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Wall Street berappelt sich: China-Sorgen bescheren Dax heftige Verluste

Die Börsen in Europa stürzen, die Wall Street hinterher. Heftig erwischt es den Dax, der mehr als drei Prozent verliert. Ursachen sind die Sorgen um Chinas Wirtschaft, der billigere Yuan und schlechtere Exportchancen für deutsche Autobauer.

Die Sorgen um China bescheren dem deutschen Leitindex einen Handelstag mit deutlichen Verlusten: Der Dax brach um 3,3 Prozent ein. Die 11.000-Punkte-Marke wurde damit gerissen und nachhaltig unterschritten, der Index landet am Ende bei 10.925 Punkten.

Der Ausverkauf an den Aktienmärkten in Europa hielt bereits den zweiten Tag in Folge an. Der Dax ist in diesem Zeitraum um rund sechs Prozent oder fast 700 Punkte abgestürzt. Als Auslöser für den Abverkauf wird vor allem China genannt, das nicht nur am heimischen Aktienmarkt, sondern nun auch am Währungsmarkt verstärkt die Kurse bestimmt: Die chinesische Notenbank hatte die eigene Währung erneut deutlich niedriger gegen den Dollar gefixt. Damit nimmt die Furcht vor einem Abwertungswettlauf an den Devisenmärkten zu, mit dem Staaten über Währungsvorteile die eigene Wirtschaft unterstützen.

Die Abwertung des Yuan hat weltweit Befürchtungen geweckt, dass es um die chinesische Wirtschaft schlimmer bestellt sein könnte als ohnehin befürchtet. Jüngst häufen sich enttäuschende Konjunkturdaten, wie etwa die Exportdaten vom Wochenende. Am Morgen erst wurde bekannt, dass sich auch das Wachstum der chinesischen Industrieproduktion im Juli unerwartet stark verlangsamt hat. Das bestärkt die Anleger in ihren Zweifeln an der Tragfähigkeit des Wirtschaftswachstums in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Abgesehen davon bekommen die nach China exportierenden Unternehmen die Abwertung unmittelbar zu spüren.

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Dazu gesellten sich am Vormittag weitere schlechte Daten wie die Industrieproduktion der Eurozone. Entgegen der Erwartung eines minimalen Minus von 0,1 Prozent ging sie im Juni um deutlichere 0,4 Prozent zurück. Damit fällt sie bereits den zweiten Monat in Folge. Besonders schwach zeigt sich dabei der wichtige Sektor für Investitionsgüter.

Zur Wochenmitte setzt sich der Druck auf die deutschen Automobilaktien fort. "Gerade mit der erneuten Yuan-Abwertung ist klar geworden, dass die Geschichte noch lange nicht zu Ende ist", sagte ein Händler. Auch die Titel von Luxusgüterherstellern fielen weiter, LVMH um 8,4 Prozent, Christian Dior gaben um 9,2 Prozent nach.

Deutschland: Henkel sind abgeschlagenes Dax-Schlusslicht

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Der Dax schloss am Ende 3,3 Prozent leichter auf 10.925 Punkten, sein Tagestief hatte er bei 10.893 Zählern markiert. Für den MDax ging es 2,8 Prozent runter auf 20.235 Zähler. Der TecDax verlor 2,5 Prozent und sank auf 1714 Punkte. Beim Euro-Stoxx-50 zeigte sich ein Minus von 3,2 Prozent.

Größter Verlierer im Dax waren Henkel. Der Konsumgüterkonzern konnte die Anleger trotz der Zuwächse bei Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal nicht überzeugen. Die Aktien fielen um 9,0 Prozent.

Bergab ging es angesichts der Sorgen um die chinesische Wirtschaft auch für die Titel der exportorientierten Autobauer. Daimler, BMW und Volkswagen verloren zwischen 4,9 und 3,3 Prozent.

An der Spitze standen nach Zahlen Eon mit einem Verlust von 0,3 Prozent. "Dass Eon die Gewinnprognose werde senken müssen, war sicher nicht der Marktkonsens, aber einige Akteure hatten das nicht gänzlich ausgeschlossen", sagte ein Händler. Dazu sei es jedoch nicht gekommen, vielmehr liege der Nettogewinn leicht über der Konsensschätzung.

Talanx notierten im MDax nach Quartalszahlen 1,1 Prozent im Minus. Analysten zeigten sich bislang nicht gänzlich überzeugt von den Daten. So nennt Thorsten Wenzel von der DZ-Bank die Zahlen "durchwachsen". Für Bilfinger ging es nach Zahlenausweis nach anfänglichen Verlusten gegen den Trend 4,9 Prozent nach oben.

USA: China-Krise stürzt Wall Street deutlich ins Minus

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Mit der erneuten Yuan-Abwertung ging es auch an der Wall Street den zweiten Tag in Folge kräftig abwärts. "Wie schlecht geht es denn der chinesischen Wirtschaft, wenn man zu solchen Schritten greift?", fragte Art Hogan, Markt-Stratege bei Wunderlich Securities. Gegen Handelsende bauten die US-Indizes allerdings ihre Verluste wieder ab

Der Dow-Jones-Index ging mit 17.403 Punkten unverändert aus dem Handel, der S&P-500 gewann 0,1 Prozent auf 2086 Zähler. Der Nasdaq Composite legte um 0,2 Prozent auf 5044 Punkte zu.

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Bei den Einzelwerten verlor die Alibaba-Aktie 6,2 Prozent auf 72,27 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit dem Börsengang im September 2014. Zwar lag der Gewinn je Aktie im ersten Geschäftsquartal im ein US-Cent über der Konsensschätzung der Analysten, doch wuchs der Umsatz weniger stark als erwartet.

