Wirtschaft
Hängt etwas durch: In den USA (hier Arbeiter beim Sicherheitstraining) entstehen im August überraschend wenig neue Jobs.
Hängt etwas durch: In den USA (hier Arbeiter beim Sicherheitstraining) entstehen im August überraschend wenig neue Jobs.(Foto: REUTERS)

Nur eine kurzfristige Störung?: US-Jobbericht sorgt für etwas Ratlosigkeit

Zuletzt melden die USA ein robustes Wirtschaftswachstum. Auch andere Konjunkturdaten malen ein rosiges Bild. Zudem erlebt der Arbeitsmarkt die beste Entwicklung seit Jahren. Umso erstaunlicher sind die jüngsten Jobdaten - zur Freude der Anleger.

Der deutliche Dämpfer auf dem US-Arbeitsmarkt sorgt an der deutschen Börse für Kursgewinne. Anleger hoffen, dass die US-Notenbank nicht zu stark unter Druck gerät, die Zinswende einzuleiten, sondern das Geld weiter billig hält. In der weltgrößten Volkswirtschaft schufen die Unternehmen im August wesentlich weniger Arbeitsplätze als erhofft. Wie das US-Arbeitsministerium berichtete, stieg die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft nur um 142.000. Volkswirte einen Stellenzuwachs um 225.000 erwartet hatten. Der Bericht stützt nun jene Währungshüter, die vor einer übereilten Straffung der Geldpolitik warnen.

Die Angaben für den Vormonat wurden indes leicht nach oben revidiert: Das Ministerium meldete für Juli nun ein Stellenplus von 212.000, nachdem zunächst ein Anstieg um 209.000 gemeldet worden war.

Quote sinkt minimal

Video

Die separat erhobene Arbeitslosenquote sank im August von 6,2 auf 6,1 Prozent, womit die Prognosen von Ökonomen erfüllt wurden. Für diese Statistik werden private Haushalte befragt, für die Beschäftigtenzahl hingegen Unternehmen und Behörden. Die durchschnittlichen US-Stundenlöhne stiegen leicht auf 24,53 Dollar.

"Der Bericht hat die Leute auf dem falschen Fuß erwischt", sagte Stanley Sun, Zinsstratege bei Nomura Securities. "Viele Akteure waren von einem kräftigen Jobwachstum ausgegangen. Die Fed wird geduldig sein, denn dieser Bericht ist Futter für die geldpolitischen Tauben."

Widerspruch zu anderen Daten

Andere Experten äußerten sich skeptisch über die Aussagekraft von Daten, die nur einen Monat abbilden. "Kurzfristige Störungen kommen vor - und das sieht aus wie eine kurzfristige Störung", sagte etwa Ian Shepherdson, Chefökonom bei Pantheon Macroeconomics. "Der Zuwachs von nur 142.000 steht absolut nicht im Einklang mit anderen Daten, etwa den Erstanträgen, den Managerumfragen und dem Vertrauervertrauen. Wir neigen daher dazu, es nicht ernst zu nehmen."

Trotz des Dämpfers im August hat der US-Arbeitsmarkt in den vergangenen Monaten die beste Entwicklung seit vielen Jahren erlebt. Im Durchschnitt entstanden in diesem Jahr jeden Monat 215.000 Jobs, was der beste Wert seit 1999 ist.

Zinserhöhung Mitte 2015?

Die Fed ist auf bestem Wege, ihr Programm massiver Staatsanleihekäufe im Oktober zu beenden. Dennoch hat sie derzeit keine Eile, den seit Ende 2008 auf dem Rekordtief von 0 bis 0,25 Prozent liegenden Leitzins anzuheben. Die vielen Langzeitarbeitslosen und die hohe Zahl von Teilzeitbeschäftigten schüren bei vielen Fed-Ratsmitgliedern die Sorge, dass die Erholung am Arbeitsmarkt nicht komplett ist.

Die meisten Experten erwarten daher die erste Zinserhöhung erst für Mitte 2015. Fed-Chefin Janet Yellen hat aber auch gesagt, dass die Zinsen schneller als erwartet steigen können, sollte der Arbeitsmarkt eine schnellere Erholung zeigen als unterstellt und die Inflation anziehen. Eine vorgezogene Zinserhöhung dürfte aber angesichts der neuesten Daten erstmal vom Tisch sein.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen