Wirtschaft
Stressfrage Nr. 100: Hat das Handgepäck auch die richtige Größe?
Stressfrage Nr. 100: Hat das Handgepäck auch die richtige Größe?(Foto: picture alliance / dpa)

Per Saldo: Billig? Will ich nicht!

Samira Lazarovic

Reisen mit Billigfliegern: Was beim Hinflug durch Vorfreude übertüncht wird, wächst sich beim Rückflug zur Nervenprobe aus. Die Erholung verfliegt im Nu, zurück bleibt der schale Geschmack von Rubbellosen und überteuerten Getränken. Und das Gefühl, die miese Behandlung verdient zu haben.

Na, wie waren die Sommerferien? Schön? Fein. Meine auch. Bis auf den Flug. Denn ich habe mich für einen Billigflieger entschieden. Schwerer Fehler. Im Film "Meine Braut, ihr Vater und ich" erleidet Hauptdarsteller Ben Stiller eine Nervenkrise im Flieger, weil er sich den absurden Forderungen der Stewardess nicht mehr beugen kann.

Entschuldigen Sie, Sir, sind wir vielleicht verwandt?
Entschuldigen Sie, Sir, sind wir vielleicht verwandt?(Foto: REUTERS)

Das absurdeste an dieser Szene ist, dass sie nicht absurd ist. Jeder, der einmal um fünf Uhr morgens Kleider vom Koffer ins Handgepäck umgeschichtet hat, um einem Übergepäck-Aufpreis von mehr als 100 Euro zu entgehen, nur um anschließend beim Boarding festzustellen, dass Duty-Free-Tüten auch als unzulässiges weiteres Handgepäck gezählt werden können, es sei denn, man stopft Kekse, Schokolade und andere Mitbringsel in den bereits ächzenden Rucksack, wird Ben Stiller verstehen wie einen Bruder.

Denn morgens um Fünf ist es schwer, dem Impuls zu widerstehen, der strengen Stewardess den überfüllten Rucksack einfach in die Hand zu drücken, um befreit an Bord zu gehen. Aber ich habe es nicht anders gewollt. Ich habe mich für den Billigflug entschieden. Doch ach!, der Verführung bei der Urlaubsplanung standzuhalten, ist schwer. Ich weiß zwar genau, dass die Preise auf den bunt blinkenden Websites von Ryanair & Co selten das halten, was sie zunächst versprechen. Aber selbst inklusive Aufpreis für das 15-Kilo-Gepäck, Nutzung der Kreditkarte und Sitzplatzreservierung, kommt unter dem Strich eine Summe heraus, bei der ich mich für die gewiefteste Schnäppchenjägerin von ganz Irland halten kann.

Nein, ich will kein Rubbellos!

Spätestens an Bord der überhitzten, vollen, engen Maschine, wo die Rubbellose angeboten werden, noch bevor der Flieger seine endgültige Flughöhe erreicht hat, kommt die Reue. Wäre das wirklich nötig gewesen? Wer sich einen Urlaub leisten kann oder will, sollte eigentlich nicht ausgerechnet am Transport sparen. Dann müssten es eben weniger Flugreisen im Jahr sein, das täte der Umwelt auch ganz gut. Hinter den vor der grellen Flieger-Beleuchtung geschlossenen Lidern zucken Bilder von schmelzenden Gletschern und ölverschmierten Wasservögeln im Golf von Mexiko auf. Global betrachtet hat die Entscheidung am heimischen Rechner auch mit zu diesen Katastrophen beigetragen.

Wollen wir nicht alle lieber wieder so reisen?
Wollen wir nicht alle lieber wieder so reisen?(Foto: REUTERS)

Dass zumindest einige Fluggäste zu dem Ergebnis kommen, dass Billigflieger nicht die Top-Lösung sind, könnte man mit ein wenig Fantasie aus den jüngsten Zahlen der Lufthansa herauslesen. Besonders bei den Geschäftsreisenden verbuchte die Kranich-Airline wieder Zuwächse. Offenbar wollen es sich die Manager nicht mehr gefallen lassen, von ihren Unternehmen in die Holzklasse gestopft zu werden. Stutzig macht allerdings das nach Aussagen der Airline "lebhafte Geschäft" bei der Tochter Lufthansa Cargo. Die Traditionsairline wird doch wohl nicht auch noch anfangen, ihre Passagiere wie Frachtgepäck zu behandeln? Verdenken könnte man es ihr kaum, lassen sich Easyjet, Ryanair & Co ihre Bilanzen allenfalls durch isländische Aschewolken trüben. Der gemeine Tourist will nämlich weiterhin billig reisen.

Da nützt alles nichts, die Passagiere müssen wohl selbst ran, wenn Fliegen wieder zu dem aufregenden, eleganten Erlebnis werden soll, das es doch einmal war. Also, hier das innere Versprechen: Nie wieder Billigflieger. Zumindest wenn es sich vermeiden lässt.

Quelle: n-tv.de