Daneben standen General Electric (GE) im Blick. Der Konzern ist bei der Verkleinerung seiner Finanzsparte wieder einen Schritt weitergekommen. Capital One wird Healthcare-Kredite im Volumen von 8,5 Milliarden Dollar sowie den Bereich Healthcare-Finanzdienstleistungen für rund 9 Milliarden Dollar übernehmen, teilte der US-Mischkonzern mit. Die GE-Aktie verlor in dem schwachen Marktumfeld 1,1 Prozent.

Eine Gewinnwarnung drückte die Fossil-Aktie um 2,4 Prozent. Der starke Dollar hat den Quartalsgewinn geschmälert. Der Uhren- und Accessoire-Hersteller muss sich nun bescheidenere Ziele setzen. Daneben lassen vor allem die Aktien der China-Exporteure weiter Federn, also Auto- und Luxusgüterhersteller sowie Technologieunternehmen. Am Vortag hatten zum Beispiel Apple gut 5 Prozent verloren, nun ging es um 0,6 Prozent hoch.

Devisen: Euro steigt auf über 1,11 Dollar

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Die Turbulenzen in China haben den Kurs des Euro erneut beflügelt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 1,1185 US-Dollar gehandelt. Im frühen Handel hatte der Euro zeitweise noch 1,1025 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1155 (Dienstag: 1,1055) US-Dollar festgesetzt.

"Die Turbulenzen in China haben den US-Dollar unter Druck gebracht", sagte Stephan Rieke, Devisenexperte bei der BHF-Bank. Am zweiten Tag in Folge hatte die chinesische Notenbank mit einem Eingriff den Yuan abgewertet. "Der schwächere Yuan dürfte die Preise in den USA nach unten drücken", sagte Rieke. Eine schwächere Inflationsrate könnte die US-Notenbank dazu verleiten, ihre Zinsen noch langsamer als bisher erwartet anzuheben.

Aber auch die deutlichen Kursverluste an den Aktienmärkten lasteten auf dem Dollar. Viele Anleger hätten wegen der niedrigen Zinsen Kredite in Euro aufgenommen, um Aktien zu kaufen. In Phasen einer hohen Risikoaversion würden diese Geschäfte aufgelöst. Der Euro wirke derzeit quasi als "sicherer Hafen".

Der Schweizer Franken hat diese Funktion laut Rieke hingegen abgegeben. Angesichts der sich abzeichnenden Einigung der Geldgeber mit Griechenland werde der Franken zunehmen unattraktiver. Der Eurokurs erreichte am Mittwoch mit zeitweise 1,0961 Schweizer Franken den höchsten Stand seit dem 15. Januar. Damals hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs zum Euro von 1,20 Franken aufgegeben.

Rohstoffe: Brent-Öl steigt wieder über 50 Dollar

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Der WTI-Ölpreis erholt sich etwas von seiner jüngsten Schwäche und legt auf Tagesbasis um 0,6 Prozent zu auf 43,34 Dollar zu. Für Brent geht es 1,0 Prozent auf 50,21 Dollar nach oben. Auslöser sind zuversichtliche Aussagen der Internationalen Energieagentur (IEA) in Bezug auf die Erdölnachfrage.

Begünstigt durch den Preisrutsch unter 50 Dollar je Barrel bei Brent-Öl steige die weltweite Ölnachfrage mit der höchsten Rate seit fünf Jahren. Die IEA erhöht deshalb ihre Verbrauchsprognose deutlich. Die wöchentlichen US-Lagerbestandsdaten, deren Rückgang etwas geringer als erwartet ausfiel, haben dagegen kaum Auswirkungen auf den Handel.

Auch der Goldpreis zieht weiter an. Hier stützt die Erwartung einer noch länger lockeren Geldpolitik in den USA. Sollte es zudem zu einem Währungskrieg kommen, könnten auch andere Notenbanken ihren Kurs lockern - das ist eine gute Nachricht für Gold, das von Geldflut, Teuerung und niedrigen Zinsen profitiert. Der Preis für die Feinunze steigt um 1,1 Prozent auf 1121 Dollar.

Asien: Nikkei schmiert ab, Schanghai hält sich wacker

Anleger in Fernost bringen ihr Geld angesichts des Kursverfalls der chinesischen Landeswährung Yuan in Sicherheit. Die Aktienkurse gaben kräftig nach, viele Investoren kauften stattdessen Staatsanleihen. Der Kursrückgang des Yuan schürte bei Investoren Sorgen, dass nun ein Währungskrieg beginnen könnte, der die weltweite Wirtschaft in Turbulenzen stoßen könnte.

In Tokio schloss der Nikkei-Index 1,6 Prozent tiefer bei 20.392 Punkten. Insbesondere die Aktien von Stahlkonzernen und Baumaschinen-Herstellern gerieten unter Druck.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans büßte mehr als zwei Prozent ein und fiel damit auf den tiefsten Wert seit zwei Jahren. "Auch wenn es zu früh ist, um zu sagen, ob dies der Beginn einer anhaltenden Abwertung des Yuan ist, könnten nun andere Zentralbanken gezwungen sein, dem chinesischen Vorbild zu folgen, und das könnte einen Abwertungswettlauf auslösen", sagte Rajeev De Mello, Experte bei Schroders in Singapur.

In China selbst war die Kursreaktion am Mittwoch vergleichsweise verhalten. Mit durchschnittlichen Verlusten von ein Prozent hielten sich die Kurse in Schanghai relativ gut. In Hongkong fiel der Hang-Seng-Index um 2,6 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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