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Gold, Öl und Dow ziehen steil an: US-Notenbank lässt Leitzins unverändert

Die Währungshüter um Fed-Chefin Yellen halten die Füße still: Bei ihrem mit Spannung erwarteten Zinstreffen im März lassen sie die wichtigste Stellschraube der US-Geldpolitik vorerst unangetastet. Die Kurse an den Märkten schlagen dennoch heftig aus.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) lässt ihren Leitzins unverändert. Das gab der Offenmarkt-Ausschuss der Fed nach seiner März-Sitzung in Washington bekannt. Der für den Dollar-Raum maßgebliche Zinssatz der Fed bleibt auf einem Niveau von 0,25 bis 0,50. In dieser Spanne bewegt sich der US-Leitzins seit vergangenem Dezember, als die Notenbanker um Fed-Chefin Janet Yellen es gewagt hatten, zum ersten Mal nach der großen Finanzkrise die Zinsen wieder vorsichtig anzuheben.

Yellen: "kein festgelegter Fahrplan"

Die US-Wirtschaft entwickele sich mit moderatem Tempo, hieß es nach der Sitzung im Offenmarkt-Ausschuss (Federal Open Market Committee, FOMC) der US-Notenbank. In die Erwägungen der Währungshüter mischt sich allerdings auch vorsichtige Skepsis. Der Ausschuss begründete seine Zurückhaltung mit Risiken in der Weltwirtschaft.

In der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid sprach Fed-Chefin Yellen davon, dass sich der Ausblick zur Konjunkturlage in den vergangenen Wochen wenig verändert habe. Dafür habe sich die Erwerbsquote in den USA seit vergangenem Herbst spürbar verbessert. Die jüngsten Daten zum Wachstum und zum Arbeitsmarkt stützen demnach den Inflationsausblick der Fed.

"Flacherer Zinspfad"

Mit Blick auf die von langer Hand angekündigten Zinsschritte nach oben stellt die Fed die Märkte mittlerweile auf einen "flacheren Zinspfad" ein. Im Klartext heißt das: Die schrittweise Anhebung der Leitzinsen dürfte in einem langsameren Tempo erfolgen als bislang erwartet.

Die meisten Experten hatten mit einer stabilen Entscheidung beim Leitzins gerechnet. Eine Umfrage des "Wall Street Journals" unter Volkswirten hatte eine Wahrscheinlichkeit von lediglich zwölf Prozent für eine Erhöhung ergeben. Der US-Leitzins hatte bis zum Beginn der historischen Zinswende im vergangenen Dezember sieben Jahre lang auf einem Niveau nahe Null verharrt. Die letzte Erhöhung vor Dezember 2015 liegt fast zehn Jahre zurück.

Zinsausblick: 3,0 Prozent

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Bis Ende kommenden Jahres müssen sich Anleger und Analysten nun allerdings auf deutliche Zinsanhebungen nach oben einstellen. Die Fed bekräftigte ihre Absicht zu "schrittweisen Zinserhöhungen". Bis Ende 2017 sei mit einem Leitzins auf einem Niveau von 1,875 Prozent zu rechnen, hieß es. Dieser Wert liegt niedriger als bei den vorherigen Prognosen. Im Dezember hatte die Fed für Ende 2016 noch einen Zinssatz von 1,4 Prozent angepeilt.

Bis Ende 2018 soll der US-Leitzins der aktuellen Fed-Zielsetzung zufolge bereits bei 3,0 Prozent liegen. Allerdings, so warnte Yellen in ihren Erläuterungen vor der Presse, seien die Projektionen zur Zinsentwicklung nicht als "festgelegter Fahrplan" zu verstehen. Die stimmberechtigten Mitglieder in dem für Leitzinsentscheidungen zuständigen Offenmarktausschuss werden demnach die Lage von Treffen zu Treffen neu bewerten und entsprechend entscheiden.


(Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zum US-Leitzins finden Sie hier.)

Bei der Inflationserwartung legten die Notenbanker ebenfalls konkrete Prognosen auf den Tisch: Die Fed erwartet demnach "mittelfristig" eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent.

Starke Kursausschläge

An den Märkten hatten Beobachter im Vorfeld der Entscheidung mehrheitlich mit einem stabilen Leitzinssatz gerechnet. Im Handel kam es dennoch zu kräftigen Kursreaktionen: Der Kurs des Euro zum Beispiel schnellte in den ersten Minuten nach der Bekanntgabe steil nach oben. Der Preis für Gold verteuerte sich binnen Sekunden um fast 19 Dollar auf ein neues Tageshoch bei 1248,70 Dollar. Kurz zuvor hatte das Edelmetall noch bei knapp 1230 Dollar je Feinunze notiert.

Im New Yorker Aktienhandel zogen die Kurse ebenfalls kräftig an: Obwohl die Entscheidung beim Leitzins im Wesentlichen wie erwartet ausfiel, sprang der Dow-Jones-Index mit seinen 30 Schwergewichten aus der US-Unternehmenslandschaft kurz nach 19.00 Uhr (MEZ) um rund 100 Punkte ins Plus.

In Europa hatte die Europäische Zentralbank (EZB) in einer gegenläufigen Entwicklung erst vergangene Woche die Geldpolitik weiter gelockert und den Leitzins auf ein Niveau von 0,0 Prozent gedrückt. Zudem gab Zentralbankchef Mario Draghi bekannt, das Programm zum Ankauf von Anleihen - eine weitere Maßnahme zum "Gelddrucken" - auszuweiten.

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Quelle: n-tv.de

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