Wirtschaft
Ein Symbol des Frankfurter Finanzplatzes: Die Zwillingstürme der Deutschen Bank.
Ein Symbol des Frankfurter Finanzplatzes: Die Zwillingstürme der Deutschen Bank.(Foto: REUTERS)
Freitag, 10. März 2017

"Müssen noch Dinge klären": Wird die Deutsche Bank chinesischer?

Der chinesische Mischkonzern HNA möchte seinen Anteil an der Deutschen Bank erhöhen. Offenbar will der neue Großaktionär dafür die anstehende Kapitalerhöhung nutzen.

Der neue chinesische Großaktionär HNA will seinen Anteil an der Deutschen Bank offenbar ausbauen. Es gebe Pläne, die derzeit drei Prozent an Deutschlands größtem Geldhaus aufzustocken, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters zwei "mit der Angelegenheit vertraute Personen". HNA müsse zuvor aber noch einige Dinge klären, sagte einer der Insider ohne Details zu nennen. HNA und Deutsche Bank lehnten eine Stellungnahme ab.

Schon jetzt ist HNA der drittgrößte Aktionär der Bank. Der chinesische Mischkonzern hatte im Februar mitgeteilt, Aktien im Wert von 755 Millionen Euro gekauft zu haben. Katars Ex-Premier Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani und sein Cousin Hamad Bin Khalifa Al-Thani halten zusammen gut sechs Prozent der Anteile, der US-Vermögensverwalter Blackrock ebenfalls.

"Wir schließen nicht aus, unsere Beteiligung in moderatem Umfang aufzustocken, werden aber auf jeden Fall unter zehn Prozent bleiben", hatte ein HNA-Sprecher bei der Bekanntgabe des Einstiegs gesagt. Man sehe sich als freundlicher Ankeraktionär. Bei einer Kapitalerhöhung dürften die Chinesen mitziehen. Die Deutsche Bank will in der zweiten März-Hälfte rund acht Milliarden Euro einsammeln.

Video

Bekannt ist die nicht-börsennotierte Gesellschaft HNA vor allem wegen ihrer Tochter Hainan Airlines. Nachdem die Gruppe mit Milliardeninvestitionen in die Luftfahrt- und Reisebranche sowie Logistik groß geworden ist, wendet sie sich nun verstärkt den Bereichen Vermögensverwaltung und Verbraucherkrediten zu. Allein im vergangenen Jahr unterzeichnete HNA Deals im Wert von 20 Milliarden Dollar; dazu zählte der Einstieg bei der Hotelgruppe Hilton. Im März übernahmen die Chinesen den Flughafen Frankfurt-Hahn. Zudem gehören ihnen unter anderem die Flughafengesellschaft Swissport sowie die Schweizer Gategroup, die Weltmarktführer im Geschäft mit Bordverpflegung ist.

Rasantes Wachstum

Der Einstieg ins Finanzgeschäft ist für das Management ein logischer Schritt: Erst bewegte HNA Menschen, dann auch Fracht - und nun auch Geld. Das Unternehmen setzt darauf, dass Chinesen immer wohlhabender werden und ihr Geld gewinnbringend anlegen wollen. "Wir wissen, dass die Nachfrage nach Vermögensverwaltung sehr stark wird", sagt Spitzenmanager Guang Yang, der bei der Konzerntochter HNA Capital die Anlagepolitik verantwortet. Potenzielle Finanzkunden sind die vielen Flug- und Hotelgäste, die der Konzern bereits auf seinen Listen führt.

Mit Finanzdienstleistungen erzielt die Gruppe mittlerweile fast ein Fünftel ihres Umsatzes und mehr als ein Viertel des Gewinns. Jüngst kaufte sie eine große Beteiligung an der Hedgefonds-Plattform Skybridge Capital und engagierte sich bei der neuseeländischen UDS Finance, die Autokredite und Betriebsmittelfinanzierungen anbietet. Insidern zufolge will HNA zudem die Kontrollmehrheit an der US-Vermögensverwaltung des britischen Versicherers Old Mutual bekommen.

Das rasante Wachstum des Mischkonzerns, der Vermögenswerte von mehr als 100 Milliarden Dollar unter einem Dach vereint, stößt allerdings auch auf Skepsis. Analysten werfen die Frage auf, ob sich HNA nicht zu stark verschuldet und zu sehr verzettelt. "Für HNA besteht ein ernsthaftes Risiko, den strategischen Fokus zu verlieren", sagt Brock Silvers, Geschäftsführer des Anlageberaters Kaiyuan Capital. "Ihr Plan, ein Finanzimperium aufzubauen, erfordert eine Menge Personal, Geld und Zeit." Als weitere Gefahr gilt, dass HNA im Kaufrausch den Überblick über die eigenen Finanzen einbüßen könnte. Analystin Carol Yuan von der Vermögensverwaltung Aberdeen Asset Management drückt ihre Bedenken so aus: "Es ist schwer, sich damit anzufreunden, wie sie mit Risiken umgehen."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen