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Alles auf Anfang: Teldafax-Prozess wir neu aufgerollt.
Alles auf Anfang: Teldafax-Prozess wir neu aufgerollt.(Foto: dpa)

Strafkammer widerspricht: Teldafax-Prozess muss von vorn beginnen

Zur Entlastung wird am Bonner Landgericht im vergangenen Sommer eine Hilfskammer eingerichtet. Diese soll sich mit der Pleite des Billigstromanbieters Teldafax befassen. Doch die Kammer hätte es wohl gar nicht geben dürfen.

Ein "Gebot der Fairness": Jetzt muss der Prozess noch einmal von vorne beginnen.
Ein "Gebot der Fairness": Jetzt muss der Prozess noch einmal von vorne beginnen.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Strafprozess gegen ehemalige Topmanager des insolventen Billigstromanbieters Teldafax muss neu aufgerollt werden. Die Richter der zuständigen Wirtschaftsstrafkammer 7a am Bonner Landgericht gaben den "Besetzungsrügen" der Verteidiger statt. Damit setzten sie das Verfahren schon am zweiten Verhandlungstag aus.

Die Strafkammer gehe davon aus, dass auf der Grundlage aktueller Rechtsprechung die Voraussetzungen für ihre Einrichtung als Hilfsstrafkammer im Sommer 2013 nicht vorgelegen hätten, hieß es zur Begründung.

Das Präsidium des Landgerichts Bonn hatte den weiteren Angaben die Hilfsstrafkammer zur Entlastung der Wirtschaftsstrafkammer eingerichtet. Werde die Hauptverhandlung fortgesetzt, sei zu befürchten, dass ein etwaiges Urteil durch den Bundesgerichtshof aufgehoben würde. Das Präsidium werde "nach dieser überraschenden Entscheidung" nun beraten, "auf welche Weise ein möglichst baldiger Neubeginn der Verhandlung sichergestellt werden kann", hieß es weiter.

Die Anwälte von zwei der Angeklagten hatten die sogenannten Besetzungsrügen unter anderem damit begründet, dass die Zuweisung des Verfahrens an die Strafkammer unzulässig gewesen sei. Der Vorsitzende Richter hatte zum Auftakt von einem "ein Gebot der Fairness" gesprochen, vor der Fortsetzung der Hauptverhandlung über die Einwände zu beraten.

Eine der größten Pleiten

Angeklagt sind drei Ex-Managern, denen Insolvenzverschleppung, gewerbsmäßiger Betrug und Bankrotthandlungen vorgeworfen werden. Sie sollen zahlreiche Kunden durch Vorkasse-Tarifmodelle geschädigt haben. Den Beschuldigten im Alter zwischen 49 und 61 Jahren drohen mehrjährige Haftstrafen.

Zumindest einer von ihnen könnte allerdings auf eine Bewährungsstrafe hoffen, sollte er ein Geständnis ablegen. Die Möglichkeit einer entsprechenden Verständigung sei im Vorfeld des ersten Verhandlungstages erörtert worden, hatte es geheißen.

Die Teldafax-Pleite vom Juni 2011 gilt gemessen an der Zahl der Gläubiger als eine der größten Unternehmens-Insolvenz in der deutschen Geschichte: Die 2001 gegründete Firma mit zuletzt 600 Mitarbeitern war innerhalb weniger Jahre zu Deutschlands größtem unabhängigen Energieanbieter aufgestiegen und zählte mehr als 700.000 Kunden.

Quelle: n-tv.de

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