Erstmal zwei statt dreiTelekom ruft die Frauen

Die Gerüchteküche hatte fast Recht: Die Telekom besetzt einige ihrer Vorstandsressorts neu, und zwar mit Frauen. Allerdings werden, anders als vermutet, erst einmal nur zwei der acht Vorstandsplätze neu besetzt. Für die dritte vakante Stelle scheint es immerhin eine Kandidatin zu geben.
Die Telekom beruft erstmals zwei Frauen in den Vorstand. Das Unternehmen, das vor einem Jahr eine Frauenquote für Führungskräfte beschlossen hatte, teilte mit, Claudia Nemat, bisher Direktorin der Unternehmensberatung McKinsey, solle ab Anfang Oktober das Europageschäft leiten. Die frühere baden-württembergische Kultusministerin Marion Schick werde im kommenden Jahr das Personalressort übernehmen.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Unternehmenskreisen berichtete, sei auch für das Ressort Datenschutz, Recht und Compliance eine überzeugende Kandidatin gefunden worden. Hierzu teilte die Telekom nichts mit. Das "Handelsblatt" hatte Justiz-Staatssekretärin Birgit Grundmann als Kandidatin für diesen Posten genannt.
Die 42-Jährige Nemat, die das wichtige Europa-Geschäft führen soll, gilt als Branchenkennerin. Sie habe bereits eine Reihe von Projekten für die Telekom betreut und unter anderem an der neuen Unternehmensstrategie mitgewirkt, erläuterte das Unternehmen. Nemats neues Zuständigkeitsfeld ist wegen der Wirtschaftskrise in vielen Ländern Osteuropas sowie der Probleme bei der griechischen Tochter OTE eine der größten Baustellen im Konzern. Der bisherige Europa-Vorstand Guido Kerkhoff hatte sein Amt im Februar entnervt niedergelegt.
Das Personalressort übernimmt die CDU-Politikerin Marion Schick, die vor ihrer Ministerzeit Professorin für Personalmanagement war. Ihre Bestellung wurde von den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat kritisiert. Vor ihrer Zeit als Ministerin war die 52-Jährige für den Vorstandsbereich Personal und Recht bei der Fraunhofer-Gesellschaft zuständig.
Telekom prescht vor
Es ist nicht das erste Mal, dass die Telekom bei der Förderung von Frauen in Führungsjobs vorprescht. Im März 2010 hatte der ehemalige Telefonmonopolist versprochen, bis 2015 jede dritte Management-Position weltweit mit einer Frau zu besetzen. Seit dem wurden nach Aussagen eines Telekom-Sprechers 200 Managerinnen eingestellt - der Frauenanteil in den Führungsetagen stieg damit auf 23 von 19 Prozent.
Die erste Berufung einer Frau ins obere Management nach Verkündung der Quote ging allerdings gründlich schief. Die mit vielen Vorschuss-Lorbeeren bedachte Produktions- und Innovationschefin Anastassia Lauterbach warf bereits im Februar dieses Jahres nach nicht einmal einem Jahr das Handtuch.