Wirtschaft
Frankreichs Präsident Francois Hollande (l.) und EZB-Chef Mario Draghi warnen vor weiteren Rückschlägen für die Konjunktur.
Frankreichs Präsident Francois Hollande (l.) und EZB-Chef Mario Draghi warnen vor weiteren Rückschlägen für die Konjunktur.(Foto: REUTERS)

Vor dem Zinsentscheid: Euro blickt in die Tiefe

Knifflige Situation: Der Markt rechnet mit einer neuerlichen Intervention der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Doch mit den sich verfestigenden Erwartungen steigt auch die Gefahr von Enttäuschungen.

Spekulationen auf neuerliche Interventionen der Europäischen Zentralbank setzen dem Kurs der Gemeinschaftswährung weiter zu. In der Folge fiel der Euro bis auf 1,3108 Dollar. Das ist zugleich der tiefste Stand seit einem Jahr. Dann kam die Gemeinschaftswährung wieder etwas zurück.

Am Nachmittag legte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3115 Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7625 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,79330 britische Pfund, 137,63 (136,97) japanische Yen und 1,2072 Schweizer Franken fest.

Allerdings könnte diese Schwäche die EZB auch von neuerlichen Zinssenkungen absehen lassen, sagt die Rabobank. Letztlich sei aber die Ursache der Euro-Schwäche ausschlaggebend für das weitere Vorgehen der EZB. Wenn ausschließlich die Erwartung den Euro belaste, dass die Zentralbank irgendetwas unternehme, dann sinke die Wahrscheinlichkeit, dass es zu quantitativen Lockerungen komme. Wenn die Schwäche aber dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine geschuldet sei und die pessimistischeren Erwartungen an Wachstum und Inflation leugne, dann dürfte der Druck auf die EZB, quantitative Lockerungen vorzunehmen, trotz des jüngsten Rücksetzers steigen.

Goldman als Kontraindikator?

Etwas unschlüssig stehen Anleger vor der Goldman-Sachs-Prognose zum weiteren Euro-Verfall und der angenommenen Parität des Währungspaares 2017. "Das könnte aber auch wieder einmal ein Kontraindikator sein", sagt ein Händler. Er verweist darauf, dass Goldman im Mai 2008 einen Ölpreis von 200 Dollar je Fass prognozierte. In der Folge fiel der Ölpreis auf unter 40 Dollar zurück, die Stände von damals hat er bis heute nicht mehr gesehen.

Zugleich mehren sich aber auch Stimmen, die vor einer Schieflagen am Devisenmarkt warnen. "Das Risiko einer Gegenbewegung steigt", sagt Adam Myers, Chef-Devisenanalyst der Crédit Agricole. Die spekulativen Positionen auf einen fallenden Euro seien vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank sehr hoch. "Wir glauben, dass es zu früh für aggressive zusätzliche geldpolitische Maßnahmen ist", sagt Myers. Kurzfristig sei deshalb ein Euro-Anstieg Richtung 1,33 US-Dollar möglich. Darüber hinaus bleibe der Euro aber in Rallys ein Verkauf.

Hinzu kommen Erwartungen an eine Zinserhöhung in den USA - gestützt durch die deutlich besser als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten. So hat der Einkaufsmanagerindex ISM für die Industrie im August erneut zugelegt und ist auf den höchsten Stand seit März 2011 gestiegen. Der ISM-Index gilt als wichtigster Frühindikator für die US-Industrie. "Der deutliche Anstieg und das inzwischen sehr hohe Indexniveau sprechen dafür, dass sich die Wachstumsdynamik im Jahresverlauf weiter beschleunigen wird", kommentierte Johannes Jander Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) die Zahlen. "Insofern liefert die Verfassung der US-Wirtschaft kein Argument, die Zinserhöhungserwartungen in die Zukunft zu verschieben." Bisher erwartet der Markt für Mitte 2015 eine erste Leitzinsanhebung in den USA.

Die Schwäche des britischen Pfund Sterling erklären Devisenhändler mit dem Aufholen der schottischen Unabhängigkeitsbefürworter in den jüngsten Umfragen für der Volksabstimmung.

Der Dollar legte zum Yen deutlich zu und kostete mit rund 104,80 Yen so viel wie zuletzt im Januar. Am Montagmorgen notierte der Dollar noch bei rund 104,20 Yen. Die Abwertung des Yen gab in Tokio Aktien exportorientierter Unternehmen Auftrieb.

Quelle: n-tv.de

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