Wirtschaft
Forscher prophezeien, dass der Höhepunkt der Fettsucht-Epidemie in den USA erst 2050 erreicht wird.
Forscher prophezeien, dass der Höhepunkt der Fettsucht-Epidemie in den USA erst 2050 erreicht wird.(Foto: REUTERS)

Inside Wall Street: Fett und Alkohol kosten Milliarden

von Lars Halter, New York

Der Höhepunkt der Fettsucht-Epidemie in den USA ist noch nicht erreicht, aber Corporate America ächzt und stöhnt schon jetzt gewaltig unter der wachsenden Zahl der Fettleibigen in der Gesellschaft. Das geballte Übergewicht schlägt leider schwer auf die Produktivität durch.

Mit dem Essen stehen die US-Amerikaner auf Kriegsfuß. Für die meisten muss es vor allem schnell gehen, statt Qualität bevorzugt man Quantität. Seit Jahrzehnten liegt zwischen Atlantik und Pazifik nicht mehr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern der unbegrenzten Gürtellinien. Die Zahl der Fettleibigen wächst und die Wirtschaft kostet das Milliarden, wie neue Statistiken zeigen.

Schon lange ist unumstritten, dass Dicke ungesund leben, eher an Diabetes und anderen schweren Krankheiten leiden und daher den Kassen zur Last fallen. Doch schon lange bevor sie ganz berufsunfähig werden, drücken Übergewichtige schwer auf die Produktivität ihrer Arbeitgeber. Sie melden satte 450 Millionen Krankheitstage mehr als Normalgewichtige, wie das US-amerikanische Center for Disease Control ermittelt hat. Der Schaden für Corporate America: 153 Milliarden Dollar pro Jahr.

Viel schlimmer: Der Trend geht klar nach oben. Vor zehn Jahren noch lag der Anteil der Übergewichtigen in keinem einzigen US-Bundesstaat bei mehr als 30 Prozent – heute liegen neun Staaten über der Marke. Quasi im gesamten Süden des Landes, in Missouri, Kentucky, West Virginia, Tennessee, Arkansas, Oklahoma, Louisiana, Mississippi und Alabama ist jeder dritte Bürger gefährlich fett. Nur noch ein einziger Staat – Colorado – kann eine Dickenquote unter 20 Prozent vorweisen. Die Behörden finden das alarmierend.

Staatliche Initiativen verpuffen

Dennoch fällt es ihnen schwer, den Trend umzukehren. Erste Versuche auf politischer Ebene scheiterten. In New York etwa verbot Bürgermeister Mike Bloomberg den Erwerb von zuckerhaltigen Drinks mit Lebensmittelmarken. Auf diesem Weg wollte er Arme davon abhalten, sich ungesund zu ernähren. Die US-Regierung in Washington untersagte die Initiative. Bloomberg und viele andere Politiker hoffen jetzt, dass private Initiativen Erfolg haben – vor allem Initiativen der Unternehmen, für die sich jedes Engagement durchaus lohnt.

Denn Corporate America, so zeigen Studien, bekommt den finanziellen Einsatz in gesundheitsfördernde Programme mehrfach zurück. "Für jeden Dollar, den man in gesunde Ernährung von Mitarbeitern steckt, bekommen die Unternehmen zwischen 3 und 6 Dollar zurück", schreibt der Southeast Missourian. Der Nachrichtenagentur Reuters ist unterdessen nicht entgangen, dass Fettleibigkeit nicht einmal die größte Belastung für Corporate America ist – Alkohol ist noch viel schlimmer und teurer.

Übermäßiger Alkoholkonsum kostet die US-amerikanische Wirtschaft mehr als 200 Milliarden Dollar pro Jahr. Der größte Teil der Kosten fällt dabei bei Arbeitern und deren Familien in Form von Lohn- und Gehaltsausfällen an. Immerhin 11 Prozent fallen auf höhere Kosten für Krankenversicherung und Behandlung, der Rest auf Arbeits- und Produktionsausfall sowie mangelhafte Leistung.

Für das Center for Disease Control ist klar: Mit weniger Essen und weniger Trinken wären die USA stärker und die Wirtschaft ein wenig weiter auf dem Weg aus der Krise.

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Quelle: n-tv.de