Wirtschaft
(Foto: AP)

Varoufakis wirft sich in Pose : Was soll das?

Ein Kommentar von Jan Gänger

So richtig klug ist das nicht: Griechenlands Finanzminister Varoufakis behauptet, er habe vertrauliche Gespräche aufgezeichnet. Damit stellt er sich endgültig ins Abseits.

Als ob Griechenland nicht schon genug Probleme hätte. Finanzminister Yanis Varoufakis demontiert sich eifrig selbst – und das, während sein Land auf die Pleite zusteuert. Varoufakis erzählt der "New York Times", er habe die Gespräche bei dem informellen Treffen der Euro-Finanzminister in Riga heimlich aufgezeichnet. Das ist nicht nur provokant, sondern auch ausgesprochen unklug.

Die griechische Regierung hat ohnehin ein Glaubwürdigkeitsproblem, das Varoufakis weiter verstärkt. Wer lässt sich jetzt noch auf vertrauliche Gespräche mit ihm ein? Dabei ist es völlig egal, ob Varoufakis die Gespräche wirklich aufgezeichnet hat oder das nur behauptet. Er wollte seine Äußerungen weder dementieren noch bestätigen. Stattdessen sagte er, er sei glücklich darüber, dass manche Angst hätten, dass das, was sie bei dem Treffen der Eurogruppe gesagt haben, ans Tageslicht komme.

Wie das zu verstehen ist? Wahrscheinlich ist das die gekränkte Eitelkeit eines Mannes, der auf dem Treffen von seinen Kollegen angeblich als "Zocker" und "Amateur" kritisiert wurde. Varoufakis wies das wiederholt zurück. Wie dem auch sei, so richtig professionell wirkt Varoufakis tatsächlich nicht. Zur Erinnerung: Er ist der mit Abstand wichtigste Minister eines Landes, dem der Staatsbankrott droht. Er trägt eine gewaltige Verantwortung.

Ein eitler Rebell mit Sendungsbewusstsein

Und dieser Verantwortung wird Varoufakis nicht gerecht. Er nimmt die Pose eines Rebellen ein und macht mit einer Mischung aus Eitelkeit und Sendungsbewusstsein den anderen Finanzministern als gestaltgewordener Vorwurf klar, was er von ihnen hält – und zwar ziemlich wenig. Damit ist niemandem geholfen, schon gar nicht den Griechen. Politik funktioniert anders, als sich Varoufakis das wünscht. Das kann man verachten, doch zielführend ist das nicht.

Wer weiß, vielleicht steht Varoufakis kurz davor, hinzuschmeißen. Vielleicht will er auch seine Entlassung vorantreiben. Das wäre immerhin konsequent. Tritt er unter Getöse ab, entspricht das seinem Selbstbild: Ein Mann, der am Unverständnis anderer scheitert und ihnen "Macht doch euren Dreck alleine" entgegenschleudert.

Für alle Seiten wäre es wohl die beste Lösung, wenn sich Griechenlands Premier Alexis Tsipras schleunigst einen neuen Finanzminister sucht.

Quelle: n-tv.de

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