Wirtschaft
Die "roten Blutkörperchen" im "Blutkreislauf" einer modernen Volkswirtschaft: Schwere Lkw, hier in den Hallen von Dongfeng Motor in Shiyan, Provinz Hubei.
Die "roten Blutkörperchen" im "Blutkreislauf" einer modernen Volkswirtschaft: Schwere Lkw, hier in den Hallen von Dongfeng Motor in Shiyan, Provinz Hubei.(Foto: REUTERS)

Schwere Lkw für China: Volvo drängelt hinter Daimler

In Europa ist der Markt für Nutzfahrzeuge weitgehend ausgereizt, doch China und andere Schwellenländer bieten noch riesiges Potenzial. Um den Branchenführer Daimler Trucks von der Spitze zu verdrängen, verbündet sich Volvo mit der bisherigen Nr. 2 im Markt.

Der schwedische Lastwagenbauer Volvo will durch eine Beteiligung in China am deutschen Konkurrenten Daimler vorbeiziehen und zur Nummer eins der Branche bei schweren Lkw aufsteigen. Volvo werde 45 Prozent der Anteile an einer neuen Tochter des chinesischen Fahrzeugbauers Dongfeng Motor Group erwerben, teilte der Stockholmer Konzern mit. Die Kartellbehörden und die chinesische Aufsicht müssen der Transaktion im Volumen von 5,6 Mrd. Yuan (664 Mio. Euro) noch zustimmen.

"Damit haben wir uns eine sehr starke Position im chinesischen Markt gesichert", sagte Volvo-Chef Olof Persson im schwedischen Radio. Das Reich der Mitte sei der größte Markt für schwere Lastwagen - so groß wie der europäische und nordamerikanische zusammen. Während einer Telefonkonferenz mit Analysten und Journalisten führte Persson weiter aus, China sei für Volvo in gewisser Weise der fehlende Baustein in der globalen Lastwagen-Strategie. Mit dem neuen Abkommen erhalte sein Unternehmen einen wichtigen Einstiegspunkt in den weltgrößten Lkw-Markt.

"Das Beste aus zwei Welten"

Das Gemeinschaftsunternehmen soll den Namen Dongfeng Commercial Vehicles tragen. Dongfeng ist weltweit der zweitgrößte Hersteller von schweren Lkw der Welt und setzte 2011 186.000 Stück ab. Volvo kam im selben Jahr auf 180.000 Fahrzeuge. Marktführer Daimler wies zwar einen Absatz von 436.000 Lkw aus. Allerdings sind dabei auch leichte Fahrzeuge erfasst.

In ihren Heimatmärkten kämpfen die europäischen Hersteller derzeit mit anhaltenden Absatzschwierigkeiten. Weltweit werden der Branche mit Blick auf die wirtschaftliche Dynamik in Asien und Amerika jedoch weiterhin starke Zuwächse prognostiziert. In der offiziellen Mitteilung meinte Persson, man wolle "das Beste aus zwei Welten" zusammenführen.

Es seien Kooperationen bei Motoren und Komponenten sowie beim Einkauf geplant. Er rechne damit, dass das Geschäft in etwa einem Jahr endgültig über die Bühne gegangen ist. Volvos Verschuldung werde sich dadurch um etwa 6 Mrd. schwedische Kronen (691 Mio. Euro) erhöhen.

Nissan-Knowhow für Volvo

In das neue Unternehmen mit 28.000 Mitarbeitern bringt Dongfeng den überwiegenden Teil seines Geschäfts mit schweren Lastwagen ein, was etwa 142.000 von insgesamt 186.000 produzierten Fahrzeugen (Stand 2011) entspricht. Vier der acht Top-Manager will Volvo besetzen, darunter soll sich auch der Posten des Finanzchefs befinden.

Dongfeng hatte erst vor kurzem aus einem Joint-Venture mit dem japanischen Hersteller Nissan die Anteile am Geschäft mit schweren Lkw erstanden.

Die Volvo-Gruppe hat nichts mehr mit dem Pkw-Geschäft Volvo Cars zu tun, das seit einiger Zeit bereits zum chinesischen Unternehmen Geely gehört.

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Quelle: n-tv.de

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