Wirtschaft
Behörden verhängen Millionenstrafen gegen Wursthersteller.
Behörden verhängen Millionenstrafen gegen Wursthersteller.(Foto: picture-alliance / dpa)

Atlantic-Kreis: Wettbewerbshüter heben Wurst-Kartell aus

Über Jahrzehnte treffen sich nahmhafte Wurstproduzenten in einem bekannten Hamburger Hotel. Bei den regelmäßigen Zusammenkünften verständigen sie sich über Preise. Nun müssen mehr als 21 Hersteller ein Millionen-Bußgeld schultern.

Böklunder, Meica, Herta, Wiesenhof, Clemens-Tönnies-Gruppe und Rügenwalder - die Liste ist prominent besetzt und lässt sich fortsetzen. Über Jahrezehnte haben knapp zwei Dutzend Wursthersteller Preise abgesprochen und diese gegenüber dem Einzelhandel durchgesetzt. Vor dem Hintergrund dieser Praxis hat das Bundeskartellamt Geldbußen in einer Gesamthöhe von rund 338 Millionen Euro gegen 21 Wursthersteller und 33 Führungskräfte verhängt. Das teilte die Wettbewerbsbehörde in Bonn mit.

Laut der Behörde belegen zahlreiche Aussagen und Unterlagen, "dass ein tradiertes 'Grundverständnis' existierte, sich regelmäßig über Forderungen von Preiserhöhungen zu verständigen". In einem nach dem Hamburger Hotel Atlantic benannten Kreis haben sich die namhaften Hersteller über Jahrzehnten regelmäßig getroffen, um über Marktentwicklungen und Preise zu diskutieren. Daneben sei es ab 2003 zu konkreten Absprachen über gemeinsame Preiserhöhungen gekommen. Dabei seien Preisspannen für Produktgruppen wie Roh-, Brüh-, Kochwurst und Schinken abgestimmt worden.

Anonymer Tipp

Kartellamtspräsident Andreas Mundt sagte, dass die Preisabsprachen über viele Jahre praktiziert worden seien. Zudem relativiere sich das auf den ersten Blick hohe Bußgeld angesichts der großen Zahl der beteiligten Unternehmen, der Kartelldauer und der Milliardenumsätzen. "Gerade bei der Bußgeldbemessung sind wir in der teilweise mittelständisch geprägten Branche mit Augenmaß vorgegangen." Zudem sei wirtschaftliche Situation und die Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Unternehmens beachtet worden. Das Bußgeld belaufe sich je nach Unternehmen auf wenige Hunderttausende Euro bis hin zu hohen Millionenbeträgen.

Ein anonymer Hinweisgeber hatte die Behörden auf die Spur der Hersteller gebracht. Letztlich arbeiteten elf Unternehmen mit dem Kartellamt zusammen kooperiert und legten schließlich Geständnisse ab. Die Geldbußen sind den Angaben zufolge noch nicht rechtskräftig.

Weitere Zweige der Lebensmittelbranche im Visier

Ebenfalls noch in diesem Jahr will die Behörde einen Verdacht aus dem Jahr 2010 klären, wonach Markenartikelhersteller mit Einzelhandelsfirmen die Preise für Süßwaren, Kaffee und Tiernahrung abgesprochen haben könnten. Zudem will Mundt 2014 die Ergebnisse einer Untersuchung zum Lebensmitteleinzelhandel vorlegen.

Im vergangene Jahr hatte das Bundeskartellamt insgesamt Bußgelder von 240 Millionen Euro verhängt. Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es bereits 635 Millionen Euro, darunter waren Strafen gegen Brauereien und Zuckerproduzenten.

Quelle: n-tv.de

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