Wirtschaft
Giannis Varoufakis: Aus der Forschung und Beratung ins Ministeramt.
Giannis Varoufakis: Aus der Forschung und Beratung ins Ministeramt.(Foto: REUTERS)

Finanzminister mit Nerd-Reizen: Varoufakis arbeitete in Spielebranche

Linksorientiert, streitsüchtig und Hass auf Oligarchen: Die Wahl in Griechenland hat mit Premier Tsipras auch Finanzminister Varoufakis in die Athener Regierungsspitze gehoben. Der Ökonom hat Praxiserfahrung - unter anderem bei der US-Spieleschmiede Valve.

Sein letztes Spiel war "Space Invaders". Wegen dieser Qualifikation wurde Griechenlands neuer Finanzminister Giannis Varoufakis wohl nicht von Gabe Newell kontaktiert. Newell ist der Kopf von Valve Software, einem US-Unternehmen aus der Spielebranche, das ein Quasi-Monopol betreibt: Steam. Bei der digitalen Vertriebsplattform für PC-, Mac- und Linux-Spiele war der 53-Jährige als Wirtschaftsexperte tätig. Im Oktober 2013 erreichte die Software auf dem PC-Markt einen Marktanteil von 75 Prozent.

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Varoufakis ist mit seiner Tätigkeit in der Spielebranche nicht alleine: Auch andere Entwicklerstudios beschäftigen Wirtschaftswissenschaftler, um virtuelle Währungsräume unter Kontrolle zu halten - wie etwa das Weltraum-MMO "Eve Online", deren Macher regelmäßig Wirtschaftsberichte aus ihrem ultralibertären Markt veröffentlichen.

Das Aufgabengebiet des neuen Ressortchefs waren Datenerhebung, Experimente und Kundenangebot, die Analyse der Schnittstelle zwischen realer und virtueller Währungen bei Steam. Varoufakis nahm im Rahmen seiner Tätigkeit auch Valves Unternehmensstruktur unter die Lupe. Er lobt in seiner Analyse die fehlenden Hierarchien als "alternative spontane Ordnung", die in einer Oligarchie etabliert worden sei. Über Oligarchen in seiner Heimat hat der neue griechische Finanzminister indes keine hohe Meinung: "Wir werden die Basis zertrümmern, auf der die Oligarchen über Jahrzehnte ein Netzwerk aufgebaut haben, das die wirtschaftliche Kraft von jedem anderen in diesem Land geraubt hat", sagte er zur Korruptionsbekämpfung.

Provokation gehört dazu

Varoufakis ist ohnehin kein Leisetreter, gilt als streitsüchtig und ist dafür bekannt, seine Gesprächspartner gern zu provozieren. Eine seiner bekanntesten Aussagen: "Wenn es in Griechenland kein Wirtschaftswachstum gibt, werden die Kreditgeber keinen Cent sehen." Er wird erwartet, dass Varoufakis in den bevorstehenden Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern an vorderster Front agieren wird. Er kündigte an, "die Wahrheit zu sagen darüber, wie untragbar es ist, einen Staatsbankrott inmitten der EU einfach zu verleugnen."

Seit Jahren betreibt Varoufakis einen gut besuchten englischsprachigen Blog. Als Finanzminister werde er in Zukunft weniger bloggen, ließ er seine Leser nun wissen. Aufhören will er damit aber nicht. Vielleicht kann er neben seiner Rettertätigkeit für die griechische Wirtschaft auch noch seine "Space Invaders"-Fähigkeiten auffrischen.

Quelle: n-tv.de

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