Wirtschaft

Alles ruhig an der Euro-Front: Währungsunion ist über den Berg

Der Chef des Rettungsschirms für die Euro-Zone Regling zieht eine positive Bilanz der Stabilisierungsmaßnahmen. Die Milliardenkredite hat noch niemand benötigt und an den Märkten wird nicht mehr auf einen Zusammenbruch der Währungsunion spekuliert. Die Sparanstrengungen Griechenlands bezeichnet er als vorbildlich.

Alles im Lot auf dem Euro-Boot? Klaus Klaus Regling meint ja.
Alles im Lot auf dem Euro-Boot? Klaus Klaus Regling meint ja.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Chef des Rettungsfonds für angeschlagene Euro- Länder hält die Krise der Währungsunion für überwunden. "Ich finde, das Ergebnis der Stabilisierungsmaßnahmen spricht für sich: Der Kurs des Euro ist gestiegen. Auch sonst haben sich Märkte beruhigt", sagte Klaus Regling, Leiter der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (European Financial Stability Facility – EFSF), der "Welt am Sonntag".

"Nur wenige spekulieren noch darauf, dass das Eurogebiet auseinanderbrechen könnte." Der Rettungsschirm soll Euroländern in finanzieller Schieflage helfen und war nach dem drohenden Staatsbankrott Griechenlands und Problemen in anderen Staaten im Frühjahr ins Leben gerufen worden. Die Bilanz von 100 Tagen plus, die seither vergangen sind, lautet, dass tatsächlich noch kein anderes Sorgenkind der EU die Milliarden abgerufen hat.

Lob für Griechenland

Regling lobte die Bemühungen Griechenlands, sich aus der Schuldenkrise zu befreien. "Bemerkenswert ist, dass die Regierung sich auf eine breite Mehrheit in der Bevölkerung stützen kann. Das konnte man nicht unbedingt erwarten. Griechenland hat im vergangenen halben Jahr mehr getan als zugesagt." Die EU hatte Griechenland im März Kredite in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt. Im Gegenzug muss das Land Reformen in die Wege leiten.

Nachdem Schwierigkeiten auch in anderen Euro-Ländern wie Spanien und Portugal in eine Panik an den Finanzmärkten auszuufern drohten, wurde im Mai für den Notfall ein 750-Milliarden-Euro-Rettungsschirm für die gesamte Euro-Zone ins Leben gerufen. Beteiligt ist daran auch der Internationale Währungsfonds (IWF). Regling leitet die entsprechende Behörde mit Sitz in Luxemburg seit dem 1. Juli.

Rettungsschirm ist nicht umsonst

(Foto: picture alliance / dpa)

Kritik, die deutschen Steuerzahler würden für die Versäumnisse der Griechen zahlen, wies Regling entschieden zurück. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bürgschaften in Anspruch genommen würden, sei äußerst gering. Zudem müsste ein hilfsbedürftiges Land etwa fünf Prozent Zinsen für erhaltene Kredite zahlen, die EFSF könne sich dieses Geld derzeit aber für zwei Prozent leihen - sie mache also Gewinn. Der Zinsaufschlag käme den Ländern zugute, die bürgen. Ähnlich sei es im Fall Griechenland. "Der deutsche Haushalt profitiert von der Rettung Griechenlands", betonte Regling.

Der 59-Jährige sprach sich in der Zeitung für eine Verschärfung des Stabilitätspakts und eine bessere Überwachung der Wettbewerbsfähigkeit von EU-Ländern aus, um erneute Krisen zu verhindern. Einen Europäischen Währungsfonds nach dem Vorbild des IWF lehnte er jedoch ab. "Dieser Begriff weckt hohe Erwartungen und klingt zu bürokratisch. Es ist auch nicht notwendig, so etwas Großes zu schaffen."

Quelle: n-tv.de

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