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Spuren im "Neuland": Wer telefoniert, hinterlässt Verbindungsdaten.
Spuren im "Neuland": Wer telefoniert, hinterlässt Verbindungsdaten.(Foto: REUTERS)

Missbrauch im deutschen Telefonverkehr?: Telekom scannt Verbindungsdaten

Mitten in den Enthüllungen rund um den "großen Lauschangriff" des US-Geheimdienstes NSA sieht sich die Deutsche Telekom mit Vorwürfen konfrontiert, die auf den ersten Blick recht ähnlich klingen. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich der vermeintliche Abhörskandal als ganz anders gelagerter Fall.

Auf der Suche nach Betrügern überwacht die Deutsche Telekom angeblich die Verbindungsdaten ihrer Kunden "in großem Stil". Computergesteuerte Überwachungssysteme des Konzerns kontrollierten den gesamten Verkehr im Festnetz und Mobilfunk und werteten automatisch Verbindungsdaten aus, berichtete die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf eine "vertrauliche Erfolgsbilanz" des Unternehmens.

Das System schlage Alarm, wenn Kunden erheblich von der Norm des Durchschnittstelefonierers abwichen, berichtete das Blatt. Eine Ermittlungsgruppe der Abteilung Konzernsicherheit habe so im vergangenen Jahr Schäden von rund 200 Millionen Euro verhindert. Dabei soll es sich dem Bericht zufolge um bestimmte Betrugsmaschen handeln, die zum Beispiel ein starkes Gebührengefälle bei Auslandsgesprächen zulasten der Telekom ausnützen. In einer beachtlichen Anzahl von Fällen seien auch Telefonanlagen von Telekom-Kunden durch Angreifer von außen manipuliert und für kostspielige Rufumleitungen missbraucht worden.

Die "Flatrate-Polizei" der Telekom sei bei der elektronischen Aufklärung mittlerweile so erfolgreich, schreibt die "Wirtschaftswoche", dass es Überlegungen gebe, den Einsatz auszuweiten.

Ein Telekom-Sprecher wollte die hohe Summe an verhinderten Schäde am Wochenende nicht bestätigen. "Wie jedes andere Telekommunikationsunternehmen nutzt die Telekom Missbrauchserkennungssysteme, die auch dem Schutz der Kunden dienen", sagte er. Das System sei dem Bundesdatenschutzbeauftragten bekannt und bereits vor Jahren öffentlich gemacht worden. Berichte über etwaige Beanstandungen liegen nicht vor.

Nur zur internen Kontrolle?

Automatische Systeme, die im Fall von auffälligen Abweichungen im Datenverkehr zwischen Kunden und Unternehmen Alarm schlagen, sind zum Beispiel im Bereich des elektronischen Überweisungsverkehrs seit Jahren im alltäglichen Einsatz. Problematisch wäre der maschinelle Datenabgleich aus der Sicht der Kunden nur, wenn dadurch personenbezogene Daten verknüpft, gespeichert oder Mitarbeitern offen zugänglich wären - oder die Daten an Dritte weitergereicht würden.

Dass ein Kommunikationsanbieter wie die Telekom die eigenen Datenströme auf Abweichungen kontrollieren muss, liegt auf der Hand. Anders ließe sich kaum sicherstellen, dass der Konzern auch tatsächlich eine verlässliche Abrechnung gewährleisten und sich vor und seine Kunden vor Missbrauch schützen kann. Ein Zusammenhang zum NSA-Skandal und den geheimdienstlichen Abhörpraktiken der USA und anderer Staaten besteht offensichtlich nicht.

Ungeklärt im Raum steht damit allerdings auch die Frage, ob das Unternehmen die automatische Durchleuchtung der Datensätze auch zur gezielten Suche nach individuellen Nutzern einsetzen will. Im Bericht der "Wirtschaftswoche" heißt es, die Telekom wolle das System möglicherweise auch dazu verwenden, teure Vieltelefonierer unter den Flatrate-Kunden des Konzerns ausfindig zu machen. Die Deutsche Telekom weist diese Vorwürfe ausdrücklich zurück. Das sei völliger Unsinn, sagte ein Sprecher.

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Quelle: n-tv.de

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