Wirtschaft
"Ich würde mir wünschen, dass wir auch so etwas wie Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge schaffen", sagte Arbeitsministerin Nahles.
"Ich würde mir wünschen, dass wir auch so etwas wie Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge schaffen", sagte Arbeitsministerin Nahles.(Foto: picture alliance / dpa)

Flüchtlinge gegen Fachkraftmangel?: Wirtschaft fordert mehr Gelder für Integration

Nach Meinung führender Köpfe der deutschen Wirtschaft können Flüchtlinge einen Teil der Lücke bei den Fachkräften schließen. Allerdings müsse die Politik dafür die Weichen setzen: mit mehr Geld für die Integration und längeren Aufenthaltsgenehmigungen.

Die deutsche Wirtschaft fordert von der Bundesregierung mehr Geld für die Integration von Flüchtlingen sowie großzügigere Bleiberegelungen. Besonders die Kommunen benötigten mehr Mittel, sagte Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger der "Welt am Sonntag". Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer zeigte sich zuversichtlich, mit Flüchtlingen einen Teil der Lücke bei Fachkräften zu schließen. Wichtig sei aber, dass die Behörden längere Aufenthaltsgenehmigungen ausstellten. "Die Betriebe wollen die Sicherheit, dass Flüchtlinge nicht ihre Ausbildung abbrechen, weil die Abschiebung droht", sagte Wollseifer vom Zentralverband des Deutschen Handwerks der "Passauer Neuen Presse".

Video

Auch CDU-Vize Julia Klöckner zeigte sich zuversichtlich, dass Flüchtlinge helfen könnten, den Fachkräftemangel besser zu bewältigen. Für eine gelungene Integration sei aber auch in der Arbeitswelt notwendig, dass "unsere grundlegenden Werte und unsere aufgeklärte Kultur" geteilt würden, sagte Klöckner der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Nahles: "Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge"

Arbeitsministerin Andrea Nahles sprach sich für alternative Beschäftigungsmöglichkeiten aus. "Ich würde mir wünschen, dass wir auch so etwas wie Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge schaffen", sagte die SPD-Politikerin vor Journalisten. Viele seien über Monate zur Untätigkeit verdammt. "In den Kommunen gibt es aber immer genug zu tun." Zugleich lehnte Nahles erneut ab, Flüchtlinge vom Mindestlohn auszunehmen.

Handwerkspräsident Wollseifer betonte: "Die meisten sind jung und hochmotiviert. Wir sind bereit, sie zu qualifizieren und auszubilden." Das Handwerk leidet unter Nachwuchssorgen. 40 Prozent der Betriebe hätten Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen - das sei "ein Alarmzeichen", sagte der ZDH-Präsident.

"Pakt zwischen Wirtschaft und Politik" gefordert

DIW-Präsident Marcel Fratzscher forderte einen "Pakt zwischen Wirtschaft und Politik". Unternehmen müssten mehr Ausbildungsplätze für Flüchtlinge zur Verfügung stellen, und die Politik müsse die Wirtschaft besser unterstützen, sagte der Ökonom zu "Focus Online".

Das Münchner Ifo-Institut rechnet in diesem Jahr mit 21 Milliarden Euro Kosten für die Integration von Flüchtlingen. "Der Sozialstaat wird durch die freie Zuwanderung zwangsläufig lädiert", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn dem "Tagesspiegel". Er warnte vor Verteilungskämpfen zwischen Flüchtlingen und sozial schwachen deutschen Haushalten. Fratzscher widersprach: "Die Einheimischen steigen durch die Neuankömmlinge auf der Leiter des Arbeitsmarkts tendenziell nach oben auf. Sie bekommen bessere Jobs und höhere Einkommen."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen