Wirtschaft
Yanis Varoufakis will einen Schuldenschnitt.
Yanis Varoufakis will einen Schuldenschnitt.(Foto: dpa)

Hier irrt Varoufakis: Griechenland braucht keinen Schuldenschnitt

Ein Kommentar von Jan Gänger

Griechenland hat einen Schuldenberg von mehr als 300 Milliarden Euro angehäuft. Für Finanzminister Varoufakis gibt es deshalb nur eine Lösung: einen Schuldenerlass. Damit liegt er allerdings falsch.

Griechenlands neuer Finanzminister Yanis Varoufakis hat ein Ziel: Er will sein Land von der "Schuld-Leibeigenschaft" befreien. Sein Narrativ ist eindeutig: Die griechischen Schulden erdrücken das Land und können sowieso niemals zurückgezahlt werden. Deshalb müsse ein Großteil der Schulden erlassen werden. Das klingt angesichts von 315 Milliarden Euro Schulden - also 175 Prozent der Wirtschaftsleistung - logisch. Ist es aber nicht.

Griechenland zahlt nur geringe Zinsen auf seine ausstehenden Schulden. Der Zinssatz liegt im Schnitt bei lediglich 2,4 Prozent. Zum Vergleich: Die Bundesrepublik Deutschland zahlt 2,7 Prozent. Und auch im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt ist die Zinslast durchaus tragbar, sie lag im vergangenen Jahr bei 4,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das ist etwas mehr als die USA und etwas mehr als Italien oder Portugal aufwenden.

Dazu kommt: Endlich bessert sich die wirtschaftliche Lage. Nach sechs Jahren tiefer Rezession wächst die Wirtschaft wieder - langsam, aber immerhin. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Griechenland ohne Schuldendienst einen Primärüberschuss im Staatshaushalt.

Das heißt natürlich nicht, dass in Griechenland alles eitel Sonnenschein ist. Das Gegenteil ist der Fall. Seit Beginn der Krise ist das Bruttoinlandsprodukt um ein Viertel eingebrochen, die Arbeitslosigkeit liegt bei 25 Prozent, rund ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Krise hat viele Griechen ungeheuer hart getroffen.

Der Sparkurs war an vielen Stellen viel zu hart, unter ihm leiden vor allem die mittleren und unteren Einkommensschichten. Es ist deshalb dringend nötig, den Austeritätskurs zu lockern. Das Land braucht vor allen Dingen Wachstum.

Die Eurozone muss Griechenland deshalb mit einem Wachstumsprogramm unterstützen und entsprechende Investitionen zum Teil finanzieren. Damit wäre den Griechen sehr viel mehr geholfen als mit einem Schuldenschnitt.

Ein Schuldenerlass würde nicht nur den europäischen Steuerzahler viel Geld kosten und die künftige Hilfsbereitschaft massiv verringern. Er kann zum Vertrauensverlust von Investoren in die Eurozone führen, Erschütterungen an den Finanzmärkten verursachen und Griechenland auf weitere Jahre den Zugang zum Kapitalmarkt verschließen.

Wenn ein Schuldenschnitt unnötig ist, sollten wir auf ihn besser verzichten.

Quelle: n-tv.de