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BIP trotzt internationalen Krisen: Verbraucher beflügeln deutsche Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft demonstriert derzeit beeindruckende Krisenresistenz. Das Bruttoinlandsprodukt legt stärker zu als erwartet und das vor allem wegen der ungebrochenen Kauflust der Deutschen.

Getrieben von der Kauflust der Verbraucher hat die deutsche Wirtschaft ihr Wachstumstempo Ende 2014 wieder deutlich beschleunigt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im vierten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,7 Prozent und damit deutlich stärker als zunächst erwartet, wie das das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte.

In einer ersten Schätzung waren die Statistiker ungefähr von einem Viertel Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorquartal ausgegangen. Mit dem kräftigen Plus habe sich die konjunkturelle Lage nach dem schwungvollen Jahresauftakt und der Schwächephase im Sommer zum Ende des Jahres stabilisiert, hieß es. Dank des überraschend starken Schlussquartals korrigierten die Statistiker auch den BIP-Anstieg im Gesamtjahr leicht von 1,5 Prozent auf 1,6 Prozent nach oben.

"Konjunkturdoping durch niedrigen Ölpreis"

Wichtigste Wachstumstreiber waren den Angaben zufolge erneut die Verbraucher. Wie die Statistiker mitteilten, steigerten die privaten Haushalte ihre Ausgaben Ende 2014 noch einmal merklich. Ein weiterer entscheidender Wachstumsbeitrag kam zudem von den Investitionen. "Neben Ausrüstungen wurde insbesondere in Bauten deutlich mehr investiert als im dritten Quartal 2014. Auch die Exporte von Waren und Dienstleistungen legten den vorläufigen Berechnungen zufolge nochmals kräftig zu", teilte Destatis mit. Allerdings hätten sich die Importe in ähnlicher Größenordnung erhöht.

Alexander Krüger, der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, führte die Wachstumsüberraschung auf "das Konjunkturdoping durch niedrigen Ölpreis, niedrigen Euro und niedrige Zinsen" zurück: "Ohne dieses Doping hätten wir nur ein stabiles, kein überschwängliches Wachstum gehabt", sagte er. Besonders großer Optimismus ist mit Blick auf das laufende Jahr seiner Ansicht nach fehl am Platz, weil die Investitionsbereitschaft der Unternehmen fragil ist. "Wir haben jetzt zwar eine Deeskalation in der Ukraine, aber von einer Lösung sind wir weit entfernt", gab er zu bedenken.

"Es gibt Grund zum Optimismus"

ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski sieht angesichts eines statistischen Überhangs von 0,5 Prozent und weniger arbeitsfreien Tagen rechnerisch gute Voraussetzungen für ein stärkeres Wirtschaftswachstum. Allerdings warnt auch er: "Die große Unbekannte bleiben 2015 die Inlandsinvestitionen. Zwar sprechen niedrige Zinsen und eine gute Liquiditätsausstattung für höhere Investitionen, doch können die unsichere Zukunft der Eurozone und anhaltende geopolitische Spannungen immer noch bremsend wirken."

Andreas Rees von Unicredit sagte: "Das ist ein Paukenschlag. Die konjunkturelle Erholung in Deutschland ist überraschend früh gestartet. Nach der Sommerpause haben einige von Rezession gesprochen, stattdessen ist Deutschland noch einmal kräftig durchgestartet. Optimistisch macht vor allem, dass das Wachstum aus dem Inland kommt. Nicht nur die Konsumenten geben wegen sinkender Ölpreise, Rekordbeschäftigung und steigender Löhne mehr aus. Auch die Unternehmen sind wieder bereit zu investieren. Den Russland-Ukraine-Schock haben die Unternehmen offenbar verdaut. Es gibt Grund zum Optimismus für 2015."

Frankreichs Wirtschaft wuchs im vierten Quartal um 0,1 Prozent, was in etwa den Prognosen entsprach, während die Niederlande mit plus 0,5 Prozent am oberen Ende der Erwartungen lagen. Evelyn Herrmann, Volkswirtin bei BNP Paribas, rechnet vor diesem Hintergrund damit, dass das BIP der Eurozone um 0,4 Prozent gestiegen ist. Erwartetet wird bisher ein Plus von nur 0,2 Prozent. Eurostat wird die Daten um 11.00 Uhr veröffentlichen.

Quelle: n-tv.de

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