Wirtschaft
Video

Franzose soll neuer Chef werden: Vatikan-Bank entrümpelt sich

Die Vatikan-Bank steht vor einer grundlegenden Reform. Das von Skandalen gebeutelte Geldinstitut trennt sich von seinem Investmentgeschäft. Der bisherige Bankchef von Freyberg wird durch den französischen Geschäftsmann de Franssu ersetzt.

Die skandalgeschüttelte Vatikan-Bank treibt ihre Aufräumarbeiten kräftig voran. Das Institut sperrte mehr als 2000 Konten und kündigte weitere 3000 Sperrungen. Wie das Institut bekanntgab, hat es auf den meisten gekündigten Konten seit Jahren keine Bewegung mehr gegeben. Weitere 359 Geschäftsbeziehungen sollen aufgegeben werden, da sie nicht mehr den Kriterien des Hauses entsprächen, hieß es weiter.

Aufgabe der Bank mit dem offiziellen Namen "Institut für religiöse Werke" ist die Verwaltung von Geldern der Kirche, Wohltätigkeitsorganisationen, Ordensgemeinschaften und Angestellten des Vatikans. Die Bank, die 15.500 Kunden mit teils mehreren Konten hat, war unter anderem in den Verdacht der Geldwäsche geraten.

Unter der Führung von Bankchef Ernst von Freyberg, der im Februar 2013 noch vom früheren Papst Benedikt XVI. eingesetzt worden war, begann das Geldhaus eine Initiative für mehr Transparenz. Der inzwischen 55-Jährige ließ mehrere Ermittlungen einleiten, setzte strengere Regeln im Kampf gegen Geldwäsche sowie den Ausstieg aus mehreren zweifelhaften Investitionen durch.

Richtungswechsel frisst Gewinn

Das kostete die Bank im vergangenen Jahr fast den kompletten Gewinn: Er fiel binnen Jahresfrist von 87 Millionen auf knapp 3 Millionen Euro. Insgesamt flossen wegen der Schließung der Konten und der Reformen rund 400 Millionen Euro ab. Zum Jahresende verwaltete die Bank ein Vermögen von 5,9 Milliarden Euro. Doch die Neustrukturierung trägt mittlerweile Früchte: Im ersten Halbjahr 2014 stieg der Gewinn wieder auf rund 57 Millionen Euro.

Allerdings wird deutsche Chef von Freyberg sein Amt nach nur knapp eineinhalb Jahren aufgeben. "Mit dem Abschluss der ersten Phase des Reformprozesses sind wir nun in der Lage, unter einer neuen Führung die zweite Phase zu beginnen", erklärte der Leiter der Finanzbehörde des Vatikans, Kardinal George Pell, bei der Veröffentlichung des Jahresberichts.

Aufgabe der Investment-Aktivitäten

Insidern zufolge soll die Bank weiter deutlich zusammengestutzt werden. Die Details zu der Reform sollen am morgigen Mittwoch bekanntgegeben werden, wie aus Vatikan-Kreisen verlautete. Die Investment-Aktivitäten würden im Zuge der Neustrukturierung abgegeben. Erwartet wird auch, dass das Vermögen des Heiligen Stuhls künftig von einer neu gegründeten Abteilung verwaltet wird.

Zum neuen Chef soll der französische Geschäftsmann Jean-Baptiste de Franssu ernannt werden. Papst Franziskus hatte der Bank nach der Skandalserie eine neue Chance gegeben und sich gegen eine vollständige Abwicklung entschieden.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen