Wirtschaft
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Wall Street baut Gewinne aus: Dax profitiert von Griechenland-Deal

Einen Wochen-Auftakt nach Maß bescheren Griechenland und dessen Geldgeber dem deutschen Aktienmarkt. Beflügelt von einem wohl abgewendeten Grexit greifen Anleger zu und lassen den Dax steigen. Nur dem Euro bekommt die Einigung nicht so gut.

Die Einigung im griechischen Schuldenstreit bereitete dem Dax ein starken Start in die Handelswoche. Nach einem kleinen Durchhänger am Nachmittag gab der Index gegen Ende nochmal Gas und schloss letztendlich 1,5 höher auf 11.484 Punkten. Der Euro hingegen sank nach einer zunächst positiven Reaktion im Laufe des Handelstages deutlich ab.

Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone hatten sich am Morgen nach äußerst zähen Verhandlungen mit Griechenland geeinigt. EU-Ratspräsident Donald Tusk teilte mit, damit sei alles bereit, ein drittes Hilfsprogramm "mit ernsthaften Reformen und finanzieller Unterstützung" auf den Weg zu bringen. Frankreichs Präsident Hollande erklärte, die Übereinkunft erlaube Griechenland, im Euro zu bleiben.

Daniel Saurenz von Feingold Research reagierte gegenüber n-tv.de jedoch zurückhaltend auf die anschließende Euphorie am deutschen Aktienmarkt. Zwar lasse die Einigung den Dax eine Rally der Erleichterung starten. "Doch damit ist das Thema Griechenland zum einen nur vorerst vom Tisch, zum anderen warten mit der US-Zinsentwicklung, der Quartalssaison in den USA und vor allem der wackligen Lage in China die nächsten Stolpersteine auf die Aktienmärkte." Europäische Aktien seien zwar nicht teuer bewertet, doch auf einen weiterhin unruhigen Sommer können sich Anleger trotzdem einstellen, glaubt Saurenz. Denn: "Das Griechenland-Thema überlagerte zuletzt die Sorgen um die Weltkonjunktur, die Rohstoffpreise sind ein mahnender Indikator dafür."

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Auch Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg, warnte vor zu viel Euphorie: Die Einigung sei noch nicht in trockenen Tüchern. Athen müsse harte Auflagen erfüllen. Aber, sollten diese erfüllt werden, würde sich Griechenland wieder in die richtige Richtung bewegen. Dass es keinen Schuldenschnitt geben werde, sieht Schmieding nicht als Belastung. Denn die Zinslast, die Griechenland zu tragen habe, liege gerade einmal bei 1,5 Prozent.

Andere Marktbeobachter waren insgesamt optimistischer, was die weitere Entwicklung des deutschen Aktienmarkts angeht: "Die Käufe kommen erst", sagte ein Händler. Bisher werde der Markt vor allem von Short-Eindeckungen und Stop-Loss-Geschäften angetrieben. So lägen viele Stopps oberhalb des Abwärtstrends, der im Future bei etwa 11.440 Punkten verläuft. Größere strategische Kauforders seien dagegen noch nicht am Markt. "Sie werden aber kommen", meinte der Händler zuversichtlich. Viele Anleger hätten sich zuletzt neutral und an die Seitenlinie gestellt.

Im Fokus stand neben der Krise um Griechenland die Verhandlung über das Atomprogramm des Iran und damit die Ölpreise. Diese kommen angesichts des offenbar unmittelbar bevorstehenden Abschlusses der Iran-Verhandlungen kräftig zurück. Von der Konjunkturseite gab es Außenhandelsdaten aus China. Demnach verringerte sich der Außenhandel der Volksrepublik im ersten Halbjahr dieses Jahres. Allerdings sind die Zahlen für den Juni wieder etwas besser.

Deutschland: Deutsche-Börse-Aktie steigt auf Sieben-Jahreshoch

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Der Dax schloss am Ende 1,5 Prozent höher auf 11.484 Punkten. Für den MDax ging es 1,7 Prozent nach oben auf 20.584 Zähler, der technologielastige TecDax legte 2,2 Prozent zu auf 1740 Punkte. Der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 verbesserte sich um 1,8 Prozent auf 3591 Zähler.

Ein positiver Analystenkommentar trieb die Aktien der Deutschen Börsen im Dax weit nach oben. Die Aktie des Börsenbetreibers stieg um 4,4 Prozent auf ein Sieben-Jahreshoch von 83,32 Euro. Goldman Sachs hatte den Titel auf "Buy" von "Neutral" hochgestuft und das Kursziel auf 101 von 79,70 Euro gesetzt. Angesichts der zuletzt gestiegenen Handelsvolumen sei die Deutsche Börse auf einem guten Weg, ihre Ziele zu erreichen oder sogar zu übertreffen, hieß es in der Studie.

Auch die Banken-Titel zählten zu den größten Gewinnern der Griechenland-Einigung: Deutsche Bank und Commerzbank legten um 3,3 und 2,5 Prozent zu. BMW ließen 0,2 Prozent nach und waren damit größter Verlierer im Dax - der chinesische BMW-Partner Brilliance hatte eine Gewinnwarnung abgegeben. BMW arbeitet mit Brilliance sowohl in der Produktion als auch im Vertrieb zusammen. Auch Henkel fielen um 0,1 Prozent, K+S ebenfalls.

