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Hoffnung für deutsche Internetnutzer?: Telekom setzt gegen NSA auf nationales Netz

Wenn eine Mail von Hamburg nach München verschickt wird, sollen angelsächsische Geheimdienste diese laut Telekom bald nicht mehr lesen können. Bestimmte Daten sollen so nicht mehr über die USA und Großbritannien geleitet werden, sondern innerhalb deutscher Grenzen bleiben. Trotzdem bleiben Gefahren.

Die Deutsche Telekom will den Internetverkehr über die USA und Großbritannien reduzieren, um ihre Kunden vor Spionage durch die dortigen Geheimdienste zu schützen. Zu diesem Zweck vereinbare das Unternehmen mit allen wichtigen Geschäftspartnern hierzulande, dass E-Mails und anderer Informationsaustausch künftig nur noch über Knotenpunkte innerhalb Deutschlands geleitet werden, sagte Telekom-Datenschutzvorstand Thomas Kremer der "Rheinischen Post".

Bislang nehmen derartige Datenpakete auch bei innerdeutschen Verbindungen häufig den Umweg über vielgenutzte Internet-Knotenpunkte in den USA und Großbritannien. Es gibt bereits Vereinbarungen der Telekom mit den deutschen E-Mail-Anbietern GMX, Freenet und Web.de, Nachrichten von Kunden untereinander verschlüsselt zu verschicken.

Nicht außer Gefahr

Das scheint nun die Devise der Telekom zu sein, der nicht viel anderes übrig bleibt, als auf die Aussage der US-Amerikaner zu vertrauen. Die hatten auf politischer Ebene versichert, dass in Deutschland kein Internetverkehr abgeschöpft werde. Daten deutscher Nutzer sind damit aber noch lange nicht außer Gefahr. Denn bei der Initiative der Telekom geht es wirklich nur um Kommunikation, die zwischen Deutschen in Deutschland mit Hilfe von deutschen Dienstleistern stattfindet. Eine nationale Kooperation im vermeintlich grenzenlosen Internetverkehr. Weitere Netzbetreiber sollen später hinzukommen.

Die Sicherheit von ausländischen Übertragungswege war durch Enthüllungen des Computerexperten Edward Snowden in Zweifel gezogen worden. Dieser hatte ans Licht gebracht, dass der US-Geheimdienst NSA sowie sein britisches Pendant Internetkommunikation und internationaler Telefonate systematisch überwachen. Der "Wirtschaftswoche" zufolge stellte die Telekom deshalb am 1. Oktober bei einem Geheimtreffen im Bundeswirtschaftsministerium ihre Pläne vor.

Schengen-Raum im Internet

"Internetverkehr kennt keine Grenzen, Daten können um die ganze Welt geleitet werden", sagte Kremer. "Wenn Sender und Empfänger aber in Deutschland sind, wollen wir jetzt erreichen, dass der Internetverkehr auch in Deutschland bleibt." Entsprechende Vereinbarungen seien bereits mit einigen Dutzend Netzbetreibern abgeschlossen worden.

Diese Maßnahme solle dann möglichst schnell alle westlichen Länder Kontinentaleuropas umfassen: "Wenn wir in Deutschland gezeigt haben, dass wir innerdeutsche Mails und andere Daten rein national transportieren können, sollte das auch für die Schengen-Länder möglich sein", ergänzte Kremer mit Blick auf den europäischen Raum ohne stationäre Grenzkontrollen, an dem sich Großbritannien nicht beteiligt.

Quelle: n-tv.de

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