Wirtschaft
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Inside Wall Street: Das Ende des Goldrauschs

von Lars Halter, New York

Donald Trump liebt es, Reichtum und Macht zur Schau zu stellen. Dazu passt, dass der Immobilien-Tycoon in Zeiten steigender Goldpreise von einem Mieter medienwirksam pures Gold als Sicherheit verlangt. Nur dumm, dass wenig später der Goldpreis überraschend einbricht.

Donald Trump mag Gold. Auf jedem seiner Türme prangt der Markenname in meterhohen Lettern – die sind nicht aus echtem Gold, aber die Botschaft schimmert klar in der Abendsonne: hier herrscht Luxus pur. Doch golden sind bei Trump nicht nur die Logos, sondern auch die Anzahlungen für Appartements. Der Millionär traut dem US-Dollar nicht mehr, doch jetzt könnte er ein Eigentor geschossen haben.

Donald Trump (rechts) will Gold statt Cash von seinem Mieter, dem Firmenchef der größten US-Edelmetallhändlers APMEX, Michael Haynes .
Donald Trump (rechts) will Gold statt Cash von seinem Mieter, dem Firmenchef der größten US-Edelmetallhändlers APMEX, Michael Haynes .(Foto: REUTERS)

Noch vor ein paar Wochen tönte "the Donald" im Frühstücksfernsehen, dass es wohl traurige Zeiten seien, wenn Großgrundbesitzer wie er selbst statt des Greenbacks lieber Gold als Anzahlung nähmen. Satte 176.000 US-Dollar hatte er sich gerade in Gold anzahlen lassen, denn allein dem Edelmetall sei zu trauen und der US-Währung nicht. Dass Trump für den Untergang des US-Dollar Barack Obama persönlich verantwortlich macht, sei einmal dahingestellt. Viel lustiger ist, dass der Goldpreis nach seinem vorlauten Getöse erst einmal eingebrochen ist und in wenigen Tagen von seinem Rekordhoch bei mehr als 1900 US-Dollar auf unter 1600 gestürzt ist.

Sollten andere Großgrundbesitzer tatsächlich Gold statt Cash wollen, dann dürften sie wohl zumindest mehr davon verlangen – der große Deal der New Yorker Immobilien-Legende war nämlich ein Reinfall.

Allerdings war Trump nicht der einzige, den der plötzliche Kursverfall bei Gold überraschte. Seit dem Amtsantritt von Präsident Obama kannte das Edelmetall nur einen Weg: nach oben. Der Preis pro Feinunze kletterte von 700 US-Dollar auf über 1900 US-Dollar – Schuld daran waren nicht nur die ernsthaften konjunkturellen Sorgen, die Land und Börse plagten, sondern vor allem die Paranoia, die der Propagandasender Fox News streute. Moderatoren wie der Rechtsextreme Glen Beck warben aggressiv für Gold als einzige Wertanlage, um sich gegen den kompletten Untergang des kapitalistischen Systems zu versichern. Beim ungebildeten Volk zog die Masche: Nie war das Interesse an Gold größer, nie floss mehr Geld in den Markt.

Ein Lacher für Warren Buffet

Kritiker gab es derweil schon. Warren Buffett etwa macht sich regelmäßig über Gold lustig. Es sei schon witzig, wie man "Gold aus einem Loch ziehe, um es dann in Barren zu pressen und in einem anderen Loch zu verstecken – diesmal mit Sicherheitsbeamten drum herum", so der legendäre Investor aus Omaha. Andere kritische Analysten wiesen immer wieder auf die eigentliche Nutzlosigkeit des Metalls hin, das letzten Endes außer Schmuck keine Nutzung erfährt. Anders als etwa Metall, Aluminium oder Öl sei der Wert von Gold an nichts anderes gebunden als an die Eitelkeit der Menschen. Mangels jeden industriellen Nutzens schreckte Gold seit jeher manchen Anleger ab.

Es gibt weitere Gründe, warum Experten an ein Ende des Goldbooms glauben. So sei etwa die vielfach beschworene Gefahr einer Inflation völlig unsinnig. "Auf das Platzen einer Immobilien- oder Kreditblase folgt historisch gesehen eher eine Deflation und keine Inflation", schreibt etwa der Analyst Charles Sizemore in seinem aktuellen Investorenbrief. Auch an ein Ende des US-Dollars sei nicht zu denken. So schwerwiegend die Probleme des Greenbacks im Moment seien, da sind sich Analysten einig, so verblassen sie doch im Vergleich zu den Nöten, mit denen sich etwa der Euro herumschlagen müsse, dessen Existenz wirklich keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Goldgräber werden sich von solchen Argumenten wohl kaum abhalten lassen, den jüngsten Wertverfall des Metalls als Kaufgelegenheit zu nutzen. Branchenkenner gehen entsprechend davon aus, dass Gold sein Allzeithoch in absehbarer Zeit noch einmal erreichen oder sogar übertreffen kann – einzelne Analysten glauben an einen Goldpreis von bis zu 2500 US-Dollar. Fundamental interessant wäre die Feinunze dann wohlgemerkt nur noch für Leerverkäufer.

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Quelle: n-tv.de