kosten. Diese Summe muss dem Amerikaner zusätzlich

noch vor Jahresende für entgangene Zinsen und als Prämie überwiesen werden.

Trotz der Tilgung der Wandelanleihe bleibt nach Ansicht von Konzernchef Stefan

Lippe genug Kapital übrig für die angestrebte Verbesserung des Kreditratings.

Die Ratingagentur S&P hatte Swiss Re eine Höherstufung auf AA von A+ in

Aussicht gestellt, dies aber auch von der Rückzahlung der Wandelanleihe

abhängig gemacht. Rückerversicherungen legen speziell Wert auf ein möglichst

gutes Rating, da Erstversicherer ungern Verträge mit schwächer eingeschätzten

Rückversicherern abschließen.

An der Börse wurde

der Schritt begrüßt, die Swiss Re-Aktien schnellten um 6,3 Prozent auf 50,45

Franken in die Höhe und waren damit der größte Gewinner im europäischen

Versicherungssektor.

Geringe Schadenzahlungen

Den Reingewinn konnte

Swiss Re im dritten Quartal auf 618 Mio. Dollar fast verdoppeln. Der Konzern

profitierte von niedrigen Schadenzahlungen und hohen Anlageerträgen. Das

Sachversicherungsgeschäft war trotz 160 Mio. Dollar Belastung durch das schwere

Erdbeben in Neuseeland mit einem Schaden-Kosten-Satz von 76,4 Prozent

hochrentabel. Bis zu einem Wert von 100 Prozent sind die Schadenzahlungen und

Verwaltungskosten durch die Prämieneinnahmen gedeckt.

CEO Lippe dämpfte

Hoffnungen, dass die Rückversicherer angesichts der Großschäden vor allem in

der ersten Jahreshälfte Preiserhöhungen durchsetzen könnten. "Im Großen

und Ganzen befinden wir uns weiterhin in einem 'Soft Market'", sagt er.

Swiss Re stelle sich 2011 auf ein ähnliches Marktumfeld wie dieses Jahr ein.

Buffett und die Europäer

Warum sich Buffett

auf die vorzeitige Rückzahlung eingelassen und auf eine vertraglich mögliche,

weitere "Strafzahlung" verzichtet hat, wurde nicht klar. Swiss Re sei

jedenfalls nicht bereit gewesen, mehr als den nun fälligen 20-prozentigen

Aufschlag zu zahlen, sagte Finanzchef George Quinn. Und Buffett erhalte sein

Geld etwas früher zurück, bei vollen Zinsen. Die Aktionäre von Swiss Re

andererseits hätten nun klare Verhältnisse und eventuell noch bestehende

Unsicherheit seien aus der Welt geschafft.

Der legendäre

Investor, dem auch der amerikanische Rückversicherer Berkshire Hathaway gehört,

hat ein spezielles Interesse an europäischen Rückversicherern. Er hält mehr als

zehn Prozent am Branchenprimus Münchener Rück und will nach Angaben vom Oktober

dort seine Beteiligung ausbauen. An Swiss Re ist er ebenfalls mit gut drei

Prozent beteiligt. Die Frage, ob Buffett sein Geld umgehend wieder in Aktien

von Swiss Re investieren könnte, wolle Finanzchef Quinn nicht kommentieren.

Quelle: rts