Wirtschaft
Danger-Zone: Die Euro-Krise strahlt gefährlich ab. Die Lage könnte unbeherrschbar werden, sagen Forscher.
Danger-Zone: Die Euro-Krise strahlt gefährlich ab. Die Lage könnte unbeherrschbar werden, sagen Forscher.(Foto: Reuters)

Euro-Crash zieht alle runter: Weltweiter Dominoeffekt kostet Billionen

Von Diana Dittmer

Ein Zusammenbrechen der Eurozone würde Spuren hinterlassen und seinen Preis haben. Da sind sich Politiker wie Ökonomen einig. Was ein "Grexit" aber im schlimmsten Fall nach sich ziehen könnte, da gehen die Meinungen auseinander. Die Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht jetzt besorgniserregende Szenarien.

Seit Ausbruch der Schuldenkrise stellen Ökonomen die unterschiedlichsten Berechnungen an, was ein Scheitern der europäischen Währungsunion kosten würde. Eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung kommt jetzt zu einem Ergebnis in schwindelerregender Höhe. Nach Ansicht der Forscher würde sich die Summe auf 17 Billionen Euro belaufen.

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Die Berechnungen beschränken sich nicht auf die Folgen eines alleinigen Austritts Griechenlands aus der Eurozone – diesen "Exit" für sich stufen die Autoren ebenso wie den von Portugal als verkraftbar ein -, sondern umfassen das Scheitern der Euro-Giganten Italien und Spanien. Wenn Griechenland die Eurozone verlassen würde, drohen den sowieso hoch belasteten Ländern drastische Risikoaufschläge an den Anleihemärkten, was in der Folge auch das Euro-Aus dieser Länder bedeuten könnte. Ihr Ausscheiden würde den Wissenschaftlern zufolge fatale Folgen haben und "beispiellose ökonomische Eruptionen in ganz Europa und weltweit" auslösen.

Bemerkenswert sind in diesem Szenario nicht die Folgen, die den Gläubigerländern der Krisenländer drohen, sondern der Versuch mit einem größeren ökonomischen Modell das große Ganze zu sehen. Das Augenmerk der Forscher geht über den Tellerrand hinaus und betrachtet die Auswirkungen für das Wachstum in den 42 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern, die mehr als 90 Prozent der Weltwirtschaft ausmachen.

Dominoeffekt kostet 17 Billionen Euro

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Wenn Spanien die Eurozone verließe, so die Prognos-Berechnungen, würde die europäische Krise riesige Kreise ziehen und auch andere Weltregionen wie China und die USA erfassen. Den 42 Ländern würden insgesamt 7,9 Billionen Euro verloren gehen, davon allein 1,2 Milliarden in den Schwellenländern der sogenannten BRIC-Staaten.

Sollte schließlich auch Italien den Euro abschaffen, würde die Lage völlig unbeherrschbar, heißt es in der Studie weiter. Dieses Szenario würde schließlich in eine dramatische internationale Rezession und Weltwirtschaftskrise münden. "Bis 2020 würden die 42 wichtigsten Volkswirtschaften Wachstumseinbußen in Höhe von insgesamt 17,2 Billionen Euro erleiden."  Das entspricht 44 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aller untersuchten Länder. Deutschlands Verluste würden fast 70 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts betragen, die von China die Hälfte und die der USA ein Viertel.

Die Studie unterstellt bei diesen Szenarien, dass private wie öffentliche Gläubiger auf 60 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen verzichten müssten. Zudem wird angenommen, dass eine neue griechische Währung um 50 Prozent gegenüber dem Euro abgewertet würde. Der Schuldenschnitt hätte den Ökonomen zur Folge, dass die Defizite in den Gläubigerländern ansteigen und neue Sparpakete oder Steuerhöhungen notwendig werden würden. Die Folge wäre in allen Ländern gleichermaßen ein Nachfragerückgang, wobei die schrumpfende Nachfrage außerhalb Europas den größten Teil der Verluste ausmachen würde, so die Prognose der Ökonomen.

Auffällig ist, wie stark Frankreich nach diesen Berechnungen von einem Euro-Aus in Südeuropa betroffen wäre: Der Schaden könnte danach bis zu 154,4 Prozent des französischen BIP ausmachen. Das wäre der mit Abstand höchste Wert aller untersuchten Länder. Die Forscher begründen das mit dem starken Engagement französischer Banken in Südeuropa, aber auch mit der steigenden Wettbewerbsfähigkeit der Länder, die aus der Eurozone austreten.

Insgesamt kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Gefahr eines Dominoeffektes mit all seinen wirtschaftlichen Konsequenzen sowie politischen und sozialen Folgewirkungen durch einen "Grexit" hoch wäre. Die internationale Staatengemeinschaft müsse "in der aktuellen Situation unbedingt den Ausbruch eines Flächenbrandes verhindern", warnt Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

Quelle: n-tv.de

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