Wirtschaft
Angst vor Ebola: In der chinesischen Hafenstadt Tsingtao wird ein Frachtschiff überprüft, das aus Westafrika kommt.
Angst vor Ebola: In der chinesischen Hafenstadt Tsingtao wird ein Frachtschiff überprüft, das aus Westafrika kommt.(Foto: imago/China Foto Press)

Zahl der Toten steigt: Warum es keinen Ebola-Impfstoff gibt

Von Jan Gänger

Der medizinische Fortschritt ist gewaltig. Pharmakonzerne stecken Milliardensummen in die Forschung. Dennoch gibt es keine Möglichkeit, sich gegen Ebola zu impfen. Der Grund dafür ist unerfreulich - aber nachvollziehbar.

Mehr als 1400 Tote, etwa 2600 Infektionen. In Westafrika wütet die Ebola-Seuche. Es ist der schlimmste Ausbruch, seitdem die Krankheit im Jahr 1976 entdeckt wurde. Die Zahl der Opfer steigt, doch ein erprobtes Gegenmittel ist trotz aller Fortschritte in der Medizin nicht in Sicht. Warum eigentlich nicht?

Weil es sich für die Pharmaindustrie bislang kaum lohnt, einen Ebola-Impfstoff zu entwickeln. Die Konzerne entscheiden schließlich nach rein wirtschaftlichen Aspekten, wie sie ihr Budget für Forschung und Entwicklung ausrichten, um damit Geld zu verdienen.

Im Fokus der Konzerne stehen Krankheiten, die viele Menschen betreffen. Wichtig ist außerdem, dass die Betroffenen in der Lage sind, das Medikament oder den Impfstoff zu bezahlen. Deshalb werden eher Medikamente für die entwickelte Welt hergestellt als für arme Regionen Afrikas mit mageren Gesundheitsbudgets. Lukrativ sind vor allem Mittel, die über einen möglichst langen Zeitraum regelmäßig eingenommen werden -. beispielsweise Cholesterin-Senker oder Insulin.

Die Pharmaindustrie wird von wirtschaftlichen Anreizen gesteuert. Deshalb hat die Entwicklung eines Ebola-Mittels eine geringere Priorität als etwa HIV-Medikamente. So schlimm Ebola für den Betroffenen auch ist. Es haben sich bei allen Ausbrüchen bislang nur sehr wenige Menschen angesteckt - und die waren in der Regel arm.

Eine Studie unter Beteiligung der London School of Economics kam 2005 zu folgendem Ergebnis: Von den mehr als 1500 Medikamenten, die zwischen 1975 und 2004 auf den Markt kamen, wurden nur 21 entwickelt, um tropische Krankheiten zu bekämpfen - darunter Malaria und Tuberkulose.

Neben die ökonomischen Gründe tritt bei Ebola auch ein praktischer: Wegen der seltenen Ausbrüche, die zudem nur eine kleine Zahl von Menschen betreffen, sind nur wenige Teilnehmer für größere klinische Studien zu finden.

Angst vor Terror

Vor allem Regierungen einzelner Länder und kleinere Biotechfirmen treiben die Forschungen voran. Dazu gehören unter anderem die USA. Das Engagement der Amerikaner erklärt sich allerdings in erster Linie mit der Angst vor Terrorismus. Die US-Regierung fürchtet, dass tödliche Erreger wie Ebola in die Hände von Extremisten fallen. Insbesondere nach den Anschlägen mit Milzbrand-Erregern 2001 wollen sich die USA gegen Bio-Terrorismus wappnen.

Vor diesem Hintergrund kooperiert das Verteidigungsministerium mit der kanadischen Firma Tekmira Pharmaceuticals bei der Entwicklung eines Ebola-Medikaments. Die Substanz TKM-Ebola gilt zusammen mit einem Test-Impfstoff der US-amerikanischen Biotech-Firma Profectus und einem Wirkstoff des Unternehmens Mapp Biopharmaceuticals als einer der aussichtsreichsten Arznei-Kandidaten. Das letztere Unternehmen stellt "ZMapp" her, das ebenfalls mit Unterstützung des Pentagons entwickelt wurde.

Auch das Schweizer Unternehmen Okairos, das im vergangenen Jahr vom britischen Pharma-Riesen Glaxosmithkline geschluckt wurde, besitzt einen experimentellen Impfstoff. Keines dieser Präparate wurde in größeren Studien an Menschen getestet.

Angesichts der Ausweitung der Ebola-Epidemie hat die Weltgesundheitsorganisation Mitte August erlaubt, experimentelle Wirkstoffe anzuwenden. Bisher haben sechs Menschen "ZMapp" bekommen, die Vorräte sind damit aufgebraucht. Ein Spanier und ein Mann aus Liberia starben - wie rund 60 Prozent der Infizierten. Zwei US-Amerikaner gelten dagegen als geheilt. Ob "ZMapp" dafür verantwortlich ist oder ob es andere Ursachen gibt, ist allerdings ungewiss. Oder wie es der behandelnde Arzt ausdrückte: "Ehrlich gesagt, wir haben keine Ahnung."

Quelle: n-tv.de

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