Archiv

Draghi-Effekt wirkt nachDax über 7200 Punkten

07.09.2012, 18:00 Uhr
2012-09-06T153711Z-01-AD37-RTRMDNP-3-GERMANY-JPG6145694847889922510
Mancher Börsianer traut seinen Augen nicht: Die Kurse klettern weiter. (Foto: REUTERS)

Mit einem dicken Wochenplus verabschiedet sich der deutsche Aktienmarkt aus dem Handel. Vor allem Bankenaktien klettern kräftig. Mit Leichtigkeit nimmt der Dax dabei die Marke von 7200 Punkten und markiert ein neues Jahreshoch. Daran können auch Störfeuer aus den USA nichts ändern.

DaxDie gute Stimmung am deutschen

Aktienmarkt hat sich auch am Freitag fortgesetzt. Selbst ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht

oder eine Umsatzwarnung von Intel änderte daran nur wenig. Die Investoren hoffen

nun darauf, dass die US-Notenbank auf der Offenmarktsitzung in der kommenden Woche

die Geldpolitik weiter lockern wird.

Der Dax gewann 0,7 Prozent auf 7.214 Punkte

hinzu und ging damit freundlich ins Wochenende. Im Handelsverlauf markierte der

Leitindex mit 7248 ein neues Jahreshoch. Auf Wochensicht verbuchte der Dax ein

Plus von 3,5 Prozent. Für den MDax

ging es am Freitag um 0,6 Prozent rauf auf 11.177,52 Punkte. Der TecDax kletterte um 0,8 Prozent auf

810,13 Punkte.

Die US-Wirtschaft hat im

August lediglich 96.000 neue Stellen geschaffen. Erwartet wurde aber ein Plus von

125.000. Newedge spricht von einer "schmerzhaft langsamen Erholung am US-Arbeitsmarkt".

Aber wie so oft waren auch dieses Mal schlechte Konjunkturdaten gute Nachrichten

an den Börsen. Die Anleger vertrauen darauf, dass Fed-Chairman Ben Bernanke in wenigen

Tagen die Geldschleusen öffnen wird.

Grund für die übergeordnet

gute Stimmung ist aber vor allem das am Donnerstag bekannt gegebene neue Anleihenkaufprogramm

der EZB. Damit hat Mario Draghi aus Sicht der Investoren geliefert. Die EZB will

nun Anleihen der Länder kaufen, die Hilfsgesuche an die Rettungsschirme stellen.

Barclays meint, ein solches Hilfsgesuch könnte bald von Spanien gestellt und vom

EU-Gipfel am 18. und 19. Oktober akzeptiert werden. Im Anschluss könnte die EZB

mit Käufen spanischer Anleihen beginnen.

Banken feiern EZB-Party

Sehr fest entwickelten sich

Bankwerte. Die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Eurozone ist mit den neuen Maßnahmen

der EZB gesunken. Das sind natürlich gute Nachrichten für den Bankensektor, die

zahlreiche Anleihen aus der Peripherie der Eurozone in ihren Bilanzen halten. Deutsche-Bank-Aktien gewannen 5,3 Prozent

auf 31,35 Euro, für Commerzbank-Titel

ging es 6,7 Prozent auf 1,39 Euro nach oben. "Wenn jetzt noch das Bundesverfassungsgericht am Mttwoch nicht in die Suppe spuckt, hat sich das Umfeld für die Finanzbranche merklich aufgehellt", sagt ein Händler. Anleger seien in keinem Sektor derart unterinvestiert wie in den High-Beta-Finanzaktien. So bezeichnen Börsianer Aktie, die stärker schwanken als der Gesamtmarkt.

Mit einem Plus von 6,6 Prozent auf

5,62 Euro waren auch Infineon-Titel sehr

fest. Nach den schweren Verlusten in den vergangenen Wochen erholte sich die Aktie

weiter. Auch die Deutsche Börse, die trotz der Kurseuphorie am Vortag als einziger Dax-Wert Kursverluste verbucht hatte, legte am Freitag zu und gehörte mit 4,0 Prozent Plus zu den stärksten Titeln.

Der Lufthansa-Streik belastete den Kurs nicht

mehr länger. Der Markt setze nun auf eine Verhandlungslösung, nachdem die Flugbegleiter-Gewerkschaft

Ufo den Kontakt zum Lufthansa-Management aufgenommen habe, hieß es dazu im Handel.

"Vielleicht ist das der letzte Streik-Tag gewesen", sagte ein Teilnehmer.

Am Nachmittag kündigte die Kranichlinie an, externen Kabinenmitgliedern ein Angebot

für eine Festanstellung zu machen. Das Unternehmen kommt damit Forderungen der Gewerkschaft

nach. Lufthansa-Papiere erholten sich um 1,5 Prozent auf 10,12 Euro.

Auf der Verliererseite stand

die Aktie der Deutschen Post. Der Staat

baut den Anteil um weitere fünf Prozent oder 60 Millionen Aktien ab. Der Platzierungspreis

lag bei 15,40 Euro. Der Kurs verlor daraufhin 3,6 Prozent auf 15,40 Euro. Am Vorabend hatten die Papiere den höchsten Stand seit fast vier Jahren markiert. "Das Timing dieser Transaktion ist unserer Meinung nach exzellent", kommentierte Analyst Robert Czerwensky von der DZ Bank. Mittel- bis langfristig bleibe die Aktie eine Top-Empfehlung im Logistiksektor. Kurzfristig böten sich mit der Platzierung jedoch Gewinnmitnahmen an.

Quelle: ntv.de, nne/rts/DJ