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Kunde mit dem neuen iPhone s.
Kunde mit dem neuen iPhone s.(Foto: REUTERS)

"Das Verrückteste, was wir je taten": Wie Microsoft Apple rettete

Von Jan Gänger

Es ist wohl die kostspieligste Investition aller Zeiten: Mit einer Finanzspritze hielt Microsoft einst Apple am Leben – und ermöglichte damit dessen phänomenalen Aufstieg.

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Nachher ist man immer schlauer. Und so mag man sich nicht nur in der Chef-Etage von Microsoft mit Blick auf den Erfolg von Apple immer wieder fragen, wer eigentlich vor knapp 20 Jahren auf die wahnsinnige Idee gekommen ist, das damals siechende Unternehmen mit einer Kapitalspritze vor dem Kollaps zu bewahren.

Microsoft-Chef war damals Steve Ballmer. "Man kann sagen, das war das Verrückteste, was wir je taten", sagte er nun in einem Gespräch mit "Bloomberg TV". Das könnte man so ausdrücken. Schließlich bekam Apple so die dringend benötigte Luft - und wurde Dank iPod, iPhone, iTunes oder iPad das wertvollste Unternehmen der Welt. In Zahlen ausgedrückt: Satte 657 Milliarden Dollar ist Apple derzeit an der Börse wert, Microsoft kommt auf 432 Milliarden Dollar.

Was war passiert? 1997 stand Apple kurz vor der Pleite. Im Jahr zuvor hatte das Unternehmen einen Verlust von 1,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der Anteil auf dem damals boomenden PC-Markt war innerhalb kürzester Zeit von 15 auf 5 Prozent eingebrochen.

Es war die Zeit, als Microsoft den Software-Markt dominierte und deswegen regelmäßig Ärger mit Wettbewerbshütern bekam. Um diesen den Wind aus den Segeln zu nehmen, schloss Microsoft mit Apple ein Kooperationsabkommen. Ballmer kündigte unter anderem an, dass auch künftige Versionen seines Office-Pakets auf Apple-Geräten laufen werden. Im Rahmen dieser Vereinbarung investierte Microsoft 150 Millionen Dollar in Apple und bekam im Gegenzug ein stimmrechtsloses Aktienpaket. Mit dieser vergleichsweisen kleinen Summe blieb ein Unternehmen am Leben, das überhaupt keine Bedrohung darstellte - zugleich aber als Alibi im Streit mit Kartellbehörden diente.

Nicht nur für Microsoft sah das wie eine richtig clevere Idee aus. Wie viele andere Medien schrieb die "Zeit" von einem "genialen Schachzug" von Microsoft-Gründer Bill Gates und fragte sich, wie Apple trotz des Geldes überleben könne. Es sei unklar, "welche Produkte und welches Betriebssystem Apple aus der Krise bringen sollen."

Steve Jobs und Bill Gates erläutern 1997 den Deal.
Steve Jobs und Bill Gates erläutern 1997 den Deal.

Apple habe durch die Partnerschaft vor allem Zeit gewonnen, resümierte die Zeitung. In der Tat, der Deal war für Apple ein Glücksfall. "Sie haben einen großartigen Job gemacht", sagte Ballmer im Rückblick. "Sie haben aus großartigen Innovationen und etwas Bargeld das weltweit wertvollste Unternehmen gemacht."

Pfiffe und Buh-Rufe

Bei der Apple-Gemeinde hielt sich die Begeisterung damals in Grenzen. Als Unternehmensgründer Steve Jobs – erst kurz zuvor zu Apple zurückgekehrt – die Vereinbarung auf einer Apple-Technikmesse im August 1997 verkündete, war der Unmut groß. Denn Gates und Microsoft galten für viele der Apple-Fans als Verkörperung des Bösen. Buh-Rufe und Pfiffe ertönten, als Gates auf einer Video-Leinwand zugeschaltet wurde. Einige Teilnehmer verließen wütend den Saal.

Jobs versuchte, die Gemüter zu beruhigen: "Wir müssen uns von der Vorstellung trennen, dass Microsoft verlieren muss, damit Apple gewinnen kann. "Die Ära, in der wir glaubten, mit Microsoft konkurrieren zu können, ist vorbei." Das war sie offensichtlich nicht.

Doch was ist aus dem Investment von Microsoft geworden? Im Gegenzug zu den 150 Millionen Dollar gab es 150.000 stimmrechtslose Aktien, die drei Jahre später zu einem festgesetzten Kurs in normale Anteilsscheine getauscht werden konnten. Das tat Microsoft und erhielt im Jahre 2000 damit mehr als 18 Millionen Papiere.

Diese wurden drei Jahre später verkauft – und auch dieser Schritt erschien damals als eine gute Idee. Denn Microsoft dürfte damit etwa das Doppelte des Einsatzes eingenommen haben. Im Rückblick war der Schritt allerdings nicht besonders pfiffig. Nach den erfolgten Aktien-Splits wäre das Paket heute mehr als 29 Milliarden Dollar wert.

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Quelle: n-tv.de

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