Wirtschaft
VW-Chef Martin Winterkorn (l.) erhielt das höchste Gehalt aller Dax-Vorstandschefs
VW-Chef Martin Winterkorn (l.) erhielt das höchste Gehalt aller Dax-Vorstandschefs(Foto: picture alliance / dpa)

Kleines Gehaltsplus für Topmanager: Vorstände verdienen etwas mehr

Viele große Firmen blicken auf ein Rekordjahr zurück. Trotzdem steigen die Vorstandsbezüge im Schnitt nur etwas stärker als die Inflation. Spitzenreiter bleibt VW-Chef Winterkorn. Doch das größte Plus gibt es woanders: Nach Jahren der erzwungenen Zurückhaltung langt der Vorstand der Commerzbank ordentlich zu.

Angesichts der Rekordgewinne in etlichen großen börsennotierten Unternehmen sind im vergangenen Jahr auch die Bezüge der Vorstände gestiegen. Allerdings fiel das Plus geringer aus, als zuletzt. Im Schnitt strichen die Manager 2,5 Prozent mehr ein, wie aus einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hervorgeht. Rein rechnerisch kam jeder Vorstand der 30 Dax-Gesellschaften auf rund 3,2 Millionen Euro. Die Chefs erhielten im Schnitt sogar 5,2 Millionen Euro.

Topverdiener blieb - trotz eines freiwilligen Gehaltsverzichts - VW-Chef Martin Winterkorn mit einem Jahresgehalt von 14,5 Millionen Euro. Auf Platz zwei rangiert Daimler-Chef Dieter Zetsche mit 8,15 Millionen Euro.

In den Jahren 2010 und 2011 waren die Gehälter in den Führungsetagen laut DSW mit einem Plus von 22 beziehungsweise 8 Prozent deutlich stärker gestiegen. Jetzt liege der Zuwachs nur geringfügig über dem eines durchschnittlichen Arbeitnehmers (2,1 Prozent), sagte Gunther Friedl von der Technischen Universität München. "Das Gehaltsniveau der Dax-Vorstände ist aber dennoch 53 Mal höher als das Durchschnittsgehalt des Angestellten eines Dax-Unternehmens." Bei den 50 mittelgroßen MDax-Firmen sanken die Vorstandsbezüge 2012 nach DSW-Berechnung um 5,1 Prozent.

Commerzbank genehmigt sich ordentlichen Aufschlag

Nach Auffassung von Friedl ist jedoch bedenklich, dass einige Unternehmen die fixe Vergütung deutlich angehoben und zugleich die leistungsabhängige Bestandteile gesenkt hätten. "Damit wird ein hohes Gehaltsniveau zementiert, das Unternehmen zwingt, auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten hohe Gehälter zu zahlen." Der Studie zufolge stiegen die festen Gehaltsbestandteile aller Dax-Vorstände im vergangenen Jahr um 4,9 Prozent. Zugleich sank die variable Vergütung im Schnitt um 6,3 Prozent. Die öffentliche Debatte über Managergehälter scheine zudem dazu zu führen, dass Zahlungen weniger transparent würden. So seien beispielsweise die Pensionen deutlich gestiegen, sagte Friedl weiter.

Das stärkste Plus unter den 30 Dax-Unternehmen verbuchten der Studie zufolge Vorstände der teilverstaatlichten Commerzbank (+130 Prozent) und von Beiersdorf (+114 Prozent). Bei der Commerzbank waren die Vorstandsgehälter im Gegenzug für staatliche Rettungsmilliarden in den Vorjahren auf 500.000 Euro gedeckelt gewesen. Diese Grenze fiel 2012. Offenbar habe die Bank nun Nachholbedarf gesehen - jedoch deutlich über das Ziel hinausgeschossen, sagte Friedl. Den stärksten Gehalts-Rückgang gab es mit einem Minus von fast einem Drittel bei der Deutschen Bank.

Aus der Studie geht außerdem hervor, dass Unternehmen aus der Finanzbranche allesamt eher im Mittelfeld und im hinteren Drittel zu finden sind. Aus Sicht der DSW ist dies ein Zeichen dafür, dass die Vergütung durchaus auch auf Misserfolge in einzelnen Branchen reagiert.

US-Firmen-Chefs erhalten im Schnitt fast 14 Millionen Euro

Im internationalen Vergleich müssen sich die Spitzenmanager indes nicht verstecken. So würde VW-Chef Winterkorn mit seinen 14,5 Millionen Euro in den USA Rang 16 belege. In Frankreich kommen nur die Chefs der im Aktien-Leitindex CAC40 vertretenen Unternehmen mehr als die 3,2 Millionen Euro, die ein Vorstandsmitglied in Deutschland durchschnittlich verdient. Sie erhielten im Schnitt 3,6 Millionen Euro. In der Schweiz bekamen die Chefs knapp 5,4 Millionen Euro und damit nur wenig mehr als ihre deutschen Kollegen. Wer richtig Geld verdienen will, muss allerdings in die USA gehen. Bei den im Dow-Jones-Index vertretenen Firmen verdiente niemand so viel wie Walt-Disney-Chef Robert Iger, der umgerechnet 28,9 Millionen Euro erhielt. Im Schnitt bekamen die Chefs der US-Firmen 13,8 Millionen Euro.

Unterdessen kritisierte DSW-Präsident Ulrich Hocker die geplante Gesetzesänderung, nach der Aktionäre über die Gehälter von Managern entscheiden sollen und sprach von Symbolpolitik. Gerade im Wahljahr lasse die Managervergütung die Emotionen zuverlässig hochschlagen, betonte er. Die Neuregelung entziehe dem Aufsichtsrat aber einen zentralen Bestandteil seiner Personalkompetenz.

Quelle: n-tv.de

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