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"Amateur!", "Spieler!" : Varoufakis wird in Riga beschimpft

In Riga versucht Griechenlands Finanzminister Varoufakis, der Freigabe von Hilfsmilliarden näherzukommen. Doch es deutet bisher wenig darauf hin, dass ihm das gelingen wird. Er selbst spricht von einer "feindlichen Atmosphäre".

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis bekommt beim Treffen in Riga die Ungeduld vieler Ressortchefs aus dem Rest der Eurozone zu spüren. "Ich fordere jetzt dringend, dass wir Ergebnisse auf den Tisch bekommen, die entscheidungsreif sind", sagte der österreichische Finanzminister Hans Jörg Schelling in der lettischen Hauptstadt. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem warf der griechischen Seite vor, sie sei für die bisher verlorene Zeit verantwortlich.

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Der Hauptkritikpunkt: Athen habe die zugesagte Liste mit belastbaren Reform- und Sparvorschlägen noch immer nicht vorgelegt. Die Kreditgebergruppe aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank will die letzte milliardenschwere Tranche aus dem zweiten Hilfspaket erst freigeben, wenn Athen im Gegenzug vorher vereinbarte Maßnahmen umsetzt. Wie lange die griechische Regierung noch ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann, ist unklar. Allgemein wird davon ausgegangen, dass ihr ohne Hilfe das Geld spätestens im Juni ausgeht.

Die Vorwürfe, die sich Varoufakis in Riga anhören muss, haben es in sich. Als "Spieler", "Amateur" und "Zeitverschwender" sei er von Amtskollegen beschimpft worden, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Es sei in ihren Augen unverantwortlich, wie Varoufakis die Verhandlungen gestalte. Der Grieche beklagt sich dem Bericht zufolge über die "feindliche Atmosphäre", da er von allen Seiten kritisiert werde.

"Die Zeit wird knapp"

"Wir hören ja, dass intensiv gearbeitet wird. Wir hören, dass es noch nicht so weit ist", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici sagte nach der ersten Sitzung in Riga, dass es minimale Annäherungen gegeben habe. "In einigen Punkten sind wir noch weit voneinander entfernt. Unsere Nachricht von heute ist klar: Man muss beschleunigen", sagte der Franzose in Richtung Athen.

"Wir sind uns einig, dass eine Vereinbarung schwierig wird", sagte Varoufakis. Sie werde aber kommen. "Es wird schnell passieren, weil das die einzige Option ist, die wir haben." In seinem Blog hatte er am Morgen geschrieben, die derzeitigen Meinungsunterschiede seien nicht unüberbrückbar.

Druck kommt nicht nur aus Berlin, sondern auch aus dem Baltikum. Der lettische Finanzminister Janis Reirs sagte: "Wir raten Griechenland, die vereinbarten Bedingungen zu erfüllen und an strukturellen Reformen und Maßnahmen zur Verringerung des Budgetdefizits festzuhalten." Sein litauischer Amtskollege Rimantas Sadzius äußerte sich ähnlich.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, drängt unterdessen zur Eile. "Die Zeit wird knapp", sagte er mit Blick auf die Gespräche zwischen Athen und den Gläubiger-Institutionen. "Geschwindigkeit ist von entscheidender Bedeutung."

Quelle: n-tv.de

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