Wirtschaft
Es sieht derzeit nicht so aus, als ob der Dax schnell einen Gang zurück schaltet.
Es sieht derzeit nicht so aus, als ob der Dax schnell einen Gang zurück schaltet.(Foto: REUTERS)

Rekordmarke im Visier: Dax gibt Vollgas

Anleger treibt vor allem eine Frage um: Knackt der Dax die Marke von 10.000 Punkten? Die Chancen stehen gut. Sofern in den kommenden Tagen überzeugende Geschäftszahlen eintrudeln, scheint dem Glück der Börsianer nichts mehr im Weg zu stehen.

Das freundliche Aktienmarktumfeld könnte den Dax in der neuen Woche weiter in Richtung 10.000 Punkte schieben. Und es sieht ganz so aus, als könnte der Leitindex diese Rekordmarke sogar überwinden. Denn die Hoffnung auf eine globale Erholung der Konjunktur macht Aktien schon seit Monaten immer beliebter. Sollten in der laufenden Berichtssaison Unternehmen dazu gute Zahlen präsentieren, wäre das Wasser auf die Mühlen der Optimisten. "Die Stimmung unter den Anlegern ist weiterhin sehr gut", sagt Marktanalyst Kornelius Barczynski vom Brokerhaus GKFX.

Am Freitag hatte der Dax zwischenzeitlich mit 9789 Punkten den höchsten Stand seiner Geschichte erreicht und war mit immerhin 9742 Zählern aus dem Handel gegangen. Bis zur symbolträchtigen Schwelle von 10.000 Punkten fehlen dem Dax damit nur noch knapp drei Prozent. Ein Treiber ist dabei die unverändert lockere Geldpolitik in der Eurozone, die derzeit zu den favorisierten Anlagemärkten gehört. Zudem deutet vieles darauf hin, dass die Krise langsam dem Ende entgegengeht. Die Peripherieländer arbeiten sich aus der Rezession heraus. In Irland, Spanien und Portugal wird in diesem Jahr wieder Wachstum erwartet. Dennoch wird die Europäische Zentralbank die geldpolitischen Zügel wohl auf absehbare Zeit nicht anziehen, denn die Konjunktur ist in weiten Teilen der Eurozone noch immer sehr schwach, die Arbeitslosigkeit liegt auf Rekordniveau.

Die lockere Geldpolitik kurbelt nicht nur die Konjunktur an, sondern sorgt tendenziell auch für einen schwächeren Euro - und das hilft den Exporteuren. All dies zieht das Interesse der Investoren auf sich. Ganz vorne in der Reihe der Käufer stehen US-amerikanische Anleger. Nachdem der US-Markt in den vergangenen Jahren weit vorgelaufen ist, hält Goldman Sachs das Potenzial dort nun für begrenzt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 gelten amerikanische Aktien als vergleichsweise teuer.

Analysten uneins

Stärkere Diversifizierung heißt daher das Motto für US-Investoren. Dabei stoßen sie fast zwangsläufig auf die Eurozone. Da die Region gerade erst aus der Rezession herauskommt, gelten europäische Aktien als günstig bewertet. "Sie sind super-billig", meint die Societe Generale. Die Unternehmensgewinne werden laut den Prognosen der Analysten in diesem Jahr zweistellig wachsen. Zugleich werden die immer noch hohen Risikoaufschläge europäischer Aktien abgebaut.

Die jüngsten Platzierungen in ProSiebenSat1 (durch Finanzinvestoren) oder auch Airbus (durch den französischen Staat) sind auf großes Interesse von US-Anlegern gestoßen. Zugleich halten die großen US-Banken Konferenzen in den Peripheriestaaten ab, um Investmentmöglichkeiten auszuloten.

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"Der Start der Berichtssaison fiel zwar in den USA eher enttäuschend aus", sagt Marktstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. Das habe aber den Vorteil, dass die Erwartungen für die noch kommenden Berichte zuletzt heruntergeschraubt worden seien. Vor allem die Aktien deutscher Unternehmen könnten daher positiv überraschen. "Wir gehen davon aus, dass der Dax in den kommenden Wochen an der magischen Marke von 10.000 Punkten kratzen wird. Dann werden die Anleger wohl erneut über Gewinnmitnahmen nachdenken."

Dazu kommt: Je höher der Dax steigt, desto größer wird Analysten zufolge die Gefahr einer Überhitzung des Marktes. So äußerte sich Andreas Hürkamp von der Commerzbank skeptisch. Seiner Meinung nach könnte der deutsche Leitindex zunächst mehr oder weniger auf der Stelle treten, da die Analysten ihre Gewinnprognosen für die Dax-Unternehmen nochmals reduzieren dürften. Gründe seien der zuletzt starke Euro, der die Exporte verteure, und die steigenden Löhne in Deutschland.

Etwas positiver gestimmt ist Aktienstratege Manfred Bucher von der Landesbank Baden-Württemberg. Seiner Meinung nach kommen von der Konjunktur derzeit positive Impulse für die Börsen. So sind die Aussichten für die globale Wirtschaft nach Einschätzung der Weltbank so gut wie lange nicht mehr.

Konjunktur im Blick

Vor diesem Hintergrund dürften Anleger die Konjunkturdaten der neuen Woche genau betrachten. Am Montag könnte das chinesische Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal für Kursausschläge sorgen. Am Dienstag stehen die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für Januar im Fokus. Am Donnerstag folgen aus den USA Immobiliendaten und der Index der Frühindikatoren, jeweils für Dezember.

Zu den wichtigsten Konjunkturdaten in der kommenden Woche zählen die Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone, die ebenfalls am Donnerstag präsentiert werden. "Nach der deutlichen Verbesserung im vergangenen Monat dürfte der Index für die Industrie im Januar nur noch leicht zulegen", erwartet Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. Aber selbst dann seien die Daten positiv zu werten, immerhin würde eine anhaltende Erholung signalisiert.

In den nächsten Tagen wird die Bilanzsaison vor allem in den USA brummen. Laut Allianz Global Investors legen dort in der kommenden Woche mehr als 70 Unternehmen aus dem S&P500 ihre Zahlen vor. Dazu zählen Größen wie IBM, Microsoft und Procter & Gamble. Aber auch aus Europa informieren immer mehr Unternehmen über die Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Quartal.

Unternehmensnachrichten aus Deutschland dürften eher rar gesät bleiben. Am Montag präsentiert der Geldautomaten- und Kassensystem-Hersteller Wincor Nixdorf Quartalszahlen. Zu Wochenbeginn sind keine Impulse aus den USA zu erwarten, da die US-Börsen am Montag wegen des "Martin Luther King Day" geschlossen bleiben. Einen Tag später veröffentlicht der im Dax gelistete Software-Hersteller SAP seine endgültigen Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr.

Quelle: n-tv.de

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