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Begehrte Adresse.
Begehrte Adresse.(Foto: REUTERS)

New Yorks beste Adresse: Waldorf Astoria verscherbelt

Von Lars Halter, New York

Die Fassade an der teuren Park Avenue ist schmutziggrau, die Teppiche im Foyer sind ein wenig durchgewetzt. Dennoch ist das Waldorf Astoria immer noch die Top-Adresse in New York. Und die schnappt sich ein Investor aus China.

Die illustre Geschichte des Luxushotels beginnt 1893, als der deutsche Einwanderer William Waldorf Astor an der 33. Straße in Manhattan das Waldorf Hotel baut. Vier Jahre später eröffnet John Jacob Astor – der später mit der Titanic unterging – gleich nebenan das Astoria. Nach anfänglichen Streitereien taten sich die Cousins später zusammen und nannten ihr Familienprojekt Waldorf=Astoria. Das "=" stand für die Brücke, die für viele Jahre die beiden Gebäude verband.

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1920 zieht das Hotel ein paar Blocks weiter. Auf dem ursprünglichen Gelände entsteht das Empire State Building. Das Waldorf Astoria – das "=" ist längst Geschichte – ist bald die beste Adresse der Stadt. Der Erfinder Nikolas Tesla zog ein, die High Society veranstaltete ihre Bälle. Seit den 1950er-Jahren und bis zu seinem Tod wohnte Herbert Hoover in der Präsidentensuite. Danach kam Eisenhower, der ebenfalls den Lebensabend im Hotel verbrachte. Seither hat jeder einzelne US-Präsident die opulent geschmückte Lobby durchschritten – einige verbrachten hier die Nacht, andere zogen für Jahre ein. Barack Obama hat bisher bei jedem Besuch in New York hier gewohnt.

Paris Hilton wuchs hier auf

Auch Salvador Dali feierte gerne im Waldorf Astoria.
Auch Salvador Dali feierte gerne im Waldorf Astoria.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Weitere Stammgäste waren Marilyn Monroe und Cole Porter, Duke Ellington und Count Basie spielten im Nachtclub im 19. Stock. Bald war das Hotel selbst der Star: Ginger Rogers drehte hier "Weekend at the Waldorf", es folgten Filme wie "Der Duft der Frauen" und "Der Prinz aus Zamunda": In den 1980er-Jahren wuchs Paris Hilton hier auf, da hatte ihr Großvater längst das Waldorf Astoria gekauft und in die gleichnamige Hotelkette integriert.

Hilton Worldwide gehört heute zu den größten Hotelanbietern der Welt. In 91 Ländern betreibt man 4112 Hotels mit 680.000 Zimmern. Das Unternehmen gehört seit Jahren zur Blackstone Group und da scheint man auf Geschichte und Kultur weniger Wert zu legen als auf Geld: Eine längst überfällige Renovierung des Waldorf Astoria war dem Konzern zu teuer – ein Verkauf aber lukrativ. Die Anbang Insurance Group, ein Versicherer aus China, übernimmt das Haus nun für 1,95 Milliarden US-Dollar – ein unerhörter Preis.

1,4 Millionen Dollar pro Zimmer

Nie zuvor hat ein Hotelverkauf mehr Geld pro Zimmer gebracht: satte 1,4 Millionen Dollar. Branchenexperten rechnen aus, dass man die Nacht für 1500 Dollar anbieten müsste, um den Kaufpreis zu rechtfertigen – doch das ist selbst in bester Lage nicht zu machen. Aktuell kostet die Übernachtung gerade einmal ab 400 Dollar. Um das schnelle Geld im Hotelgeschäft geht es Anbang also nicht. Warum also hat der chinesische Konzern, der bisher eigentlich zu den kleineren und unauffälligeren der Branche zählte, das Vorzeigeobjekt gekauft: eben drum. Denn der Wert von Luxusobjekten in New York kann langfristig nur steigen. Insider glauben, dass Anbang mit dem Waldorf Astoria nur spekuliert. Am täglichen Geschäft mit Gästen sei er ohnehin nicht interessiert: Das Haus wird für die nächsten hundert Jahre weiterhin vom Hilton-Konzern bewirtschaftet, so sieht es der Kaufvertrag vor.

Der Ausverkauf US-amerikanischer Prestigeobjekte ist bedenklich. In der Hotelbranche gehören viele der besten Adressen bereits ausländischen Investoren, darunter das legendäre Beverly Hills Hotel, das in Händen des Sultans von Brunei liegt. Der will aktuell auch noch das Plaza in Manhattan kaufen. Doch es gibt seit Langem Proteste gegen den Herrscher, in dessen islamischem Reich kein Platz für liberale Gedanken ist – das stößt vor allem dem Jet Set auf, das sich von den Hotels distanziert hat.

Chinesische Investoren haben, angetrieben von dem wirtschaftlichen Aufschwung im Land, massiv in den USA investiert und sie sind nicht die ersten, die es auf Luxusobjekte abgesehen haben. In den 1990er-Jahren waren japanische Konzerne auf Einkaufstour und sicherten sich unter anderem das berühmte Rockefeller Center in New York und den legendären Golfplatz von Pebble Beach an der kalifornischen Pazifikküste. Die beiden Objekte und zahlreiche andere wurden später wieder verkauft – zum Teil mit hohen Verlusten.

Quelle: n-tv.de

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