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Griff nach Scania: VW schraubt eigene Rekorde höher

Europas größter Autohersteller zeigt sich von der Absatzflaute auf dem Heimatkontinent wenig beeindruckt. Einmal mehr melden die Wolfsburger Bestwerte. Und nun soll auch endlich in der Lkw-Sparte durchgegriffen werden. Das lässt sich VW ordentlich was kosten.

Europas größter Autobauer hat ungeachtet der Schwäche des europäischen Pkw-Marktes das vergangene Jahr einmal mehr mit Rekorden abgeschlossen. So markierten die Wolfsburger bei Umsatz und operativen Ergebnis neue Bestmarken. Vom Erfolg sollen auch die Aktionäre profitieren. Darüber hinaus schaltet der Dax-Konzern nun bei der nur schleppend vorankommende Lkw-Allianz einen Gang höher und will den Nutzfahrzeughersteller Scania komplett übernehmen.

Dazu bietet das Unternehmen für die noch ausstehenden Anteile der schwedischen Tochter insgesamt rund 6,7 Milliarden Euro. Je Anteil sind das 200 Schwedische Kronen oder umgerechnet etwa 22,26 Euro. Berechnet auf der Basis der Durchschnittskurse der vergangenen 90 Tage ist das laut VW-Angaben eine Prämie von 57,0 Prozent je Scania-A- beziehungsweise 53,3 Prozent je Scania-B-Aktie.

Scania soll von der Börse verschwinden

Nach Überschreiten der 90-Prozent-Schwelle plant Volkswagen einen Squeeze-out und will die Schweden von der Börse nehmen. Aktuell halten die Niedersachsen 89,2 Prozent der Stimmrecht und 62,6 Prozent des Kapitals bei Scania.

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Der Deal wäre ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Vollendung des integrierten Nutzfahrzeugkonzerns, von dem Firmenpatriarch Ferdinand Piech schon lange träumt. Die Niedersachen wollen schneller und umfassender die Strategie für das Nutzfahrzeuggeschäft umsetzen. Zudem schielen sie auf die Synergien aus der Zusammenarbeit mit den Konzernmarken Volkswagen Nutzfahrzeuge, Scania und MAN. Bisher gleichen die Bemühungen eher der Zähmung von zwei Widerspenstigen - MAN und Scania beharren auf eigenen Entscheidungsspielräumen.

Im Schnitt erwartet VW ein langfristiges zusätzliches Synergiepotenzial von mindestens 650 Millionen Euro operatives Ergebnis pro Jahr. Zum Ende dieses Jahres sollen es bisherigen Angaben zufolge 200 Millionen Euro sein. Angesichts der langen Produktlebenszyklen im Nutzfahrzeuggeschäft werde es allerdings 10 bis 15 Jahre dauern, bis das langfristige Sparpotenzial voll ausgeschöpft werden könne, hieß es.

Hinter den Kulissen ist man bei Europas größtem Autohersteller seit längerem unzufrieden mit den Fortschritten bei der geplanten Lkw-Troika. Ex-Scania-Chef Leif Oestling wird durch den Ex-Daimler Vorstand Andreas Renschler abgelöst.

Rekordumsatz und weniger Gewinn

6,7 Milliarden Euro sind VW die restlichen Scania-Anteile wert.
6,7 Milliarden Euro sind VW die restlichen Scania-Anteile wert.(Foto: REUTERS)

Derweil erwirtschaftete der Konzern im vergangenen Jahr 197 Milliarden Euro und damit 2,2 Prozent als im bisherigen Rekordjahr 2012. Vor Zinsen und Steuern verbuchte der Autobauer 11,7 Milliarden Euro und damit rund 1,5 Prozent mehr als 2012, wie es anlässlich einer Aufsichtsratssitzung hieß. Damit übertraf VW leicht die Prognose, wonach der operative Gewinn auf Vorjahresniveau verharren sollte. Allerdings brach der Überschuss um mehr als die Hälfte auf 9,1 Milliarden Euro ein. Im Vorjahr hatten Sondereffekte im Zusammenhang mit der Porsche-Übernahme die Bilanz aufgebläht.

Zum Plus beim operativen Ergebnis trug nach Meinung von Experten vor allem bei, dass die Niedersachsen nach hohen Investitionen in ihr neues Produktionssystem inzwischen mehr von den Einsparungen profitieren. Dadurch konnte VW auch Belastungen durch den starken Euro besser verkraften.

Den Aktionären und der Belegschaft winken dennoch höhere Beteiligungen. Die Dividende für 2013 soll um je 50 Cent auf vier Euro je Stamm- und 4,06 Euro je Vorzugsaktie erhöht werden. Den Anteilseignern war mittelfristig eine höhere Ausschüttungsquote versprochen worden.

Vorsichtiger Ausblick

Beim Absatz lief es das ganze Jahr über rund für das Imperium mit seinen 12 Marken. Konzernweit brachte Volkswagen dank großer Zuwächse in China 9,73 Millionen Fahrzeuge an die Kunden in aller Welt - ein Plus von rund fünf Prozent - und überholte damit General Motors. Vor allem die Oberklasse-Tochter Audi und die Sportwagenschmiede Porsche sorgten für den deutlichen Zuwachs.

In diesem Jahr rechnet der Volkswagen-Konzern mit einem "unverändert herausfordernden Marktumfeld" und will die Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahr "moderat steigern". Der Umsatz soll sich in einer Bandbreite von drei Prozent um den Vorjahreswert bewegen. Im Kerngeschäft wird eine eine operative Rendite in der Spanne zwischen 5,5 und 6,5 Prozent angepeilt. Damit werde der Vergleichswert des Vorjahres leicht übertroffen, teilte VW mit. Bei den Finanzdienstleistungen solle die Marge zwischen acht und neun Prozent liegen.

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Quelle: n-tv.de

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