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Nächste große Hürde wartetDax stürmt vor

19.01.2012, 18:00 Uhr
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(Foto: dpa)

Der deutsche Aktienmarkt räumt auf seinem Weg nach oben die nächste Marke ab. Angeführt von einem Kursfeuerwerk bei Finanztiteln klettert der Dax über die Marke von 6400 Punkten. Anleger halten nun die Luft an, weil damit eine wichtige charttechnische Marke geknackt ist. Das könnte Raum für weitere Kurssteigerungen schaffen.

Am deutschen Aktienmarkt geht es am Donnerstag weiter aufwärts. Die Hoffnung auf eine baldige Einigung bei den Gesprächen zwischen den Gläubigerbanken und der griechischen Regierung hebt die Stimmung der Anleger. "Der Markt ist erstaunlich fest. Man hofft auf eine Lösung für Griechenland", sagt ein Händler.

Der Dax schloss um 1 Prozent fester bei 6416,26 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit Ende Oktober. Seit Jahresbeginn hat das Börsenbarometer damit knapp neun Prozent hinzugewonnen. Der Dax schaffte damit auch den Durchbruch nach oben durch den 200-Tage-Durchschnitt, was unter Börsianern als ein Indiz für Kurschancen nach oben gilt. Der MDax der mittelgroßen Werte gewann 0,9 Prozent auf 9838,48 Punkte, der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 1 Prozent auf 751,90 Punkte vor.

Mit Erleichterung haben Anleger Geschäftszahlen der beiden großen US-Banken Morgan Stanley und Bank of America aufgenommen. Nach den eher verhaltenen Zahlen, etwa von der Citigroup, habe der Markt mit Argusaugen auf Morgan Stanley geschaut, heißt es auf dem Parkett. Nun steige die Chance, dass der Finanzsektor vorerst aus dem "Tal der Tränen" heraus sei. Finanzwerte hätten auch von gut verlaufenen Staatsanleihe-Auktionen in Spanien und Frankreich profitiert, sagte Aktienhändler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade.

Als Damoklesschwert schwebt hingegen eine Einigung Griechenlands mit seinen privaten Gläubigern über dem Markt. "Die Leute erwarten bald eine Einigung zwischen Griechenland und seinen Anleihe-Gläubigern", betonte Aktienstratege Jeremy Batstone-Carr vom Brokerhaus Charles Stanley. Schließlich bedürfe es einiger Wochen, bis die Verträge unterschriftsreif seien. Sonst drohe dem Land die Zahlungsunfähigkeit. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos stellte die Klärung der meisten offenen Fragen bis Freitag in Aussicht.

Die griechische Regierung verhandelt seit Wochen mit ihren privaten Gläubigern über die Details eines Programms, das einen freiwilligen Verzicht auf einen Teil der Forderungen vorsieht. Der Sanierungsbeitrag privater Investoren ist eine Bedingung für die Auszahlung weiterer Notkredite von EU und Internationalem Währungsfonds.

Der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia blieb mit 7,3 Punkten hinter der Analystenprognose von 10,0 Zählern zurück. "Das Ergebnis konnte die Erwartungen, die durch den Index der New Yorker Fed geweckt wurden, nicht erfüllen", sagte Volkswirt Sean Incremona vom Research-Haus 4Cast. Allerdings untermauere er die Aussicht auf eine langsame Erholung der US-Konjunktur.

Commerzbank will es allein schaffen

Related contentDie Nachricht des Tages am Donnerstag war, dass die Commerzbank zum Erreichen der Eigenkapitalanforderung weder den Staat noch die Aktionäre um Geld bitten muss. Damit fassten die Anleger am deutschen Aktienmarkt Mut und die Aktie haussierte mit 14,8 Prozent. Die Bank rechnet damit, ihre Eigenkapitallücke von 5,3 Mrd. Euro rechtzeitig aus eigener Kraft schließen zu können. Mit einem Maßnahmenpaket könne die Kernkapital-Decke bis Ende Juni sogar um 6,3 Mrd. Euro aufgebessert werden, sagte Bankchef Martin Blessing. Knapp 60 Prozent des Lochs habe die Bank schon Ende 2011 geschlossen, unter anderem durch einen Gewinn im vierten Quartal von 1,2 Mrd. Euro. Auf weitere 1,2 Mrd. Euro hofft die Bank in den ersten beiden Quartalen 2012. An der Börse sorgt das Signal für Zuversicht, auch bei anderen Branchentiteln: Aktien der Deutschen Bank legten um 8,4 Prozent zu, im MDax kletterten Papiere der Aareal Bank um 6 Prozent. Im Fahrwasser des Commerzbank-Kurssprungs zogen zudem die Aktien des Großaktionärs Allianz um 4,2 Prozent auf 83,34 Euro an.

Auf der Gewinnerseite standen darüber hinaus auch Aktien der Lufthansa mit 4,9 Prozent Plus. Die Papiere der Kranich-Linie profitierten von einem positiven Analystenkommentar der HSBC, die Papiere der Lufthansa von "Neutal" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 11,50 auf 12,50 Euro angehoben haben. Das Geschäft werde im neuen Jahr für alle europäischen Fluggesellschaften schwierig, die Lufthansa sei allerdings der defensivste unter den Netzwerk-Carriern, schrieb Analyst Robin Byde in einer Studie. Der geplante Verkauf von British Midland (BMI) signalisiere die willkommene Rückbesinnung auf Profitabilität. Trotz der Weiterführung der Flottenerneuerung dürften die freien Barmittel steigen.

Zu den größten Dax-Gewinnern gesellten sich am frühen Nachmittag auch ThyssenKrupp, nachdem das "Manager Magazin" berichtet hatte, der Stahlkonzern erwäge einen Verkauf der verlustreichen neuen Werke in den USA und Brasilien. Die Aktien stiegen 4,9 Prozent. Ein Sprecher wollte sich zu diesen Spekulationen nicht äußern und verwies auf die Hauptversammlung am Freitag.

Aurubis kommt an

In der zweiten Reihe schlossen Aurubis 1,6 Prozent fester. Eine gute Nachfrage nach Kupferprodukten und hohe Schmelzlöhne haben Europas größten Kupfererzeuger im Geschäftsjahr 2010/2011 zu einem Gewinnsprung verholfen. Börsianer fanden jedoch ein Haar in der Suppe: "Der operative Gewinn im vierten Quartal hat die Ziele des Unternehmens nicht ganz erreicht", so Eggert Kuls, Analyst von M.M. Warburg. Statt bei gut 100 Mio. Euro liegt er bei 87 Mio. Euro. Daneben fehle in den Zahlen die erwartete Badwill-Zuschreibung aus der Übernahme von Luvata. Kuls stuft die Aktie mit Kauf ein bei einem Kursziel von 51 Euro.

Größter Gewinner unter den Nebenwerten war Sky Deutschland mit einem Kursplus von 6,8 Prozent. Die Aktie befindet sich auf Kletterkurs, seit Sky Anfang der Woche mitgeteilt hatte, erstmals auf eine Reichweite von mehr als 10 Mio. Zuschauern zu kommen.

Quelle: nne/dpa/rts/DJ