Wirtschaft
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Finanzaktien heben ab: Dax packt kräftig drauf

Das Prinzip Hoffnung treibt den deutschen Aktienmarkt kräftig ins Plus. Der Markt setzt auf eine Lösung in der europäischen Schuldenkrise, was den Aktien aus dem Finanzsektor zu einem fulminanten Tagesplus verhilft.

Angetrieben von der Hoffnung auf eine Lösung der europäischen Schuldenkrise sind die deutschen Aktienindizes am Dienstag weiter nach oben gesprintet. Der Markt setzte auf eine kräftige Stärkung des Euro-Rettungsfonds EFSF.

Der Dax sprang um 5,3 Prozent auf 5628,44 Punkte hoch und erzielte den größten Tagesgewinn seit fast anderthalb Jahren. Damit machte der Leitindex sein dickes Vorwochenminus mehr als wett und schloss so hoch wie seit Anfang September nicht. Der MDax mittelgroßer Werte stieg um 5,0 Prozent auf 8628,47 Punkte, das Technologiebarometer TecDax gewann 4,5 Prozent auf 689,96 Punkte.

Getrieben wurden die Kurse vor allem von Spekulationen, dass neue Maßnahmen die Schlagkraft des EFSF erhöhen und so die europäischen Banken vor weiteren Turbulenzen abschirmen sollten. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker sagte dazu, das Volumen des Rettungsschirms werde zwar nicht erhöht, die Instrumente sollten aber so effektiv wie möglich eingesetzt werden. Einen Extra-Schub hatte den Börsen Österreichs Finanzministerin Maria Fekter mit der Aussage gegeben, die Länder der Eurozone würden am Montag über mögliche Hebel für den EFSF beraten. "Auf Äußerungen in diese Richtung reagiert der Markt am meisten", sagte ein Händler. Angestoßen wurde die Erwartungshaltung vor allem von einer Meldung des Fernsehsenders CNBC, wonach das Volumen des EFSF über die Ausgabe eigener Anleihen aufgepumpt werden könnte.

Ein Händler in Frankfurt sagte, dass die Investoren derzeit auf zwei Dinge setzten: "Erstens: Griechenland geht nicht pleite. Zweitens: Die europäischen Banken werden zwangsgerettet." Peter Cardillo, Chef-Volkswirt von Rockwell Global Capital sprach von der Hoffnung, dass eine weltweite Rezession abgewendet werden könne. "Der Markt bekommt langsam das Gefühl, dass sich die europäischen Politiker aus ihrer Starre lösen."     

Nach Einschätzung der Commerzbank ist eine Entscheidung über neue EFSF-Maßnahmen lediglich vertagt, bis Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Donnerstag die Zustimmung des Bundestages zur 440-Mrd-Aufstockung des Rettungsschirms in der Tasche hat. Bei einer Probeabstimmung am Dienstagnachmittag gab es in der Unionsfraktion elf Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen, wie aus Unions-Kreisen verlautete. Da aus den Reihen der FDP nach Angaben von Fraktionschef Rainer Brüderle mit maximal vier Nein-Stimmen gerechnet wird, zeichnete sich eine eigene Mehrheit für die Koalition von Kanzlerin Angela Merkel ab.

Finanz- und Autotitel preschen vor

Zu den größten Profiteuren am Aktienmarkt zählten weiterhin die in den vergangenen Wochen arg gebeutelten Finanzwerte. An der Gewinnerspitze im Dax legten die Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank um je 12,6 Prozent zu. Bei der Commerzbank war es das größte Kursplus seit rund zwei Jahren. Im MDax legte die Aareal Bank um 14,2 Prozent zu. "Zuletzt hat man bei den europäischen Banken gedacht: 'Da knirscht es im Gebälk'", sagte ein Börsianer. "Jetzt scheint es so, dass die EU möglicherweise Banken zwangsweise rekapitalisiert oder sie teilverstaatlicht. Damit ist eine große Angst erst einmal aus dem Markt."

Deutliche Gewinne am deutschen Aktienmarkt verbuchten auch MAN und Volkswagen, die sich um 7,2 beziehungsweise 6,7 Prozent verteuerten. Die EU-Kommission hatte VW ohne Auflagen die Übernahme des Münchner Lastwagen- und Maschinenbauers erlaubt. Damit dürften Spekulationen wieder einsetzen, nach denen VW den Anteil an MAN weiter aufstocken könnte.

Von der positiven Kursstimmung ließen sich auch andere Branchentitel anstecken. Für Daimler ging es um 7,2 Prozent aufwärts, BMW kletterten um 6,2 Prozent.

Südzucker hingegen, die den Einbruch am Aktienmarkt ohne Blessuren überstanden hatten, gab nun mit 0,5 Prozent nach. Die überraschend vorgelegten Halbjahreszahlen kamen gut an, doch bezeichnen Marktteilnehmer den Ausblick als etwas zurückhaltend. Zudem sei die Aktie bereits gut bewertet. Analysten sehen trotzdem weiteres Potenzial. Das Bankhaus Lampe schätzt die Aktie mit "Kaufen" und Ziel 33 Euro ein. Die LBBW sieht ebenfalls weiteren Spielraum und nennt ein Kursziel von 29 Euro.

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Quelle: n-tv.de

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