Wirtschaft
Schweres Gerät vom Tagebau bis zum Transport: Wer im Rohstoffgeschäft mitmischen will, muss in teure Anlagen und Maschinen investieren.
Schweres Gerät vom Tagebau bis zum Transport: Wer im Rohstoffgeschäft mitmischen will, muss in teure Anlagen und Maschinen investieren.(Foto: REUTERS)

Eisenerz-Gigant verliert Milliarden: Vale setzt das Messer an

Die Zahlen aus dem zurückliegenden Quartal lassen Analysten erbleichen: Binnen dreier Monate fährt der brasilianische Rohstoffriese Vale dramatische Verluste ein. Konzernchef Ferreira reagiert und wirft milliardenschwere Filetstücke auf den Markt.

Der Preisverfall bei den Industriemetallen bringt den weltgrößten Eisenerz-Förderer Vale schwer in Bedrängnis. Im vierten Quartal fiel ein Nettoverlust von 8,57 Milliarden Dollar an, wie das brasilianische Unternehmen mitteilte. Es ist der größte Fehlbetrag seit der Privatisierung des Bergbau-Konzerns im Jahr 1997. Zum Vergleich: Damit verliert Vale derzeit binnen drei Monate mehr Geld, als mancher Dax-Konzern im Jahr an Umsatz erwirtschaftet.

Für Anleger kam das horrende Minus bei Vale überraschend: Analysten hatten im Vorfeld im Schnitt nur mit einem Minus von 56 Millionen Dollar gerechnet. Die immense Differenz kam größtenteils durch erforderlich gewordene Abschreibungen zustande. An der Börse reagierten Vale-Aktien mit kräftigen Abschlägen. Im brasilianischen Handel in Sao Paulo lag der Kurs des Bergbauunternehmens zeitweise 5,8 Prozent im Minus bei 8,10 Real.

Keine Tabus mehr

Um die horrenden Verluste aufzufangen, will der brasilianische Großkonzern einen milliardenschweren Verkauf von Konzernsparten starten. Dabei ist Unternehmenschef Murilo Ferreira offenbar auch bereit, Filetstücke losschlagen, die bisher tabu war. Es gebe bei den Verkäufen "keine Einschränkungen", sagte er bei einer Telefonkonferenz.

Binnen 18 Monaten peile Vale Erlöse von zehn Milliarden Dollar an, erklärte Ferreira. Damit solle der Schuldenberg von 15 Milliarden Dollar abgetragen werden. Allerdings ließ er offen, wie weit die Verkäufe schon gediehen sind.

Bisher hatte Vale darauf gesetzt, Finanzlöcher mit dem Verkauf von Randsparten wie der Düngerproduktion oder der Schifffahrt stopfen zu können. Der Rivale von Rio Tinto und BHP Billiton hoffte zudem darauf, dass sein neues Eisenerz-Bergwerk im Amazonas-Gebiet Gewinne abwerfen werde, wenn es 2018 voll produziert. Doch weil die Eisenerz-Preise jüngsten Prognosen zufolge bis dahin im Keller bleiben, gehen Branchenkenner davon aus, dass die Durststrecke zu lang werden dürfte. Auch der Verfall der Landeswährung Real wirkt sich für Vale negativ aus.

Bergbau mit schwerem Gerät

Eisenerz ist die Haupteinnahmequelle des Konzerns. Der Preisverfall beim Rohstoff drückte Vale bereits in fünf der letzten sechs Quartale in die roten Zahlen. Die Abwärtsfahrt am Rohstoffmarkt trifft das Unternehmen in einer Phase, in der Vale eigentlich viel Geld in neue Projekte lenken müsste. Wenn diese Investitionen ausbleiben, so lautet die Befürchtung von Branchenkennern, dann stünde Vale in einer Phase wieder anziehender Rohstoffpreise mit erschöpften Vorräten und veralteten Anlagen da.

Als Rohstoffkonzern betreibt Vale nicht nur Erzminen, Förderanlagen, Abraumbagger und andere Einrichtungen aus dem Bereich Bergbau, sondern verfügt auch über eigene Bahnstrecken, Hafenanlagen und unter anderem auch eine Flotte an riesigen Schüttgutfrachtern. Die "Vale Beijing" zum Beispiel zählt mit einer Gesamtlänge von 361 Metern und einer Kapazität von bis zu 400.000 Tonnen Eisenerz zu den größten und schwersten Schiffen der Welt.

Belastungsfaktor für Brasilien

Der Konzern steht für Tausende Arbeitsplätze im brasilianischen Rohstoffsektor und trägt mit seinen Exporten nach China, Europa und in die USA einen beträchtlichen Teil zur brasilianischen Wirtschaftsleistung bei. Das 8,57-Milliarden-Minus aus dem zurückliegenden Quartal reißt auch die Jahresbilanz von Vale tief in die Verlustzone.

Im Gesamtjahr 2015 fiel ein Verlust von 12,1 Milliarden Dollar an. Nach Daten des Marktforschers Economatica ist es das größte Minus einer brasilianischen Firma seit mindestens 1986. Neben Abschreibungen auf Kohle- und Nickel-Geschäfte wirkte sich demnach auch der Verfall der Landeswährung Real negativ aus.

Quelle: n-tv.de

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