USA: Freundliche Stimmung aus Europa färbt ab

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Die Kauflaune vom Wochenausklang an der Wall Street setzt sich fort. Das alles beherrschende Thema ist die Einigung im griechischen Schuldenstreit. Im Vorfeld war in den USA die Sorge gewachsen, dass ein Grexit nicht nur Europa, sondern auch die Weltwirtschaft negativ beeinflussen könnte. Der Dow-Jones-Index steigt um 1,2 Prozent auf 17.977 Punkte, der S&P-500 gewinnt 1,1 Prozent, der Nasdaq-Composite 1,5 Prozent.

Unternehmensseitig kommt zwar in dieser Woche die Berichtssaison in die Gänge, zum Beispiel mit Zahlenwerken der großen Banken JP Morgan, Bank of America, Wells Fargo oder Citigroup. Doch am Montag herrscht hier noch Ruhe, wie auch bei den Konjunkturdaten.

Ascena rutschen um 14,2 Prozent ab. Der auf Frauenbekleidung spezialisierte Einzelhändler hatte ebenfalls seine Prognose gesenkt.

Ingersoll-Rand legen um 1,5 Prozent zu. Stifel Nicolaus hat die Aktie des Mischkonzerns auf "Buy" von "Hold" erhöht. Lockheed Martin legen leicht zu. Der Rüstungskonzern spricht mit United Technologies, um deren Hubschrauber-Sparte Sikorsky zu übernehmen. United Technologies gewinnen 0,8 Prozent.

Devisen: Euro nach Griechenland-Deal unter Druck

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Auch der Euro verteuert sich zunächst binnen Minuten um einen knappen halben US-Cent auf 1,1169 Dollar, gerät danach aber kräftig ins Rutschen und sinkt wieder mehr als einen US-Cent nach unten. Zum Handelsende steht Europas Gemeinschaftswährung bei 1,0999 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1049 (Freitag: 1,1185) US-Dollar fest.

Die Verhandlungen um Griechenland hätten "überdeutlich" die politischen Risiken der Rettung Griechenlands aufgezeigt, sagt Andreas Paciorek von CMC Markets. "Deutschland wird zunehmend isoliert, die Eurozone wird entzweit und kommende Wahlergebnisse könnten diesen Bruch noch vertiefen", sagt der Marktanalyst. Die Eurozone komme damit nicht wirklich gestärkt aus den Verhandlungen. Am Aktienmarkt helfe der schwächere Euro allerdings.

Rohstoffe: Märkte preisen iranisches Öl mit ein

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Die Ölpreise sinken angesichts eines offenbar unmittelbar bevorstehenden Abschlusses der Iran-Verhandlungen weiter. Sollten die Sanktionen gegen Iran aufgehoben werden, hat das Land bereits angekündigt, seine Ölexporte zu verdoppeln. Zudem erwartet die Opec, dass die Nachfrage in diesem Jahr deutlich unter dem gegenwärtigen Förderniveau des Kartells liegen wird. Das belastet den Ölpreis. Für den US-Ölpreis WTI geht es um 0,6 Prozent abwärts auf 51,87 Dollar je Barrel. Brent verliert 1,3 Prozent auf 57,95 Dollar.

Sicherheit ist angesichts der Einigung in Brüssel nicht gefragt. Sowohl Anleihen als auch Gold zeigen sich geschwächt. Der Goldpreis fällt um rund zehn Dollar auf 1153 Dollar je Feinunze. Die Rendite der zehnjährigen Treasurys steigt um drei Basispunkte auf 2,45 Prozent.

Asien: In Shanghai und Shenzhen setzt sich Erholung fort

Die Anleger an den ostasiatischen Börsen haben sich am ersten Tag der Handelswoche in Kauflaune präsentiert, die in erster Linie von China ausging. Dort erholten sich die Kurse bereits den dritten Tag in Folge. Dabei nahm die Zahl der vom Handel ausgesetzten Aktien weiter ab, was zusätzlich für Zuversicht sorgte. In der vergangenen Woche waren phasenweise über 50 Prozent der in Schanghai gelisteten Papiere nicht gehandelt worden. Rückenwind kam erneut von kreditfinanzierten Aktienkäufen und weiteren von Peking initiierten Maßnahmen gegen den Verfall der Kurse, aus Sorge vor einem Übergreifen auf die Realwirtschaft.

An der chinesischen Leitbörse in Schanghai ging um 2,4 Prozent auf 3.971 Punkte nach oben. Die Börse in Shenzhen wie auch das zuletzt ebenfalls schwer gebeutelte Marktsegment ChiNext lagen noch deutlicher im Plus. In Hongkong stiegen die Kurse nach anfänglichen Verlusten ebenfalls kräftig.

Die Börse in Tokio hat dank der anhaltenden Erholung an den chinesischen Börsen und eines schwächeren Yen deutlich im Plus geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gewann 309,94 Punkte oder 1,57 Prozent auf den Schlussstand von 20.089,77 Zählern. Der Nikkei übersprang somit nach drei Handelstagen wieder die Marke von 20.000 Punkten. Der breit gefasste Topix verzeichnete ein Plus von 29,96 Punkten oder 1,89 Prozent auf 1613,51 Punkte.

Quelle: n-tv.de

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