Wirtschaft
Sparer müssen sich auf eine niedrigere Rendite bei ihrer Lebensversicherung einstellen. (Foto: Kai Remmers)
Sparer müssen sich auf eine niedrigere Rendite bei ihrer Lebensversicherung einstellen. (Foto: Kai Remmers)

Hubert Thaler: Finger weg von Lebensversicherungen!

Wer um alles in der Welt investiert in griechische, portugiesische und italienische Staatsanleihen? Wer erwirbt angesichts der Inflationsgefahren 10-jährige deutsche Staatsanleihen mit Renditen um 1,5 Prozent p.a.? Und wer hält bedeutende Bestände an europäischen Bankanleihen? Sie! - wenn sie eine kapitalgebundene Lebensversicherung besitzen.

Hubert Thaler, Top Vermögen
Hubert Thaler, Top Vermögen

Auf 80 Millionen Bundesbürger kommen derzeit nach Schätzungen mindestens 45 Millionen kapitalgebundene Lebensversicherungspolicen. Da die Versicherer an zahlreiche Auflagen gebunden sind, ist das durchschnittliche Versicherungsportfolio mit circa 95 Prozent in festverzinsliche Wertpapiere investiert. Hiervon machen Euro-Staatsanleihen wiederum das Gros der Investitionen aus.

Auch für Versicherer gilt: Wer Sicherheit will, setzt auf deutsche Staatsanleihen; die auf Zehnjahressicht aber nicht einmal das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank erzielen. Der versprochene Garantiezins von 1,75 Prozent lässt sich damit nicht erreichen.

Nur in der Euroland-Peripherie, also in Italien, Spanien und Portugal, lassen sich höhere Zinsen erwirtschaften. Dies galt auch für Griechenland, wo Geschäftsbanken und Versicherer letztlich knapp 95 Prozent aller Anleihen auf sich vereinten. Am Ende kam es zum Schuldenschnitt von über 70 Prozent und damit zu hohen Abschreibungen.

Vorwürfe kann man den Versicherern kaum machen. Sie können und dürfen gar nicht anders!

Was können private Anleger also tun, wenn Sie sich gegen Risiken absichern wollen und gleichzeitig sichere Anlagemöglichkeiten suchen. Eine kapitalgebundene Lebensversicherung mit einem Garantiezins unterhalb der Inflationsrate und Anlagen, die Marktbeobachter mit „zinslosen Risiko“ umschreiben? Lassen Sie sich keinen Bären aufbinden!

Die Lösung liegt in einer Zweiteilung: Sichern Sie das Risiko des frühzeitigen Todes mit einer Risikolebensversicherung ab. Das ist vergleichsweise günstig und transparent.

Für die Anlageseite bieten nach wie vor stabile Industrieanleihen mit überschaubaren Laufzeiten eine Alternative. Darüber hinaus ist es angesichts der europäischen Staatsschuldenkrise opportun, Investitionen über verschiedene Währungen zu streuen.

Fazit: Finger weg von kapitalgebundenen Lebensversicherungen! Viele Versicherer müssen bereits auf Reserven zurückgreifen, um den überhöhten Garantiezins zu bedienen. Um in Zukunft mindestens den realen Kapitalerhalt zu sichern und Chancen auf eine anständige Verzinsung des Kapitalstocks zu wahren, brauchen Sie Transparenz und Handlungsspielraum.

Der Autor Hubert Thaler ist Vorstand der Top Vermögen in Starnberg und München sowie Experte des Internetportals Vermoegensprofis.de

Quelle: n-tv.de