Wirtschaft
Die WM stößt in Brasilien nicht überall auf grenzenlose Begeisterung.
Die WM stößt in Brasilien nicht überall auf grenzenlose Begeisterung.(Foto: REUTERS)

Fifa sahnt ab: WM bringt Brasilien wenig

Von Jan Gänger

Das Beste, was Brasilien bei der Weltmeisterschaft passieren kann, ist der Titelgewinn. Denn ökonomisch wird das Land von der WM nicht nennenswert profitieren - auch wenn die Regierung das anders sieht.

Noch nie war eine Weltmeisterschaft so teuer. Mehr als 11 Milliarden Dollar lässt sich Brasilien das Turnier kosten. Angesichts dieser Summe wachsen die Zweifel, ob das eine gute Idee ist. Ja, versichert Präsidentin Dilma Rousseff und verkauft die Milliardenausgaben als sinnvolle Zukunftsinvestitionen. Sie verweist vor allem auf Tourismus, Infrastrukturprojekte, auf neue Straßen und modernisierte Flughäfen.

Bis 2019 werde allein aufgrund der WM mit einem jährlichen Zuwachs von 0,4 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt gerechnet, jubeln Regierungspolitiker. Insgesamt würden 3,6 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Schon der Confederations Cup 2013 habe dem BIP umgerechnet rund 3,2 Milliarden zugefügt und für 300.000 neue Arbeitsplätze gesorgt.

Nicht nur Demonstranten in Brasilien, auch viele Ökonomen halten von den rosigen Prognosen wenig. "Die WM bringt Brasilien bestenfalls Stimmung", drückt es die Berenberg Bank aus, die gemeinsam mit den Wirtschaftsforschern vom HWWI eine entsprechende Studie vorgelegt hat. Auch die Ratingagentur Moody's kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. "Das 32-Tage-Event wird kurzlebige Verkaufssteigerungen bringen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass dies die Einnahmen erheblich beeinflusst", so Vizepräsidentin Barbara Mattos. "Die Störungen durch Verkehr (..) und verlorene Arbeitstage werden ihren Tribut bei der Wirtschaft fordern." Während der WM geben viele Arbeitgeber ihren Angestellten bei Spielen der "Selecao" frei - wenn die Bundesregierung nicht ohnehin einen Feiertag ausruft.

Skeptische Analysten

An eine durchschlagende Änderung des eher unerfreulichen Wirtschaftsklimas glauben nach einer Umfrage der brasilianischen Zentralbank selbst heimische Analysten nicht. Anfang Juni senkten sie ihre Prognose für das BIP-Wachstum 2014 im Schnitt von 1,6 auf 1,5 Prozent. Die Weltbank geht von einer ähnlichen Rate aus. Für ein Schwellenland ist das zu wenig. Die Regierung gibt sich derweil zuversichtlicher und hält an ihrer Prognose von 2,3 Prozent fest. Das ist wenig überraschend, schließlich will Rousseff im Oktober wiedergewählt werden.

Ihr Zweckoptimismus kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die siebtgrößte Volkswirtschaft in Schwierigkeiten steckt. Vor einigen Jahren wuchs das Bruttoinlandsprodukt noch kräftig, alleine 2010 legte es um 7,5 Prozent zu - vor allem wegen der steigenden Rohstoffpreise und einer ungetrübten Konsumfreude. Doch diese Zeiten sind vorbei, seitdem geht es abwärts. Im vergangenen Jahr lag das Wachstum bei lediglich 2,3 Prozent. Nun wird deutlich, dass der zu Ende gegangene Boom die strukturellen Probleme der Wirtschaft nur übertüncht hat - mangelnde Produktivität und lähmende Bürokratie sind nur zwei Probleme von vielen.

Fifa darf sich freuen

Das angekündigte Job-Wunder sehen viele Ökonomen nicht. Die meisten neuen Arbeitsplätze entstünden nur vorübergehend etwa in der Bauwirtschaft oder dem Tourismus und verschwänden nach der Weltmeisterschaft wieder. "Die bisherigen Erfahrungen der Gastgeberländer einer WM zeigen, dass die makroökonomischen Auswirkungen von Sport-Großereignissen gering sind", so die Studie von Berenberg Bank und HWWI. "Die im Vorfeld erstellten Kosten-Nutzen-Analysen überzeichnen regelmäßig die positiven Effekte. Selbst Schwellenländer können durch die vom Event ausgelösten Tourismusausgaben und Infrastrukturinvestitionen kaum bedeutende Wachstumsbeiträge verbuchen."

Zumal die Regierung 3,6 Milliarden Dollar in die WM-Stadien gesteckt hat, die in Brasilien zum Symbol von Verschwendung geworden sind. In den Ausrichtungsstädten gibt es zwar nun große, moderne Arenen - doch in vielen Orten sind sie für die Zeit nach der WM überdimensioniert. So wurde in Manaus für vier Spiele ein Stadion mit 39.000 Plätze errichtet. Normalerweise kommen dort im Schnitt gerade mal 1500 Fans zu Spielen.

Bei allem Sinn oder Unsinn, eine WM auszurichten, steht der Gewinner bereits fest: Die Fifa. Die Weltmeisterschaft dürfte dem Verband etwa vier Milliarden Euro in die Kassen spülen, sagte deren Generalsekretär Jerome Valcke. Dem stehen allerdings auch hohe Kosten gegenüber. Doch für die Fifa lohnt sich die Sache trotzdem. Nach den vergangen Turnieren freute sie sich über "positive Resultate" in Höhe von hunderten Millionen Dollar. Von "Gewinnen" spricht die Non-Profit-Organisation nicht. Daran ändern auch Rücklagen von mittlerweile 1,3 Milliarden Dollar nichts.

Quelle: n-tv.de

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