Wirtschaft
Will er Draghi abwerben? Oder fragt er nur um Rat? Der designierte Chef der EU-Kommission Jean-Claude Juncker.
Will er Draghi abwerben? Oder fragt er nur um Rat? Der designierte Chef der EU-Kommission Jean-Claude Juncker.(Foto: AP)

Juncker-Gerüchte um Draghi: Euro taucht nach US-Daten ab

An den Devisenmärkten wächst im Vorfeld des EZB-Entscheids die Spannung. Unter dem Druck starker Konjunktursignale aus dem Dollar-Raum gibt der Euro kräftig nach. Ein Treffen auf höchster Ebene heizt die Spekulationen an.

Der Euro verliert nach der Bekanntgabe unerwartet starker US-Daten deutlich an Stärke. Am Nachmittag erreichte die Gemeinschaftswährung bei 1,3358 Dollar den tiefsten Stand seit vergangenen November. Gegen Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3382 (Montag: 1,3422) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7473 (0,7451) Euro.

In den USA war die Stimmung der Einkaufsmanager im Bereich Dienstleistungen auf den höchsten Stand seit Ende 2005 gestiegen. Außerdem fiel der Auftragseingang in der US-Industrie im Juni stärker als erwartet aus. "Die Daten deuten auf eine anhaltend hohe Wachstumsdynamik in den USA hin", sagte Experte Johannes Jander von der Landesbank Hessen-Thüringen. Die Aussicht auf einen robusten Aufschwung habe dem Dollar Auftrieb gegeben und den Euro im Gegenzug belastet, hieß es aus dem Handel.

Die Reaktionen an den Märkten seien verständlich, erklärten Beobachter. Zwar sei eine stärkere US-Wirtschaft grundsätzlich im Interesse der Aktienanleger. Zugleich rückt damit aber der Zeitpunkt einer ersten Leitzinserhöhung durch die Fed näher. Am späten Nachmittag notiert der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung bei 1,3367 Dollar und damit 0,4 Prozent unter dem Vortagesniveau.

Widersprüchliche Signale kamen unterdessen von Konjunkturdaten aus der Eurozone. Während sich die am Markt stark beachtete Stimmung der Einkaufsmanager im Juli schwächer als erwartet aufhellte, konnten die Einzelhandelsumsätze im Währungsraum zuletzt positiv überraschen. Die Daten aus dem Währungsraum hatten den Euro am Vormittag aber kaum bewegt. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,79390 (0,79720) britische Pfund, 137,46 (137,72) japanische Yen und 1,2175 (1,2167) Schweizer Franken fest.

Was bespricht Juncker mit Draghi?

Die Gespräche der Devisenstrategen kreisen unterdessen bereits um das anstehende August-Treffen der Euro-Hüter. Die Mitglieder des EZB-Rats kommen an diesem Donnerstag zu ihrer ersten regulären Sitzung des neuen Monats zusammen.

Zuvor allerdings soll es Gerüchten zufolge um ein Spitzengespräch ganz anderen Kalibers kommen: Insidern zufolge wird EZB-Chef Mario Draghi am Mittwoch mit dem künftigen EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zusammentreffen.

Das Treffen sei in Luxemburg geplant, hieß es aus dem Umfeld europäischer Behörden. Eine Sprecherin Junckers lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Unter dem Vorsitz Draghis entscheiden die EZB-Ratsmitglieder am Donnerstag unter anderem auch über den Leitzins, den sie erst im Juni auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt hatte. Experten rechnen nicht mit einer weiteren geldpolitischen Lockerung.

Möglicherweise hat das Treffen einen ganz anderen Hintergrund: Juncker will sein Kommissionsteam bis zum EU-Sondergipfel am 30. August zusammengestellt haben. In Medienberichten wurde darüber spekuliert, dass der Luxemburger ein eigenes Ressort für die Finanzmärkte schaffen könnte. Bisher war der Franzose Michel Barnier als Binnenmarktkommissar für das Thema zuständig.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen