EZB-Entscheidung vertreibt AnlegerDax ohne Gewinn

Nach der Entscheidung der EZB, die Leitzinsen unverändert zu lassen, beendet der deutsche Aktienmarkt den Handel knapp behauptet. Die gesenkten Konjunkturerwartungen der Währungshüter werden für Gewinnmitnahmen genutzt.
Die gesenkten Konjunkturerwartungen der EZB haben einige
Anleger zum Ausstieg aus den europäischen Aktienmärkten bewogen.
"Angesichts der ohnehin fragilen Stimmung nutzt der eine oder andere
offenbar die Gelegenheit zu Gewinnmitnahmen", sagte ein Börsianer. Rainer
Sartoris, Volkswirt bei HSBC Trinkaus, betonte allerdings: "Die
Projektionen des EZB-Stabs zur Konjunktur und Inflation weichen nicht dramatisch
von den früheren Schätzungen ab. Das ist durchaus noch ziemlich zuversichtlich."
Die EZB-Ökonomen rechnen für 2011 nur noch mit einem Plus
des Bruttoinlandsproduktes der Euro-Zone von 1,4 bis 1,8 Prozent. Zuvor waren
sie von 1,5 bis 2,3 Prozent Wachstum ausgegangen. Für das kommende Jahr
reduzierten sie ihre Erwartungen auf 0,4 bis 2,5 von bisher 0,6 bis 2,8
Prozent.
Der Dax beendete den Xetra-Handel nach anfänglichen Gewinnen
von bis zu 1,3 Prozent fast unverändert bei 5408,46 Punkten. Der EuroStoxx50
legte immerhin 0,4 Prozent auf 2161,43 Zähler zu. An der Wall Street arbeitete
sich der US-Standardwerteindex Dow Jones ins Plus vor und notierte bei
Börsenschluss in Deutschland 0,3 Prozent fester.
Die wöchentlichen US-Arbeitsmarktdaten trugen nicht zur Aufhellung
der Stimmung bei. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen überraschend
auf 414.000. Vor diesem Hintergrund warteten Börsianer gespannt auf eine Rede
des US-Präsidenten Barack Obama vor dem US-Kongress. Börsianer gingen davon
aus, dass er ein 300 Mrd. Dollar schweres Paket vorstellen werde, um den
schwächelnden Arbeitsmarkt auf Trab zu bringen. Die Analysten von Metzler
warnten jedoch: "Politik und Notenbank müssen Hand in Hand arbeiten,
ansonsten ist die verfahrene Lage der US-Konjunktur nur schwer umzukehren."
Mit einem Kursplus von 1,3 Prozent auf 24,89 Euro gehörten
die Aktien der Deutschen Bank zur Spitzengruppe der ersten deutschen
Börsenliga. Sie profitierte unter anderem von der Bekräftigung der Gewinnziele
für 2011. "Das würden die sicher nicht noch mal veröffentlichen, wenn sie
dieses Ziel für nicht erreichbar hielten und im August schwere Handelsverluste
erlitten hätten", erklärte ein Börsianer.
Auf der Verliererseite standen dagegen K+S. Händler
begründeten das Minus von 1,5 Prozent auf 46,09 Euro mit einer Herunterstufung
durch Morgan Stanley. Die Analysten der Bank hätten die Einstufung der Titel
des Düngemittel-Herstellers auf "Underweight" von "Equalweight"
gesenkt.
Im Minus notierten auch Bayer. Am Abend (MESZ) sollte in den
USA eine Vorentscheidung zum Bayer-Hoffnungsträger Xarelto fallen. Ein Gremium
unabhängiger Medizinexperten sollte der US-Gesundheitsbehörde FDA eine
Empfehlung geben, ob der Blutverdünner bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen
zugelassen werden soll. Bayer-Papiere verloren 0,2 Prozent auf 38,97
Euro.
Im Nebenwerte-Index MDax profitierten die Papiere des
Spezialchemiekonzerns Wacker Chemie von einer Hochstufung durch Morgan Stanley
und kletterten um 3,8 Prozent auf 92,66 Euro. Die Aktien von Axel Springer
zogen um 0,4 Prozent auf 28,51 Euro an. Der Chefredakteur der des
Springer-Flaggschiffs "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann, hatte in einem
"Handelsblatt"-Interview gesagt, er peile dieses Jahr einen
Rekordgewinn an.