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Der Sonderzug "Zarengold" der Transsibirischen Eisenbahn passiert den Baikalsee.
Der Sonderzug "Zarengold" der Transsibirischen Eisenbahn passiert den Baikalsee.(Foto: picture alliance / dpa)

Russland plant Infrastruktur-Investitionen: "Transsib" erhält Milliarden-Spritze

Die in die Jahre gekommene längste Bahnstrecke der Welt, die Transsibirische Eisenbahn, wird modernisiert. Dafür stellt Moskau einen gigantischen Betrag bereit und hofft auf weitere Investoren. Zudem wird auch die Erneuerung anderer Strecken geplant. Dies soll die wirtschaftliche Anbindung der Regionen verbessern. Zudem stehen in Russland sportliche Großereignisse an.

Es ist der große Traum vieler Bahnfans: Einmal mit der legendären "Transsib" fahren. 9288 Kilometer weit führt die Trasse der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau durch den Ural und die Weite Sibiriens, am Baikalsee entlang bis nach Wladiwostok am Pazifik. Doch die längste Bahnlinie der Welt ist in die Jahre gekommen. Deshalb will Russland mit Milliarden Euro die Weichen für eine moderne Zukunft stellen.

Zu einem "Schlüsselfaktor bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes" hat Kremlchef Wladimir Putin den Ausbau der Infrastruktur ernannt. Allein für die "Transsib" und die zwei anderen vorrangigen Projekte plant Moskau mit einem "Startkapital" von 450 Milliarden Rubel (etwa 10,6 Milliarden Euro).

Milliarden-Bedarf angemahnt

Über Transsibirische Eisenbahn zwischen Moskau und der Großstadt Wladiwostok am Pazifik können derzeit 120 Millionen Tonnen Güter im Jahr befördert werden. In den vergangenen fünf Jahren sei die Frachtmenge auf der Schiene allein in Richtung Pazifik um 55 Prozent gestiegen, sagte Putin.

Der Wanderfalke von Siemens in St. Petersburg.
Der Wanderfalke von Siemens in St. Petersburg.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nur mit den Reserven aus den immensen Öl- und Gaseinnahmen will Russland diese Vorhaben aber nicht stemmen. "Alle angekündigten Projekte sind offen für Investoren", kündigt Putin an. Bereits jetzt macht etwa der Siemens-Konzern gute Geschäfte mit dem Kreml. So haben die Münchner den neuen Hochgeschwindigkeitszug Sapsan (Wanderfalke) auf ICE-Basis entwickelt, der mehrmals täglich Moskau mit der Touristenmetropole St. Petersburg verbindet, und liefern zudem Hunderte E-Lokomotiven.

Seit Jahren dringt die Staatsbahn RZD auf die Modernisierung der 1916 fertiggestellten "Transsib" und deren Schwesterstrecke, die rund 4300 Kilometer langen Baikal-Amur-Magistrale (BAM), die nördlich entlang des Baikalsees über die Großstadt Komsomolsk am Amur zum Pazifik führt. 562 Milliarden Rubel seien bis 2018 dafür notwendig, betont Transportminister Maxim Sokolow nach einer Sitzung mit Putin. Davon trägt der Staat 260 Milliarden Rubel. Die RZD will zur Finanzierung ihres Eigenanteils Vorzugsaktien für 150 Milliarden Rubel auflegen, die dann der Nationale Wohlfahrtsfonds kaufen soll.

Anschluss an den Westen - und den Osten

Außer der "Transsib" sollen vor allem eine neue Hochgeschwindigkeitstrasse von  Moskau in die rund 800 Kilometer entfernte Millionenstadt Kasan sowie ein neuer gigantischer Autobahnring um die Hauptstadt vorangetrieben werden. Über den neuen Moskauer Autobahnring ZKAD solle in naher Zukunft entschieden werden, kündigte der Präsident an. Seit Jahren klagen die Einwohner der größten Stadt Europas über dauernd verstopfte Straßen.

Putin hatte die Verkehrsprojekte vor ausländischen Investoren auf dem Internationalen Wirtschaftsforum Ende Juni in St. Petersburg angekündigt. Wie viel Geld in welches Vorhaben fließen soll, sagte Putin zunächst nicht.

Wladiwostok
Wladiwostok(Foto: picture alliance / dpa)

Die Arbeiten an "Transsib" und BAM würden auch dringend benötigte Arbeitsplätze schaffen, meint der Analyst Alexej Wjasowski. Bisher ziehen vor allem junge Leute in Scharen aus Sibirien und dem Fernen Osten in den europäischen Teil Russlands. Gütertransporte würden sich vervielfachen, neue Steuereinnahmen entstünden, meint Wjasowski.

Immer wieder hat Putin gefordert, die riesige Region besser an den Westen  anzuschließen. Sogar ein eigenes Ministerium hat der Präsident dafür ins Leben gerufen. Das kaum besiedelte Gebiet ist für Putin von strategischer Bedeutung. Nicht ohne Hintergedanken hat er deshalb im Vorjahr ein Gipfeltreffen der Pazifik-Anrainer an die "Transsib"-Endstation Wladiwostok vergeben - und Milliarden in die Stadt gepumpt.

Großereignisse zwingen zu Infrastruktur-Investitionen

Hier grenzt Russland an die rasant wachsenden ostasiatischen Märkte. Schon häufiger drohte Putin der Europäischen Union, die ein Kartellverfahren gegen den russischen Staatskonzern Gazprom vorantreibt, damit, die Öl- und Gaslieferungen nach China und Südostasien auf Kosten des Westens deutlich zu erhöhen.

Doch auch bevorstehende Großereignisse zwingen das Riesenreich dazu, sein veraltetes Schienennetz zu modernisieren, das längste der Welt. Zudem will sich das Ausrichterland der Olympischen Winterspielen 2014 und der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 der Welt als moderner Staat präsentieren.

Vor allem die Fans sollen schnell zu den Austragungsorten gelangen - deshalb setzt Moskau verstärkt auf den rasanten Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes. Die "Transsib" spielt für die WM aber kaum eine Rolle - zwar liegt der östlichste Spielort, die Millionenstadt Jekaterinburg rund 1800 Kilometer von Moskau entfernt, an der Strecke. In Sibirien aber sind keine Partien geplant.

Quelle: n-tv.de

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