Wirtschaft
Schlafende Kinder in der Pekinger U-Bahn.
Schlafende Kinder in der Pekinger U-Bahn.(Foto: REUTERS)

Ein-Kind-Politik beendet: Warum Peking einen Baby-Boom will

China beendet eines der härtesten sozialen Experimente der jüngeren Geschichte und gibt offiziell die Ein-Kind-Politik auf. Die Kommunistische Partei hofft auf viele Babys - womöglich vergeblich.

Ökonomie ist auf lange Sicht häufig stärker als Ideologie. Und so verabschiedet sich China von der Ein-Kind-Politik. Künftig dürfen alle Paare zwei Kinder haben, beschloss die herrschende Kommunistische Partei. Konkretes wurde zunächst nicht mitgeteilt. Damit bleibt offen, ab wann die Regelung gilt. Die Staatsmedien wurden derweil nicht müde, Bilder von lächelnden Eltern mit Tochter und Sohn zu verbreiten. Motto: doppeltes Glück.

Fest steht: Der Schritt ist eine Zäsur und erfolgte vor allem aus ökonomischen Gründen. Schließlich hatten sich die Partei-Funktionäre getroffen, um über Finanzreformen und die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Jahren zu sprechen. Eines der größten Probleme der Volksrepublik ist dabei, dass die erwerbsfähige Bevölkerung dramatisch schrumpft, während es immer mehr Alte gibt.

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Zahl der Chinesen zwischen 15 und 64 Jahren zwischen 2010 und 2030 um 67 Millionen sinkt. Im vergangen Jahr war sie offiziellen Angaben zufolge um 3,7 Millionen auf 916 Millionen zurückgegangen. Zugleich werde die Zahl von Alten von 110 Millionen auf 210 Millionen steigen und im Jahre 2050 bei einem Viertel der Gesamtbevölkerung liegen, so die Vereinten Nationen. Das heißt: Immer weniger Erwerbstätige müssen für immer mehr alte Menschen sorgen.

Vor diesem Hintergrund hatte die Führung in Peking die Ein-Kind-Politik bereits gelockert, als 2012 die Zahl der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter erstmals seit Jahrzehnten abnahm. Seit zwei Jahren dürfen Paare zwei Kinder haben, wenn beide Eltern Einzelkind sind.

Ursprünglich durften Paare seit Ende der 1970er Jahre nur noch ein Kind bekommen – ausgenommen waren die ethnischen Minderheiten. Damit wollte die Kommunistische Partei das Bevölkerungswachstum kräftig bremsen. Sie sah darin eine Bedrohung der wirtschaftlichen Entwicklung. Bei Verstößen drohten Geldstrafen, Jobverlust und in manchen Fällen Zwangsabtreibungen oder-sterilisierungen.

Es ist nicht sicher, ob in China künftig signifikant mehr Kinder geboren werden als bisher. "Viele Eltern haben einfach nicht die Mittel, mehr Kinder aufzuziehen", sagte der Pekinger Demographie-Professor Mu Guangzong der "New York Times". Auch nach der jüngsten Lockerung hatten viele Paare auf weiteren Nachwuchs verzichtet.

Quelle: n-tv.de

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