Wirtschaft
Mit 2282 Megawatt gehen rund 75 Prozent der neu angeschlossenen Offshore-Kapazitäten auf Deutschland zurück.
Mit 2282 Megawatt gehen rund 75 Prozent der neu angeschlossenen Offshore-Kapazitäten auf Deutschland zurück.(Foto: picture alliance / dpa)

Stärkster Ausbau in Deutschland: Windkraft wird für Europa immer wichtiger

Strom aus Windkraft ist in Europa auf dem Vormarsch: Mit einem Zubau von fast 150 Gigawatt in 2015 gehört Windkraft mittlerweile zu den drei wichtigsten Energiequellen des Kontinents. Deutschland nimmt beim Tempo des Wachstums einen Spitzenplatz ein.

Windenergie ist im vergangenen Jahr in der Europäischen Union mit 142 Gigawatt zur drittwichtigsten Energiequelle geworden. Insgesamt wurden neue Windanlagen mit einer Kapazität von 12,8 Gigawatt hinzugebaut, 6,3 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der europäische Windenergieverband (EWEA) mitteilte. Windenergie deckte demnach 11,4 Prozent des Stromverbrauchs in den 28 Ländern der EU ab. Europaweit wurde 2015 demnach die Rekordsumme von 26,4 Milliarden Euro in Windenergie investiert. Das seien 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor, erklärte der Verband. Fast die Hälfte der Investitionen wurden in Deutschland getätigt.

Gemessen an der Kapazität sei Windenergie inzwischen die bedeutendste erneuerbare Energie in Europa, erklärte der Verband. Sie mache 15,6 Prozent des gesamten Energieangebots aus und habe damit die Wasserkraft (15,5 Prozent) überholt. Wichtigste Energiequellen blieben Gas mit 21,1 Prozent und Kohle mit 17,5 Prozent.

Wachstum geographisch ungleichmäßig

Vor Europas Küsten sind im vergangenen Jahr Offshore-Windanlagen mit einer Kapazität von 3019 Megawatt ans Stromnetz angeschlossen worden. Damit war dort der Zuwachs 2015 mehr als doppelt so groß wie im Vorjahr, wie EWEA mitteilte. Mit 2282 Megawatt gehen rund 75 Prozent der neu angeschlossenen Offshore-Kapazitäten auf Deutschland zurück. In Europa gibt es inzwischen laut EWEA 3230 Offshore-Windräder in 84 Windparks. Die Kapazität beträgt etwas 11 Gigawatt, das entspricht etwa der Leistung von elf Atomreaktoren.

"Wir haben 2015 einen starken Ausbau in Deutschland gesehen und ein starkes Jahr für den Offshore-Wind", erklärte der Verbandsvorsitzende Giles Dickson. Das Wachstum sei aber geographisch ungleichmäßig ausgefallen. Investoren und Entwickler schreckten vor einer unklaren Energiepolitik und unklaren Vorschriften zurück. Die EU-weit höchste Windpark-Kapazität hatte 2015 weiter Deutschland mit 45 Gigawatt, gefolgt von Spanien mit 23 Gigawatt, Großbritannien (13,6 Gigawatt) und Frankreich (10,4 Gigawatt).

Studie: Windkraft könnte noch günstiger sein

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger Strom ist Windkraft noch unnötig teuer und könnte deutlich günstiger erzeugt werden. Windparks könnten ihre Betriebskosten um durchschnittlich 45 Prozent senken, wenn sie effizienter arbeiten würden, heißt es in der Studie.

An guten Standorten sei Strom aus Onshore-Wind auch ohne Förderung günstiger als Strom aus Kohle- oder Kernkraftwerken, sagte Roland-Berger-Partner Torsten Henzelmann. Aber in Zeiten sinkender Subventionen und Ölpreise müssten Windparks effizienter wirtschaften, um wettbewerbsfähig zu sein. Vor allem bei den Wartungskosten ließe sich viel Geld sparen. "Alleine die 477 Onshore-Windparks in Deutschland könnten ihre Gewinne um mehr als 300 Millionen Euro steigern", heißt es in der Studie.

Um Flauten und Erzeugungsspitzen bei der Windkraft abzufangen, müssten auf der anderen Seite 150 Milliarden Euro in den Ausbau der europäischen Stromnetze investiert werden. Die mangelnde Netzinfrastruktur gefährde die Versorgungssicherheit, neue Übertragungskapazitäten seien dringend nötig.

Quelle: n-tv.de

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