Wirtschaft

Schluss mit der Dauer-Erreichbarkeit: VW kappt nachts Blackberry-Mails

Weil nicht nur beim Smartphone, sondern vor allem auch bei Mitarbeitern einmal der Akku leer sein kann, schiebt Volkswagen der ständigen Erreichbarkeit einen Riegel vor. Kurz nach sechs fällt für dienstliche Mails auf dem Handy künftig der Hammer. Einzig für Manager des Konzerns gibt es auch künftig keine Nachtruhe.

Für die einen Statussymbol, für die anderen eine elektronische Fußfessel: Smartphones wie das Blackberry.
Für die einen Statussymbol, für die anderen eine elektronische Fußfessel: Smartphones wie das Blackberry.(Foto: REUTERS)

Keine totale Erreichbarkeit mehr: Der Autobauer Volkswagen schaltet Mitarbeitern mit einem Firmen-Smartphone nach Feierabend den Email-Eingang ab. "Die Kollegen sollen nach getaner Arbeit auch ihre Ruhezeit als solche nutzen können", teilte der Betriebsrat des größten deutschen Autobauers mit.

Das Unternehmen und die Mitarbeitervertretung schlossen eine entsprechende Betriebsvereinbarung, die für 1154 Tarifmitarbeiter in den sechs Werken des Unternehmens gilt, die derzeit ein dienstliches Smartphone haben.

Die Blackberrys können nun von 18.15 Uhr bis 7 Uhr morgens keine Mails mehr empfangen, telefoniert werden kann aber noch. "Die Vereinbarung wurde schon sehr positiv aufgenommen", erläuterte das zuständige Betriebsratsmitglied Heinz-Joachim Thust.

Für viele Mitarbeiter, die entweder nicht tariflich geschützt sind oder in leitenden Positionen arbeiten, gilt die Schonzeit dagegen nicht. Bei ihnen blinkt das Diensthandy auch weiterhin Tag und Nacht. Wie viele dies sind, dazu machte ein VW-Sprecher keine Angaben.

Fairer Interessenausgleich

Beim Autobauer ist auch nicht bekannt, ob man mit der Betriebsvereinbarung zur Erreichbarkeit der Mitarbeiter nach Feierabend eine Vorreiter-Position unter den Dax-Unternehmen einnimmt. "Wir sehen das als fairen Ausgleich zwischen den Interessen des Unternehmens und der Beschäftigten", sagte ein VW-Konzernsprecher.

Die Verhandlungen über die Betriebsvereinbarung zur Mail-Abschaltung waren seit Spätsommer gelaufen. Vom Betriebsrat hieß es, mit der Regelung sei sichergestellt, dass die Tarif-Beschäftigten nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen müssten.

Die ständige Erreichbarkeit und Verfügbarkeit für den Arbeitgeber gilt als eine wichtige Ursache für die wachsende Belastung von Beschäftigten, die zu ernsthaften Erschöpfungserscheinungen führen kann. Psychische Erkrankungen wie das Burnout-Syndrom führen immer häufiger zu Krankschreibungen.

Quelle: n-tv.de

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