Wirtschaft
Die 15.000er Marke ist Geschichte, die nächste wartet bereits.
Die 15.000er Marke ist Geschichte, die nächste wartet bereits.(Foto: REUTERS)

Inside Wall Street: Konjunktur flop, Börse top

Von Lars Halter, New York

S&P-500 und Dow Jones Industrial markieren neue Bestmarken: Seitdem der US-Etatstreit vorübergehend für beendet erklärt wurde, feiern die Aktienmärkte weltweite eine Rally, so auch die Wall Street. Dabei gibt es doch genug beunruhigende Meldungen - zumindest auf den ersten Blick.

Bei diesen Schlagzeilen will man gar nicht weiterlesen:

- "Verbrauchervertrauen fällt auf den niedrigsten Stand seit 6 Monaten",

- "Einzelhandelsumsätze fallen",

- "Großhandelspreise brechen ein",

- "Lagerbestände steigen" … und das sind nur die ersten vier Meldungen auf dem US-amerikanischen Börsenportal Marketwatch.com. Daneben steht der Tageschart der Wall Street: die Aktien klettern, der Dow Jones schiebt sich weiter an sein Allzeithoch heran.

Nun muss man zugeben, dass die negative Nachrichtenlage keinen überrascht haben dürfte. Vor allem das einbrechende Verbrauchervertrauen hat direkt mit dem Theater in Washington zu tun, wo der Kongress mal eben für zwei Wochen die Regierungsgeschäfte stilllegte und die Vereinigten Staaten zum zweiten Mal in zwei Jahren ganz, ganz nahe an die Zahlungsunfähigkeit führte. Man kann von den politischen Spielchen halten, was man will. Man kann auch sagen, dass die wahre Situation nicht ganz so dramatisch war, wie das ständige Gerede vom Staatsbankrott glauben machen wollte - aber eines kann man wohl nicht: beruhigt zuschauen und dem Konsumenten-Alltag nachgehen.

Weihnachten steht vor der Tür

Die US-Amerikaner haben sich in den letzten Wochen etwas eingeschränkt, was nicht nur an dem "Government Shutdown" lag, sondern auch an der schwachen Erholung ab Arbeitsmarkt. Doch wo immer auch die Gründe für die schlechte Stimmung beim Verbraucher liegen, die Unsicherheit auf der Main Street kommt zur Unzeit: In wenigen Wochen beginnt das Weihnachtsgeschäft. Für den Einzelhandel geht es gegen Jahresende wieder um die Wurst. Derzeit deutet alles auf sinkende Umsätze im Einzelhandel hin.

Damit würde ein Trend fortgesetzt, denn Experten ohnehin seit Wochen beobachten, auch wenn die jüngste Schwäche bei den Verkaufszahlen mit der saisonalen Schwäche im Automobilsektor zusammenhängen soll. Das jedenfalls sagen die Insider an der Wall Street.

Beunruhigende Meldungen

Doch damit nicht genug. Die Lagerbestände bei US-amerikanischen Unternehmen steigen infolge der schwachen Umsätze - kein Wunder, aber ein Problem für die Firmen, die Probleme mit dem Cash Flow bekommen und zudem die Gewinnmargen in Gefahr sehen.

Abgesehen von den rundum schwachen Konjunkturdaten kommen auch aus dem privaten Sektor erneut beunruhigende Meldungen. Ob es der Gewinneinbruch der Deutschen Bank ist, die gewaltigen Mengen an Risikobonds, die noch bei europäischen Häusern liegen, die Rekordstrafen für JP Morgan oder Ermittlungen gegen die Bank of America - der Bankensektor ächzt. Wen interessiert in einem solchen Umfeld, ob Apple seine angepeilten Gewinnmargen erreicht oder nicht?

Die wahre Kraft der Wall Street

Viel wichtiger für all jene, die sich erneut über die Rekordfahrt der Märkte wundern: Die Kurse an der Wall Street haben nach wie vor nichts mit den konjunkturellen und wirtschaftlichen Fundamentaldaten zu tun, die einst für das Auf und Ab an der Börse verantwortlich waren. Im Gegenteil: Seit wieder schwache Konjunkturdaten das Bild dominieren, freut man sich auf dem New Yorker Parkett darüber, dass die Fed wohl weiter Geld in die Märkte schießen muss.

Auch wenn Rand Paul, der Obermotz der US-amerikanischen Libertaristen, bereits angekündigt hat, die Kandidatur von Janet Yellen für die Fed-Spitze anfechten zu wollen, ist die Frau doch letzten Endes nicht zu stoppen. Der Kongress wird sie nach den üblichen Rangeleien wohl einsetzen, und damit ist die lockere Geldpolitik der Ära Ben Bernanke noch für eine Weile gesichert. Allein daher kommt die Kraft der Wall Street.

Quelle: n-tv.de