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Muss den Über- und Durchblick behalten: Fed-Chefin Janet Yellen.
Muss den Über- und Durchblick behalten: Fed-Chefin Janet Yellen.(Foto: picture alliance / dpa)

Tapering wird fortgesetzt: Yellen verspricht "große Kontinuität"

Janet Yellen gilt als entschiedene Verfechterin einer expansiven Geldpolitik, um den Arbeitsmarkt zu beleben. Daher überraschen die Aussagen der neuen Fed-Chefin zum Kurs der Federal Reserve nicht. "The same procedure ..." - den Märkten reicht das vorerst.

Die US-Notenbank Federal Reserve behält unter der neuen Vorsitzenden Janet Yellen ihren Kurs bei. Die Nachfolgerin von Ben Bernanke signalisierte, dass die schrittweise Drosselung der Anleihenkäufe um 10 Milliarden Dollar pro Sitzung weitergehen wird. Zudem bekräftige Yellen die Aussage, dass der Leitzins nahe null bleiben soll, lange nachdem die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent gefallen ist.

"Ich habe bei der Ausarbeitung dieser Strategie mitgearbeitet und ich unterstütze diese Strategie ganz eindeutig", erklärte Yellen. "Es wird eine große Kontinuität in der Geldpolitik geben." Der Redetext zum halbjährlichen Bericht zur Geldpolitik wurde vorab veröffentlicht. Anschließend wird Yellen vor den Abgeordneten Rede und Antwort stehen.

Leitzins bleibt extrem niedrig

Zurzeit kauft die Federal Reserve jeden Monat Staats- und Hypothekenpapiere für 65 Milliarden US-Dollar. Die neue Fed-Chefin gilt als entschiedene Verfechterin einer expansiven Geldpolitik, um den Arbeitsmarkt zu beleben. Die Erholung des Arbeitsmarkt sei "alles andere als abgeschlossen", hob Yellen hervor. Die Arbeitslosigkeit sei immer noch zu hoch, der Anteil der Langzeitarbeitslosen zu groß.

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Schon im Dezember 2013 hatten die US-Währungshüter - damals noch unter dem Vorsitz von Bernanke - erklärt, dass der Leitzins auf einem extrem niedrigen Niveau bleiben soll, selbst nachdem die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent gefallen ist. Im Januar war die Quote auf 6,6 Prozent gesunken.

Der schnelleRückgang der Arbeitslosenquote in den vergangenen Monaten kam für die Fed überraschend. Vor einem Jahr hatte sie prognostiziert, vor 2015 würden 6,5 Prozent nicht erreicht. Im Juni 2013 erklärten die Notenbanker schließlich, im Laufe des Jahres 2014 würde es soweit sein. Nun liegt die Quote schon Anfang 2014 in Reichweite.

Schwierigen Weg gehen

Yellen verwies auf andere Indikatoren als die Arbeitslosenquote, die auf einen schwachen Arbeitsmarkt deuteten, etwa die Langzeitarbeitslosigkeit sowie die Teilzeitarbeit und die Unterbeschäftigung. "Damit zeigt sich, dass mehr Faktoren als die Arbeitslosenquote einfließen müssen, um die Lage am Arbeitsmarkt zu beurteilen", sagte Yellen. Es werde "keine automatischen Zinserhöhungen" geben, wenn der Schwellenwert von 6,5 Prozent erreicht werde.

Die neue Fed-Chefin und ihre Kollegen stehen vor der schwierigen Entscheidung, wann die Zinsen wieder steigen sollen. Fällt der Startschuss zu früh, könnte dies die Konjunkturerholung vorzeitig abwürgen, kommt er zu spät, könnte dies eine hohe Inflation oder eine Bildung von Preisblasen nach sich ziehen.

Die Abkehr der US-Notenbank von ihrer extrem lockeren Geldpolitik hat in jüngster Zeit rund um den Globus eine massive Kapitalflucht aus Schwellenländern ausgelöst. Yellen spielte diese Turbulenzen jedoch herunter. "Wir haben diese jüngsten Volatilitäten auf den globalen Finanzmärkten genau beobachtet. Aus unserer Sicht stellen sie keine substanzielle Gefahr für den Ausblick der US-Wirtschaft dar", sagte Yellen.

Aktienmärkte legen zu

"Damit zeigt die Rede die Kontinuität, auf die Yellen selbst auch verweist", so ein Händler. Ein weiterer Marktteilnehmer meint, sie sei wie "paste and copy" der letzten Bernanke-Rede. Das sei zu erwarten gewesen, da sie bereits die bisherige Geldpolitik entscheidend mitgeprägt hatte. "Interessant wird es vielleicht noch, wenn es zum Frage-Antwort-Teil vor dem Ausschuss kommt", so eine Devisenanalystin.

Die Kurse an der Wall Street zogen an. Euro und Gold bröckelten in einer ersten Reaktion geringfügig ab, zogen dann aber wieder an. Der Goldpreis stieg auf ein Jahreshoch. Der Dax schloss mit 2,0 Prozent deutlich fester.

Quelle: n-tv.de

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